Sechs Beispiele für das starke Team Spitex-Heim
Einblicke in Beispiele aus sechs Kantonen zeigen, wie unterschiedlich die Heime und die Spitex kooperieren – auch zugunsten jüngerer Klientinnen und Klienten.
1) «Ein durchgängiger Patientenpfad ist bei uns keine Einbahnstrasse»
2) Das Zuhause wird finanziert wie ein Heim
3) Ein Kompetenz- und Qualitätszentrum vernetzt Spitex und Heim
4) Im Winter ins Heim, im Frühling zurück nach Hause
5) Nächtlicher Bereitschaftsdienst für Heime
6) Wenn die eigenen vier Wände ein betreutes Wohnen sind

«Ein durchgängiger Patientenpfad
ist bei uns keine Einbahnstrasse»
Die careköniz AG (BE) bietet ambulante und stationäre Pflege- und Betreuungsleistungen unter dem gleichen Dach an. Die Organisation entstand Anfang 2025 aus der Fusion zwischen der SPITEX Region Köniz und den Alterszentren logisplus. Geschäftsführerin Christina Gygax spricht über die Wichtigkeit der Fusion für die eigene Wettbewerbsfähigkeit. Und sie zeigt auf, welche Vorteile aus dem zusammengelegten Angebot für die Bevölkerung entstehen.
EVA ZWAHLEN. Das erste Jahr in ihrer neuen Funktion als Geschäftsführerin der neugegründeten careköniz AG (BE) habe sie als «sehr bewegt» erlebt, berichtet Christina Gygax. Die Organisation ging Anfang 2025 aus der Fusion zwischen der SPITEX Region Köniz und den Alterszentren logisplus in Köniz hervor und bietet heute ambulante und stationäre Pflege- und Betreuungsleistungen aus einer Hand an. Die Geschäftsführerin beschreibt viele Herausforderungen inner- und ausserhalb der Organisation: «Uns beschäftigte 2025 einerseits das Ausschreibungsverfahren des Kantons Bern zu den neuen Spitex-Versorgungsregionen stark1. Andererseits war es uns wichtig, als neue Organisation auf allen Stufen zusammenzuwachsen.» Um das Zusammenwachsen zu fördern, organisierte careköniz für alle Kader-Mitglieder Retraiten, die Gelegenheit boten, sich kennenzulernen, mehr über die Arbeit der Kolleginnen und Kollegen zu erfahren und eine gemeinsame Führungshaltung zu entwickeln.
Ein Ansprechpartner gibt Sicherheit
Bevor Christina Gygax die Geschäftsführung von careköniz übernahm, leitete sie ab 2019 die SPITEX Region Köniz. Mit logisplus sei man schon länger im Kontakt gewesen, sagt sie, denn für beide Organisationen stehe eine ganzheitliche und integrierte Gesundheitsversorgung im Zentrum. «Wir suchten nach Möglichkeiten der Zusammenarbeit, zum Beispiel bei Weiterbildungen oder beim Materialeinkauf. Daraus ergaben sich aber keine grossen Würfe.» Die Geschäftsführerin erläutert weiter: «Ursprünglich wollten wir in Köniz ein Gesundheitszentrum mit verschiedenen Akteuren des Gesundheitswesens aufbauen.» Diese Pläne scheiterten dann allerdings an den existierenden Nutzungsvorschriften, die von der Gemeinde für die gewünschte Immobilie vorgegeben waren. «Eine Umzonung hätte einen Volksentscheid bedingt. So lange wollten wir nicht warten.»
Auch ohne Gesundheitszentrum – und dank der Fusion von ambulanten und stationären Angeboten – sei ein durchgängiger Patientenpfad allerdings möglich. Christina Gygax erläutert: «Bei careköniz verstehen wir darunter keine Einbahnstrasse, sondern ein Angebot, das in beide Richtungen durchlässig ist.» Und skizziert einen möglichen Weg entlang dieses Patientenpfades: «Vielleicht zieht jemand in ein altersgerechtes Wohnen, zuerst einmal ohne Pflege. Später kommen möglicherweise entsprechende Leistungen oder ein Aufenthalt in einer Tagesstruktur dazu.» Ein Eintritt in eine stationäre Einrichtung könne dann ein weiterer möglicher Schritt sein. Für die aktuellen und zukünftigen Kundinnen und Kunden habe das durchlässige Angebot viele Vorteile: «Unter anderem haben sie nur einen Ansprechpartner, was Sicherheit gibt und vereinfacht.» Die Geschäftsführerin ist überzeugt davon, dass careköniz zur Vision «Care@Home 2040» von Spitex Schweiz – eine integrierte und digitale Gesundheitsversorgung zu Hause im Jahre 2040 – beiträgt. Sie fügt an: «Für eine wirkliche integrierte Versorgung wäre es wichtig, dass auch andere Akteure einbezogen werden könnten, etwa Spitäler oder die Ärzteschaft.»
Unsere Fusion war ein Zusammenschluss auf Augenhöhe.
Christina Gygax
Geschäftsführerin careköniz
Wettbewerbsfähigkeit stärken
370 Mitarbeitende beschäftigt careköniz – eine gemeinnützige Aktiengesellschaft (AG) – heute. Die Gesellschaftsform der gemeinnützigen AG sei für eine Organisation dieser Grösse gut geeignet, sagt Christina Gygax: «Wir haben den Wandel vom Verein zur gemeinnützigen AG bereits 2023 bei der SPITEX Region Köniz vollzogen. Für uns war klar, dass ein Verein einen so grossen Betrieb nicht mehr führen kann.» Wichtig sei, die Kundinnen und Kunden, allfällige Partnerorganisationen oder die Politik auf die Gemeinnützigkeit hinzuweisen und zu erklären, dass ein allfälliger Gewinn in die Organisation zurück investiert werde. Ein durchlässiger Patientenpfad und die Stärkung der eigenen Wettbewerbsfähigkeit seien wesentliche Treiber der Fusion gewesen – etwa mit Blick auf die Arbeitgeberattraktivität: «Wir wollen dem Fachkräftemangel etwas entgegensetzen. In der Kommunikation nach aussen betonen wir daher, dass wir alles aus einer Hand und interne Perspektiven anbieten können», betont Christina Gygax. Die bestehenden Mitarbeitenden habe man von Anfang an auf die «Fusionsreise» mitgenommen und Wert daraufgelegt, dass Unsicherheiten oder Ängste früh adressiert werden konnten. Die Organisationsgrösse spielte dabei eine wesentliche Rolle: «Unsere Fusion war ein Zusammenschluss auf Augenhöhe, kein Szenario ‹ein Grosser frisst den Kleinen›», führt sie weiter aus. Ein besonderes Augenmerk legte man auch auf die Vereinigung der beiden Unternehmenskulturen, zudem wurden die Arbeits- und Anstellungsbedingungen miteinander verglichen und vereinheitlicht. «Alle Mitarbeitenden sollen dieselben Bedingungen haben», begründet die Geschäfts-
führerin.
Trotz der Fusion hielt die Organisation übrigens an getrennten ambulanten und stationären Pflegeteams fest. Christina Gygax erläutert, wie es dazu gekommen ist: «Wir haben uns zu Beginn kurz überlegt, die Teams zusammenzulegen. Dazu tauschten wir uns auch mit Organisationen aus, die dies in der Vergangenheit umgesetzt hatten.» Verworfen worden sei die Zusammenlegung letztlich, weil die Autonomie der Heim-Bewohnenden respektive der Spitex-Kundinnen und -Kunden von den Pflegenden unterschiedlich wahrgenommen und im Alltag gelebt werde. Die Geschäftsführerin betont jedoch: «Vielleicht erhalten wir ja einmal eine Bewerbung von einer Fachperson, die es sich vorstellen könnte, in beiden Teams zu arbeiten. Dies würde mich freuen.»
Ein durchlässiger Patientenpfad und die Stärkung unserer eigenen Wettbewerbsfähigkeit waren wesentliche Treiber der Fusion.
Christina Gygax
Geschäftsführerin careköniz
Das Zuhause wird finanziert wie ein Heim
Die Thurvita AG (SG) vereint Alters- und Pflegeheime und Spitex. Besonders daran ist das Angebot «Daheim – ein Leben lang», das in Bezug auf die Finanzierung gleichzeitig stationär und ambulant sein kann.
KATHRIN MORF.Über die Thurvita AG mit Sitz in Wil (SG) hat das «Spitex Magazin» mehrfach berichtet (z.B. «Spitex Magazin» 6/2025). Aufgrund ihres Angebots «Daheim – ein Leben lang» (Früher: «Älterwerden im Quartier»), das die Finanzierungslogiken von Heimen und Spitex zusammenbringt, darf die Thurvita im Fokusthema «Spitex und Heime» aber nicht fehlen: Die Thurvita mit 387 Mitarbeitenden betreibt unter anderem fünf Pflegeheime und die Thurvita Spitex. Das intermediäre Thurvita-Angebot «Daheim – ein Leben lang» umfasst altersgerechte, mit Notrufsystem ausgerüstete Wohnungen, in denen ein umfassendes 24/7-Angebot an Pflege und Betreuung verfügbar ist. Sie sind einem Quartierzentrum angeschlossen, in dem sich unter anderem ein rund um die Uhr besetzter Spitex-Stützpunkt befindet.
Erprobt wurde «Daheim – ein Leben lang» jahrelang in 28 Wohnungen der Genossenschaft für Alterswohnungen in Wil. Richtig zum Tragen kommt das Konzept allerdings erst seit Kurzem: «Im März 2026 eröffnete die Thurvita im Quartierzentrum City gleich neben dem Bahnhof Wil 32 Alterswohnungen, einen Spitex-Stützpunkt und ein Tageszentrum mit Fokus auf Menschen mit Demenz», berichtet Esther Indermaur, Leiterin ambulante Leistungen der Thurvita. Der Bau von 32 weiteren «Daheim – ein Leben lang»-Wohnungen beim Alterszentrum «Sonnenhof» in Wil soll planmässig im Frühling 2027 abgeschlossen sein. Zudem prüfe die Thurvita weitere Standort-Optionen, um die grosse Nachfrage zu decken.
Unsere Dienstleistungen
wirken miteinander, nicht nebeneinander.
Esther Indermaur
Leiterin ambulante Leistungen, Thurvita AG
Das Heim kommt nach Hause
Die ambulante Versorgung wird laut Esther Indermaur dann schwierig, wenn Einsätze nicht mehr planbar sind oder die notwendige Betreuung stark zunimmt. Die Thurvita erfüllt an den Standorten mit den Alterswohnungen nun aber alle Vorgaben des Kantons St. Gallen für ein Pflegeheim. Darum kann bei Bedarf in einer Wohnung eine stationäre Pflege und Betreuung stattfinden, was bedeutet, dass die Thurvita dort erbrachte Leistungen auch stationär abrechnen darf. Relevant ist dies laut Esther Indermaur, weil die stationäre Finanzierung in der Tagestaxe unter anderem Betreuungsleistungen beinhaltet. «Wir sind bei der Thurvita überzeugt, dass nicht die Finanzierung über den Wohnort einer Person im Alter entscheiden soll», betont das Geschäftsleitungsmitglied. Aktuell werde zwar in keiner der Wohnungen stationär abgerechnet; in der Vergangenheit sei dies allerdings mehrmals der Fall gewesen – und dank einer korrekten Erbringung, Erfassung und Abrechnung aller Leistungen gemäss den Tarifverträgen habe dies reibungslos funktioniert.
Möglich seien ein innovatives Konzept wie «Daheim – ein Leben lang» und ein verlässliches Versorgungsnetz für ältere Menschen mit einem breiten Angebot aus einer Hand, da die Dienstleitungen bei der Thurvita «nicht nebeneinander, sondern miteinander wirken», wie Esther Indermaur sagt: «Weil Spitex und Heime unter einem Dach vereint sind, greifen Prozesse, Systeme und Haltungen ineinander. So können wir Übergänge einfach gestalten – und Menschen durchgehend begleiten.»
Ein Kompetenz- und Qualitätszentrum vernetzt Spitex und Heim
Dem Gesundheitsnetz Saane (FR) gehören unter anderem eine Spitex sowie ein Alters- und Pflegeheim an. Um die Koordination und Kontinuität
der Versorgung zu verbessern, setzt die Organisation insbesondere auf die Arbeit von Pflegeexpertinnen und Pflegeexperten APN – und auf eine
gemeinsame Qualitätskultur.
FLORA GUERY. Das Schaffen einer Setting-übergreifenden Pflegedirektion war ein wichtiger Schritt in der Gründung des Gesundheitsnetzes Saane (FR). «Unsere Organisation vereint mehrere Leistungserbringer, und es wurde unerlässlich, die Konsistenz zwischen den verschiedenen Bereichen zu fördern», erklärt Pflegedirektorin Muriel Gailhac. Die Pflegedirektion steht der Spitex Saane genauso vor wie dem Alters- und Pflegeheim Saane in Villars-sur-Glâne mit rund 100 Betten sowie einer Tagesstruktur. Sie umfasst zudem das Koordinationszentrum, das als zentrale Anlaufstelle für Anfragen zu Spitex und Heim dient. Insgesamt beschäftigen das Heim, die Spitex und das Koordinationszentrum über 300 Mitarbeitende im Pflegebereich. «Die neue Organisationsstruktur ermöglicht es, eine gemeinsame Vision zu leben, die auf integrierte Versorgung und die Kontinuität der Behandlungspfade der Klientinnen und Klienten setzt», erklärt Muriel Gailhac.
Wenn das Zentrum ein Projekt entwickelt, fragt es sich stets, ob dieses in beiden Settings umgesetzt werden kann.
Justine Wicht
Leiterin Kompetenz- und Qualitätszentrum Gesundheitsnetz Saane
Eine gemeinsame Kultur im Aufbau
Bestimmte Prozesse wurden zwischen den beiden Settings besser aufeinander abgestimmt oder sogar harmonisiert, insbesondere in Bezug auf die Bedarfsermittlung, die klinische Praxis und Qualitätsmassnahmen. Die Koordination zwischen der Spitex und dem Heim hat sich laut Muriel Gailhac verbessert, und der Informationsfluss laufe reibungsloser: «Das erleichtert die Entscheidungsfindung, wenn Situationen eine verstärkte Zusammenarbeit erfordern.»
Die neue Organisation ermöglicht es auch, bestimmte Kompetenzen zu bündeln: So können das Ergotherapie-Team und das Ernährungs-Team in beiden Settings tätig werden, auch im Rahmen von Schulungen. Der Aufbau einer gemeinsamen Kultur bleibt jedoch ein schrittweiser und für die Teams zeitweise anspruchsvoller Prozess, denn die Spitex und die Heime basieren auf unterschiedlichen Organisationslogiken: «Beispielsweise legt die Spitex oft Wert auf berufliche Autonomie und Flexibilität bei den Einsätzen, während das Heim eher nach strukturierten und formell festgehaltenen institutionellen Logiken handelt», erklärt die Direktorin. «Die übergeordnete Leitung muss daher ständig daran arbeiten, die beiden Kulturen einander anzunähern.»
Die Schlüsselrolle des Kompetenz- und Qualitätszentrums
Das im Juli 2024 gegründete Kompetenz- und Qualitätszentrum spielt in dieser Hinsicht eine Schlüsselrolle. Es zielt insbesondere darauf ab, die Praktiken zu harmonisieren und die Kompetenzen der Teams angesichts der immer komplexeren Pflegesituationen durch die Einbindung von Pflegeexpertinnen und Pflegeexperten APN – genauer von Clinical Nurse Specialists – zu stärken. «Es war unser Wunsch, APN einzustellen», betont die Leiterin des Zentrums, Justine Wicht, die selbst einen Master in Pflegewissenschaften besitzt. «Unser Zentrum fungiert als Vermittler des Wandels und stützt sich dabei auf evidenzbasierte Praktiken, die zwischen den beiden Setting-Bereichen übertragbar sind.» Wenn das Zentrum ein Projekt entwickle, frage es sich darum stets, ob dieses in beiden Settings umgesetzt werden kann, erklärt Justine Wicht. Eine Qualitätskommission bringt zudem Fachpersonen aus beiden Settings zusammen – und es werden gemeinsame Impf- oder Präventionskampagnen organisiert, etwa am Internationalen Händewasch-Tag.
Auf dem Weg zu gemeinsamen Fortbildungen und Indikatoren
Das Kompetenz- und Qualitätszentrum trägt auch zur Weiterentwicklung der Fortbildung bei: In Zusammenarbeit mit der Personalabteilung des Gesundheitsnetzes Saane hat es einen Katalog mit über 70 Fortbildungen mit drei Schwerpunkten erstellt: einem gemeinsamen Jahresthema (2026 die Partnerschaft mit den Klientinnen und Klienten oder Bewohnenden), Schulungen für neue Mitarbeitende sowie Massnahmen zur Aufrechterhaltung von erworbenem Wissen. Die Inhalte sind an das jeweilige Setting angepasst; aktuell werden aber auch übergeordnete Fortbildungen geprüft. «Wir erwägen insbesondere gemeinsame Schulungen zum Thema klinisches Assessment», erklärt Justine Wicht.
Für Muriel Gailhac ermöglicht das Qualitäts- und Kompetenzzentrum heute eine besser koordinierte Durchführung von Projekten in den Bereichen Fortbildung, Qualität und Innovation. «In einem Umfeld, das hohe Anforderungen an die Pflegeberufe stellt, ermöglicht unsere neue Struktur zudem, die Verantwortlichen vor Ort besser zu unterstützen und die Teams rund um die Veränderungen in der Branche zu begleiten», lobt die Pflegedirektorin. Und nun richte man den Fokus auf die Qualitätsentwicklung, sagt Justine Wicht abschliessend: «Wir arbeiten insbesondere an der Einführung gemeinsamer Qualitätsindikatoren für Heime und Spitex.»
Im Winter ins Heim, im Frühling zurück nach Hause
Heute ist die Anforderung an Alters- und Pflegeheime und Spitex, dass der Übergang zwischen den beiden Settings «durchlässig» sein soll, und zwar auf beide Seiten – dass also auch ein Wechsel aus dem Heim zurück zur Spitex-Pflege zu Hause möglich ist. Die Flury Stiftung (GR), die Heime und Spitex vereint, stellt diese Durchlässigkeit auf unterschiedliche Art und Weise sicher.
KATHRIN MORF. Zur Flury Stiftung im Bündner Prättigau gehören drei Alters- und Pflegeheime mit insgesamt 168 Betten und 170 Mitarbeitenden und die Spitex Prättigau mit rund 380 Klientinnen und Klienten sowie 65 Mitarbeitenden. Im Weiteren vereint die Stiftung unter anderem auch ein Spital und Angebote für Wohnen mit Service in einer Organisation. Dass der Flury Stiftung Heime und Spitex angehören, sorge dafür, dass die Übergänge oft unkompliziert verlaufen, berichtet Nicole Schneider, Bereichsleiterin Ambulante Pflege & Beratung. «Die gemeinsame Kundenadministration sowie der enge Austausch zwischen Spitex-Stützpunkt und der Bettendisposition der Heime erleichtern die Koordination deutlich. Informationen sind schnell verfügbar und Klientinnen, Klienten sowie Bewohnende müssen ihre Angaben nicht immer wieder neu machen», erklärt sie.
Temporärzimmer werden beispielsweise nach einem Spitalaufenthalt genutzt – im Prättigau spricht man vom ‹Erstarchen›, bevor man nach Hause zurückkehrt.
Anna Katharina Castelberg
Bereichsleiterin Altersheim Jenaz, Flury Stiftung
Die kalte Jahreszeit im Heim verbringen
Durch die Vereinigung von Spitex und Heimen lasse sich auch das Ziel besser verfolgen, für Durchlässigkeit zwischen den Settings zu sorgen – also für einen flexiblen Wechsel von der Spitex ins Heim und umgekehrt. Beispielsweise bietet die Flury Stiftung temporäre Aufenthalte im Heim an. «Diese dauern in der Regel 14 bis 25 Tage. Bei Bedarf sind aber auch längere befristete Erholungsphasen möglich», erklärt Anna Katharina Castelberg, Bereichsleiterin Altersheim Jenaz. «Temporärzimmer werden beispielsweise nach einem Spitalaufenthalt genutzt – im Prättigau spricht man vom ‹Erstarchen›, bevor man nach Hause zurückkehrt.» Auch zur Entlastung pflegender Angehöriger würden temporäre Aufenthalte genutzt oder als ‹Schnuppertage› vor einem potenziellen Umzug ins Heim. Um den Übergang für die Betroffenen angenehm zu gestalten, werden sie bei Eintritt ins Heim oft durch die Spitex begleitet.
Ein Beispiel für eine Rückwärtsbewegung vom Heim zur Spitex ist die Frau, die nach einem Armbruch länger in einem Heim der Flury Stiftung wohnte, bis sie nach Hause zurückkehren konnte – pünktlich zum Erblühen ihres Gartens im Frühling. «Ein Mann musste im Winter mit dem Helikopter ausgeflogen werden, weil er sein Haus aufgrund der grossen Schneemengen nicht mehr verlassen konnte und das Einheizen mit Holz zu anstrengend geworden war», berichtet Anna Katharina Castelberg weiter. «Nach der Stabilisierung verbrachte er einige Zeit im Heim – und im Frühling kehrte er dank der Unterstützung der Spitex wieder in sein geliebtes Zuhause zurück.»
Winteraufenthalte im Heim sind im Prättigau also kein Problem. «Beobachtet die Spitex, dass ein solcher Aufenthalt möglich werden könnte, meldet sie dies frühzeitig, sodass gemeinsam Lösungen gesucht werden können», erklärt Anna Katharina Castelberg und erzählt: «Einmal stand an einem kalten Wintertag ein älterer Mann mit Koffer vor dem Altersheim und erklärte, er wolle ‹zum Überwintern› bleiben. Im Frühling sagte er schmunzelnd, er bleibe nun doch auch noch für den Sommer – und fand schliesslich dauerhaft ein neues Zuhause im Heim.»
Ein Personalpool an Springern für beide Settings
Die Flury Stiftung verfügt auch über ein Pool-Team aus Mitarbeitenden, die in den Heimen, der Spitex und im Spital eingesetzt werden können: «Voraussetzung für eine Tätigkeit im Pool sind insbesondere Flexibilität und die Freude an abwechslungsreichen Einsätzen», berichtet Nicole Schneider. Kurze Entscheidungswege unterstützten die Flexibilität im Pool zusätzlich. «Das Modell funktioniert unter anderem deshalb gut, weil die Spitex, die Heime und das Spital als Teile derselben Organisation eine gemeinsame Kultur pflegen», sagt sie.
Nächtlicher Bereitschaftsdienst für Heime
Für kleinere Alters- und Pflegeheime können Pflege-Notfälle in der Nacht aufgrund personeller Engpässe eine Herausforderung darstellen. Die Spitex Kanton Zug bietet diesen Institutionen deshalb seit rund zehn Jahren einen bezahlten nächtlichen Bereitschaftsdienst an. Die Nachfrage geht allerdings zurück.
EVA ZWAHLEN. Um pflegerische Notfälle in der Nacht abdecken zu können, müssen Alters- und Pflegeheime über genügend tertiäres Personal verfügen. Dies kann vor allem kleinere Heime vor Herausforderungen stellen. Grund: Ihnen fehlen bisweilen aufgrund personeller Engpässe die nötigen Pflegefachpersonen für die nächtlichen Einsätze. Die Spitex Kanton Zug bietet diesen kleineren Institutionen deshalb seit rund zehn Jahren einen bezahlten nächtlichen Bereitschaftsdienst an. «Wir haben jede Nacht diplomierte Pflegefachpersonen im Einsatz. Diese sind allerdings nicht immer gleich ausgelastet», erläutert Carina Brüngger, Geschäftsführerin Spitex Kanton Zug. Daher sei man auf die Heime zugegangen und habe diesen angeboten, die Nachtdienste zu übernehmen.
Die Heime haben nachts vermehrt genügend eigene Pflegefachpersonen.
Carina Brüngger
Geschäftsführerin Spitex Kanton Zug
Nachfrage geht zurück
Grundlage der Zusammenarbeit zwischen den Heimen und der Spitex bildet ein Vertrag, verrechnet werden – zusätzlich zum Bereitschaftsdienst – die tatsächlich geleisteten Einsätze. Die Nachfrage nach dieser Dienstleistung nehme allerdings seit geraumer Zeit spürbar ab, führt Carina Brüngger, die das Unternehmen im Mai 2026 verlässt
(siehe dazu News), weiter aus: «Die Heime haben vermehrt genügend eigene Pflegefachpersonen in der Nacht im Einsatz. In den vergangenen drei Jahren haben wir deshalb keine physischen Einsätze mehr geleistet.»
Auch die telefonische Beratung der Heime ging zurück, von sieben Anrufen auf zwei in den letzten Jahren. Am eigenen Nachtdienst hält die Spitex-Organisation indes auch weiterhin fest. Dies, um nächtliche Pflegeeinsätze für die eigenen Klientinnen und Klienten wahrnehmen zu können.
Wenn die eigenen vier Wände ein
betreutes Wohnen sind
SPITEX BASEL übernimmt ambulante Psychiatriepflege-Einsätze (APP) in sozialpädagogischen Wohngruppen oder Institutionen, wenn dort die entsprechenden fachlichen Ressourcen fehlen. Claudia Lötscher, Leiterin Fachentwicklung von SPITEX BASEL, geht davon aus, dass der Bedarf an
diesen Dienstleistungen zunehmen wird.
EVA ZWAHLEN. Wer Spitex hört, denkt in der Regel zuerst an die Pflege älterer Menschen in den vier Wänden der eigenen Wohnung. Dass diese vier Wände auch eine Wohngruppe oder ein Heim und die Klientinnen und Klienten durchaus jung sein können, zeigt das Beispiel von SPITEX BASEL. Hier leisten die psychiatrisch tätigen Mitarbeitenden derzeit bei über 20 Klientinnen und Klienten ambulante Psychiatriepflege-Einsätze (APP) in sozialpädagogischen oder anderen stationären Einrichtungen, etwa in einem betreuten Wohnen (im Alter) oder sogar in einem Asylheim. (Warum die Spitex zunehmend auch mit Heimen für Menschen mit Behinderung kooperiert, lesen Sie im Infokasten).
Chronisch schwer psychisch erkrankte jüngere Menschen
Meist handelt es sich dabei um Klientinnen und Klienten, die aus einer Klinik aus- und zum Beispiel in eine niederschwellige sozialpsychiatrische Einrichtung für psychisch Erkrankte eingetreten sind. Entsprechend sind die Auftraggebenden der Einsätze gemäss Krankenversicherungsgesetz (KVG) in der Regel Spitäler oder Kliniken. SPITEX BASEL übernimmt psychiatriepflegerische Einsätze bei einem nachgewiesenen Bedarf –
unabhängig von der Wohnsituation oder dem Betreuungssetting. Da in vielen sozialpädagogischen Einrichtungen oder Wohngruppen psychiatrische Pflegefachpersonen fehlen, wird die pflegefachliche Expertise im APP-Bereich extern angefordert. «Die Arbeit mit diesen Klientinnen und Klienten ist anspruchsvoll und stellt hohe Anforderungen an die Pflegekompetenzen», betont Claudia Lötscher, Leiterin Fachentwicklung und Geschäftsleitungsmitglied von SPITEX BASEL. So gehe es etwa um das Medikamentenmanagement und präventive oder deeskalierende Interventionen bei drohender Selbst- oder Fremdgefährdung. Auch die intensive Betreuung und Begleitung in Krisen, verbunden mit begleitenden unterstützenden oder pflegetherapeutischen Interventionen, gehörten dazu. «Wir erarbeiten mit Menschen mit unterschiedlichen Diagnosen Krisenpläne und Coping-Strategien oder trainieren Achtsamkeit und Selbstwahrnehmung», erläutert Claudia Lötscher.
Die Spitex-Organisation ermöglicht Menschen mit einer psychischen Erkrankung ein Leben in ihrem gewohnten Umfeld und bietet bedarfsgerechte, personenzentrierte Unterstützung entlang des gesamten Krankheitsverlaufs2. «Die Einsätze in diesen Institutionen sind kein spezifisches alterspsychiatrisches Angebot», führt sie weiter aus. «In der Regel sind es chronisch schwer psychisch erkrankte jüngere Menschen mit Erkrankungen aus dem psychotischen Spektrum oder einer Suchterkrankung.» Auch im Suchtbereich verantworten die Pflegefachpersonen unter anderem das Medikamentenmanagement gemäss Vorgaben der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB).
Ambulante Psychiatriepflege kann selbstbestimmte Lebensführung ermöglichen
Das Angebot werde heute noch wenig systematisch genutzt, sagt Claudia Lötscher. «Wir übernehmen dann, wenn uns diese einzelnen Fälle zugewiesen werden.» Die Leiterin Fachentwicklung geht allerdings davon aus, dass ambulante Angebote und die Nachfrage nach APP steigen werden. «Sollte der Bedarf seitens der Zuweisenden zunehmen, so müssten wir die Dienstleistung mit Blick auf diese besondere Zielgruppe systematisch, bedarfsgerecht und nachhaltig ausbauen.» Für sie ist klar: «Schwere psychische Erkrankungen, die über eine längere Zeit andauern und mit erheblichen Einschränkungen verbunden sind, gehen häufig mit psychosozialen Beeinträchtigungen und einer eingeschränkten Teilhabe am gesellschaftlichen Leben einher.» Der oftmals langjährige psychiatrische Krankheitsverlauf könne das Erleben der betroffenen Personen sowie ihre Alltagsbewältigung und das soziale Funktionsniveau erheblich beeinflussen. Der daraus resultierende kontinuierliche Unterstützungsbedarf bedinge ein psychosoziales Hilfs- und Behandlungssystem, begründet Claudia Lötscher weiter. APP könne dazu beitragen, dass die Alltagsbewältigung gefördert, eine selbstbestimmte Lebensführung ermöglicht und Spitalaufenthalte vermieden werden, schliesst sie – auch wenn die eigenen vier Wände ein betreutes Wohnen sind.
Auch Heime für Menschen mit Behinderung arbeiten mit der Spitex zusammen
KM. «Heime für Menschen mit Behinderung kooperieren zunehmend mit der Spitex», sagt Rahel Stuker, Geschäftsführerin von INSOS, dem Branchenverband der Dienstleister für Menschen mit Behinderungen. Gründe hierfür
gebe es mehrere: «Auch Menschen mit Behinderung werden immer älter und brauchen mehr spezialisierte Pflege. Und sie werden immer früher aus dem Spital entlassen beziehungsweise können dank der heutigen Möglichkeiten der Medizin und Pflege immer häufiger ausserhalb des Spitals versorgt werden.» All diese Trends führten dazu, dass der Pflegebedarf in Heimen für Menschen mit Behinderung steige. «Viele dieser Heime verfügen zwar über Pflegepersonal, aber selten über spezialisiertes», fügt sie an. Damit stark pflegebedürftige Bewohnende dort leben oder auch sterben können, wo sie sich zu Hause fühlen – im Heim – würden viele Heime komplexere Pflegeleistungen oder auch Palliative Care von der Spitex einkaufen.
Ein weiterer Grund für die Kooperationen ist laut Rahel Stuker, dass verschiedene Kantone von Heimen für Menschen mit Behinderung verlangen, Pflegeleistungen über das Bundesgesetz über die Krankenversicherung (KVG) abzurechnen. Ein Beispiel ist der Kanton Bern, wo unter anderem das Gesetz über die Leistungen für Menschen mit Behinderungen (BLG) den Grundsatz der Subsidiarität festhält. Dies bedeutet laut dem 2025 vom Kanton veröffentlichten Merkblatt «Pflegeleistungen über Krankenkasse abrechnen», dass für Massnahmen der Grund- und Behandlungspflege alle vorgelagerten Leistungen ausgeschöpft sein müssen, bevor die kantonale Behindertenhilfe zum Zuge kommt. Heime können diesem Grundsatz gerecht werden, indem sie eine Zulassung als Spitex-Organisation oder Pflegeheim erlangen oder eine Kooperation mit der Spitex oder freiberuflichen Pflegefachpersonen eingehen. «Die verschiedenen Finanzierungslogiken machen
die Situation für Heime für Menschen mit Behinderung vielerorts unnötig kompliziert», kritisiert Rahel Stuker. Sie hoffe, dass die geplante einheitliche Finanzierung ambulanter und stationärer Leistungen dies künftig verbessert.
Wohngruppen oder sozialpädagogische Einrichtungen in der
Stadt Basel mit Bedarf an APP können sich für Beratung
und Anmeldung an SPITEX BASEL wenden: 061 686 96 15 oder
anmeldung@spitexbasel.ch
- Das Gesundheitsamt der Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion (GSI) hat 2025 mit den Leistungserbringenden die Spitex-Versorgungsregionen für den Kanton Bern neu definiert. Die bestehenden 47 Spitex-Perimeter wurden per 2026 aufgehoben und umfassen neu noch 17 Regionen (Quelle: www.be.ch). ↩︎
- Siehe dazu auch das Grundlagenpapier ambulante Psychiatriepflege (APP) von Spitex Schweiz: https://spitexmagazin.ch/ein-grundlagenpapier-schaerft-das-profil-der-ambulanten-psychiatrischen-pflege ↩︎