«Es ist eindrücklich, wenn ich Klientinnen und Klienten entlasten kann»
Vergangenes Jahr hat die Spitex Region Schwyz ein Case Management für besonders komplexe Pflegesituationen ins Leben gerufen. Der Bedarf steigt – auch von benachbarten Spitex-Organisationen. Wie das Case Management unterstützen kann und welche Momente besonders berührend sind, davon berichtet der zuständige Case Manager Roland Rickenbacher.
EVA ZWAHLEN. Die Komplexität der Fälle bei der Spitex nimmt zu. Dies stellen die Basisorganisationen seit vielen Jahren fest – seit 2024 ist diese Entwicklung auch wissenschaftlich belegt (vgl. Spitex Magazin 2/2024 «Immer mehr komplexe Fälle für die Spitex»). Um den Klientinnen und Klienten in diesen komplexen Situationen gerecht zu werden, hat die Spitex Region Schwyz 2025 ein spezialisiertes Case Management ins Leben gerufen. In Anspruch nehmen können es auch die Spitex-Organisationen in der Region.

Intensiver begleiten und standardisiert strukturieren
Roland Rickenbacher leitet die Fachstelle, welche die Fallübersicht und -begleitung in komplexen Pflegesituationen, die Vernetzung und Koordination aller Involvierten und die Beratung von Fachpersonen, Angehörigen sowie Klientinnen und Klienten verantwortet – dies im Moment noch allein. Sollte die Fallzahl weiter zunehmen, so sei eine personelle Erweiterung der Fachstelle denkbar, sagt er. 2025 begleitete der Pflegefachmann, der vor der Spitex als Leiter der interdisziplinären Privatabteilung im Spital Schwyz tätig war und aktuell ein CAS im Bereich Case Management absolviert, sechs Fälle. Dieses Jahr sind es jetzt bereits deren fünf. Roland Rickenbacher weist darauf hin, dass die Treiber der Komplexität genau so vielfältig seien wie die jeweiligen Lebensumstände der Menschen. Laut dem 54-Jährigen führen allerdings insbesondere die früheren Entlassungen aus dem Spital dazu, dass die Pflege zu Hause spürbar komplexer werde. «Viele Menschen möchten so rasch als möglich wieder in ihrer vertrauten Umgebung sein. Das ist nachvollziehbar, bringt aber aufgrund der Komplexität auch höhere Anforderungen an Koordination, Pflege und Betreuung mit sich.» Er betont, dass das Case Management die klassische Fallführung nicht ersetze, sondern ergänze und erweitere. Der Unterschied liege vor allem in der Tiefe und Systematik der Bearbeitung. «Das Case Management kann besonders komplexe Situationen intensiver begleiten und standardisiert strukturieren.»
Von «komplexen Fällen» spricht die Spitex Region Schwyz dann, wenn eine Pflege- und Betreuungssituation zu Hause – trotz Unterstützung durch Angehörige, Fachpersonen oder weitere Stellen – zunehmend herausfordernd wird. «Häufig kommen pflegerische Fragen, medizinische Anforderungen, familiäre Belastungen und finanzielle oder sozialversicherungsrechtliche Aspekte zusammen», beschreibt Roland Rickenbacher diese Situationen. In solchen Fällen übernimmt der Case Manager eine koordinierende Rolle: Er bringt die beteiligten Personen und Institutionen zusammen – etwa fallführende Mitarbeitende, Spital, Angehörige, Ärztinnen und Ärzte oder Sozialversicherungen.
Das Case Management kann besonders komplexe Situationen intensiver begleiten und standardisiert strukturieren.
Roland Rickenbacher
Pflegefachmann und Case Manager Spitex Region Schwyz
Bedarf bei den Basisorganisationen steigt
Ebendiese Koordination ist gemäss Roland Rickenbacher die zentrale Aufgabe des Case Managements. «Die grösste Herausforderung liegt oft nicht darin, dass keine Unterstützung vorhanden wäre», führt der Pflegefachmann aus. «Vielmehr geht es darum, die verschiedenen Beteiligten gut aufeinander abzustimmen.» Finanziert werden die Koordinationsleistungen zu Teilen über die reguläre Abrechnung als A-Leistungen. Das decke jedoch, da die Koordination auch Betreuungsleistungen umfasst, nicht alle Aufwände ab, sagt Roland Rickenbacher. Weitere Leistungen würden daher entweder durch die Spitex oder die Klientinnen und Klienten finanziert. Die Nachfrage der Basisorganisationen in der Region ist laut dem Case Manager vorhanden. «Aktuell bin ich unter anderem in den Regionen Arth-Goldau, Sattel-Rothenthurm und Einsiedeln unterwegs», erläutert Roland Rickenbacher. Die entsprechenden Einsätze stellt er den Basisorganisationen in Rechnung. Gerade kleinere oder regionale Organisationen könnten bei besonders komplexen Situationen von einer spezialisierten Unterstützung profitieren, sagt er. So wie die Spitex Region Einsiedeln Ybrig Alpthal, welche die Dienstleistung seit diesem Jahr in Anspruch nimmt. Geschäftsführerin Nadja da Costa betont den Mehrwert: «Unsere Mitarbeitenden werden entlastet und erhalten fachliche Unterstützung bei anspruchsvollen Fällen. Für die Klientinnen und Klienten bedeutet dies eine bessere Abstimmung aller beteiligten Stellen, eine höhere Versorgungsqualität sowie bedarfsgerechte und nachhaltige Lösungen.»
Für die Klientinnen und Klienten bedeutet das Case Management eine bessere Abstimmung aller beteiligten Stellen, eine höhere Versorgungsqualität sowie bedarfsgerechte und nachhaltige Lösungen.
Nadja da Costa
Geschäftsführerin Spitex Region Einsiedeln Ybrig Alpthal
Durch die optimale Koordination der involvierten Stellen könnten Spital- oder Heimeintritte reduziert, Versorgungslücken vermieden und individuelle Bedürfnisse gezielter berücksichtigt werden, führt Nadja da Costa weiter aus. Dies mache ihn sehr zufrieden, schliesst Roland Rickenbacher: «Besonders eindrücklich sind für mich Situationen, in denen ich mit meiner Arbeit Klientinnen und Klienten und deren Angehörige spürbar entlasten kann.» Und berichtet über die Ehefrau eines demenzbetroffenen Klienten, die erleichtert war, dass das Case Management den Spitaleintritt koordinierte und den Prozess bis zum Austritt begleitete.