Spitex als zentrale Akteurin bei Hospital-at-Home-Projekt am Zürichseeufer

Patientinnen und Patienten des linken Zürichseeufers können sich künftig auch bei bestimmten akuten Erkrankungen, die bisher eine stationäre Behandlung im Spital erforderten, zu Hause behandeln lassen. Ermöglicht wird dies durch das Projekt «Hospital-at-Home» von der Spitex Horgen-Oberrieden (ZH), dem See-Spital Horgen und der Hospital at Home AG. Ob eine Hospital-at-Home-Behandlung im Einzelfall möglich ist, entscheiden insbesondere das Erkrankungsbild, die Wohnsituation oder Unterstützungsmöglichkeiten des Umfeldes.

EVA ZWAHLEN. Kurz nach seinem Amtsantritt vor anderthalb Jahren nahm Andreas Dreier, Geschäftsleiter der Spitex Horgen-Oberrieden (ZH), mit Markus Bircher, CEO des See-Spitals Horgen, Kontakt auf. «Wir besprachen die Möglichkeiten unserer Zusammenarbeit. Und merkten schnell, dass wir beide an ‹Hospital-at-Home› interessiert sind», beschreibt der Spitex-Geschäftsleiter die ersten Sondierungsgespräche. Gemeinsam mit der Hospital at Home AG – als Drehscheibe zwischen der Spitex und dem Spital – lancierten beide Organisationen im Oktober 2025 ein entsprechendes Pilotprojekt. Für das See-Spital Horgen bringt das Hospital-at-­Home-Projekt einen konkreten Mehrwert für seine Patientinnen und Patienten. «Viele Menschen mit einer akuten, aber stabilen Erkrankung wünschen sich, wenn immer möglich in ihrem vertrauten Umfeld bleiben zu können. Mit Hospital-at-Home können wir ihnen eine medizinische Behandlung auf Spitalniveau anbieten – einfach nicht im Spitalbett, sondern zu Hause», sagt Melanie Roche, Leiterin Kommunikation und Marketing des See-Spitals. Gleichzeitig stärke das Angebot die Versorgung in der Region: «Wir setzen unsere stationären Kapazitäten gezielter für jene Menschen ein, die wirklich ein Spitalbett benötigen und entlasten so das System insgesamt.»

Wir können komplexe Behandlungen auch ambulant durchführen.

Andreas Dreier

Geschäftsleiter Spitex Horgen-Oberrieden

Dienstleister für Spitex und Spital
Stephan Pahls, Geschäftsführer der Hospital at Home AG, erläutert, wie die Hospital at Home AG funktioniert: «Wir arbeiten Spital-unabhängig und vereinen Arztpraxis und Spitex-Organisation unter einem Dach. So können wir im Grossraum Zürich eine spital-äquivalente Behandlung aus einer Hand bei jenen Patientinnen und Patienten zu Hause anbieten, die uns von verschiedenen Spitälern und Arztpraxen zugewiesen werden.» Gleichzeitig arbeitet die Organisation eng mit Partner-Spitex-Organisationen zusammen. Ihnen übergibt sie Patientinnen und Patienten in den meisten Fällen nach dem sogenannten «Onboarding» am ersten Tag für die weitere pflegerische Betreuung, sofern diese über Kapazitäten verfügen, führt Stephan Pahls weiter aus und begründet: «Dadurch sparen wir Wegzeiten, denn die angefragten Spitex-Organisationen sind meist näher am Wohnort der Patientinnen und Patienten.» Für ihn ist klar: «Für uns spielt die Spitex eine zentrale Rolle. Pflege bei den Patientinnen und Patienten zu Hause ist aus unserer Sicht per Definition Spitex-Pflege.» Die Hospital at Home AG kümmert sich als offizielle Projektpartnerin der Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich auch um allfällige Rückfragen der Krankenversicherer. Die drei Organisationen haben aktuell noch keine eigene Daten-Schnittstelle. Einmal täglich werden die Daten via HIN zwischen der Spitex Horgen-Oberrieden, dem See-Spital und der Hospital at Home AG ausgetauscht. 

Die Vergütung der Hospital-at-Home-Leistungen im Rahmen des Pilotprojekts orientiert sich an der Spitalfinanzierung. Entsprechend werden die Leistungen ungefähr jeweils zur Hälfte von den Krankenversicherern mittels Tardoc-Tarifs sowie durch eine Subvention des Kantons Zürich vergütet. Letztere entspricht dem Betrag, den die Behandlung im Spital kosten würde. Durch die Subvention könnten Zusatzkosten des Projekts gedeckt werden, die aus der höheren Intensität der Hospital-at-Home-Behandlung sowie den speziellen Gegebenheiten resultieren – etwa Koordination, Logistik und Vorhalteleistungen –, aber durch die bestehenden ambulanten Tarife nicht gedeckt sind, führt Stephan Pahls aus. Die Spitex-Leistungen werden über das Projekt finanziert, die Restfinanzierung, die regulär von den Gemeinden zu tragen ist, geht bei der Hospital-at-Home-Behandlung zulasten des Kantons. 

Wenn aufgrund einer akuten Erkrankung eine Indikation zur Hospitalisation besteht, wird die Eignung für eine Hospital-at-Home-Behandlung geprüft. Bild: Hospital at Home AG

Vertraute Umgebung führt zu psychischem Wohlbefinden 
Hospital-at-Home ermöglicht es Patientinnen und Patienten, sich bei akuten Erkrankungen, etwa einer mittelschweren Lungenentzündung, in den eigenen vier Wänden behandeln zu lassen. Dabei erfolge die Triage auf der Notfallstation des See-Spitals Horgen nach den Grundstandards einer Notfalltriage, erklärt Melanie ­Roche: «Dazu gehören als Erstes eine medizinische Erstbeurteilung und Diagnostik der Vitalzeichen, Labor und
allenfalls Bildgebung. Wenn aufgrund der akuten Erkrankung eine Indikation zur Hospitalisation besteht, wird in einem zweiten Schritt die Eignung für eine Hospital-at-Home-Behandlung anhand bestimmter Kriterien geprüft. Wichtige Voraussetzung ist, dass Herz und Lunge der Patientinnen und Patienten stabil sind. Des Weiteren gehören das Erkrankungsbild, die Wohnsituation oder Unterstützungsmöglichkeiten des Umfeldes dazu.» Seien alle Voraussetzungen für Hospital-at-­Home erfüllt, könnten die Patientinnen und Patienten entscheiden, ob sie das Angebot in Anspruch nehmen wollen. Für die notwendige medizinische Behandlung sorgen die Ärztinnen und Ärzte des See-Spitals durch ­Visiten im Zuhause der Patientinnen und Patienten. Die Spitex übernimmt alle erforderlichen Massnahmen des pflegerischen Assessments und der Behandlungspflege, etwa Überwachung, Infusionstherapie oder Stomapflege. «Dies entspricht unserer Kernkompetenz. Wir können komplexe Behandlungen auch ambulant durchführen», erläutert Andreas Dreier. Gemeinsame Visiten zwischen Ärzteschaft und Spitex-Pflege sind üblich und finden – zum Teil mehrmals – täglich statt. Falls nötig, so werden zu Hause auch Verlaufsuntersuchungen, etwa Blutentnahmen, EKG oder Ultraschalle, gemacht. Dass die Patientinnen und Patienten in ihrem vertrauten Umfeld bleiben können, wirke sich positiv auf deren Genesung und Lebensqualität aus, betont Melanie Roche. 

Andreas Dreier weist darauf hin, dass durch die höhere Selbstbestimmung und -verantwortung die Patientenrolle gestärkt werde. Zudem führe die vertraute Umgebung zu psychischem Wohlbefinden, was sich wiederum positiv auf die körperliche Genesung auswirke. Für ihn ist das Hospital-at-Home-Projekt eine Beispiel dafür, wie die Gesundheitsversorgung zu Hause in Zukunft aussehen könnte – und wie sie auch das Zukunftsbild «Care@Home 2040» von Spitex Schweiz beschreibe 1: «Die Spitex ist die Drehscheibe der künftigen interprofessionellen Zusammenarbeit», ist er überzeugt.

  1. https://spitexmagazin.ch/article_tax/careathome2040 ↩︎

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