Ein spannender Einblick in den Spitex-Alltag 

An der ersten Zentralschweizer Woche der Gesundheitsberufe öffneten viele Spitex-Organisationen ihre Türen für Interessierte. Am Hauptsitz der Spitex Stadt Luzern erfuhren die Besuchenden zum Beispiel auf einer «Tour de Spitex» viel Wissenswertes über die Arbeit der FaGe und Pflegefachpersonen HF.

DANIEL SCHRIBER. Als Zakaria Aamalki die Wohnung von Gianna Valente betritt, erwartet ihn die sympathische Seniorin bereits. Seit dem Tod ihres Mannes vor einigen Monaten lebt die 72-Jährige zurückgezogen. Trost findet die gebürtige Italienerin beim regelmässigen Gläschen «Vino Rosso» und ihren geliebten Süssigkeiten. Gesundheitlich ging es bei Frau Valente zuletzt bergab: Sie leidet unter Diabetes Typ 2, der Rücken macht ihr zu schaffen und eine offene Wunde am rechten Fuss plagt sie – mehr als genug Arbeit also für den angehenden Fachmann Gesundheit (FaGe) der Spitex Stadt Luzern. Während sich der 38-Jährige über das aktuelle Befinden seiner Klientin informiert, beginnt er sorgfältig mit der Wundbehandlung. Nach den darauffolgenden Mobilisierungsübungen spricht der Auszubildende mit Gianna ­Valente über ihre Ernährungsgewohnheiten. Immer mit einem Lächeln auf dem Gesicht, versucht er sie über die Wichtigkeit einer ausgewogenen Ernährung aufzuklären. Signora Valente hört interessiert zu – und bietet dem Besuch zum Abschied lächelnd ein «Guetzli» an.

Der angehende FaGe Zakaria Aamalki von der Spitex Stadt Luzern unterhält sich mit der fiktiven Klientin Gianna Valente (Ursula Egolf), und die Teilnehmerinnen der «Tour de Spitex» hören gespannt zu. 

Gespielte Szene, realistische Situation
Der Besuch von Zakaria Aamalki bei Gianna Valente vom 13. Mai 2023 ist nicht echt. Die Dame heisst in Wirklichkeit Ursula Egolf und ist pensionierte Spitex-Mitarbeiterin. Obwohl die Situation gespielt ist, zeigt sie einen realistischen Ablauf eines Klientenbesuchs. Das betont auch Zakaria Aamalki: «Nach einigen Minuten habe ich vergessen, dass dieses Fallbeispiel nur gespielt ist», sagt der Lernende lachend. 

Und so dürfte es auch den Zaungästen gehen, die ihm beim «Einsatz» über die Schultern blicken dürfen. Ursula Egolf und Zakaria Aamalki geben ihren schauspielerischen Auftritt nämlich im Rahmen der Zentralschweizer Woche der Gesundheitsberufe zum Besten. Die Aktionswoche richtet sich an Menschen, die sich für eine Ausbildung bei der Spitex interessieren – oder einfach mal Spitex-Luft schnuppern wollen. Nebst dem Einblick in den Arbeitsalltag erhalten die Teilnehmenden der Luzerner «Tour der Spitex» die Gelegenheit, die Mitarbeitenden mit Fragen zu löchern. Wie bereitet ihr euch auf die Tour vor? Was gehört alles in den Rucksack? Absolviert man immer dieselbe Tour? Über welche Themen wird an den Teamsitzungen gesprochen? Und noch vieles mehr. 

Der angehende FaGe Zakaria Aamalki erklärt den Teilnehmenden der «Tour de Spitex» auch, warum sein Tablet auf jedem Einsatz mit dabei ist. Foto: Daniel Schriber

Informativer und nachhaltiger als ein Flyer
Unter den Teilnehmenden befindet sich Priska Huwyler aus Root. Die 50-Jährige arbeitet seit acht Jahren als FaGe in einem Altersheim in der Region. «Ich finde es spannend, für einmal in ein ganz anderes Umfeld reinschauen zu dürfen», erklärt sie. Sie ist überzeugt: «Ein solcher Aktionstag ist wesentlich informativer und nachhaltiger, als wenn man einfach einen Flyer in die Hand gedrückt bekommt.» Ebenfalls mit grossem Interesse dabei sind Edith Schimon und ihre Tochter Vivienne, die extra aus dem Seetal angereist sind. Vivienne absolviert zurzeit die zweite Oberstufe und befindet sich mitten in der Lehrstellensuche. «Ich fand vor allem das Fallbeispiel mega spannend», sagt sie. Wo genau ihre berufliche Reise letztlich hinführen wird, weiss die Jugendliche noch nicht. Sie betont jedoch, dass sie unbedingt eine Lehre im Gesundheitsbereich absolvieren möchte. «Es gefällt mir, anderen Menschen helfen zu können. Bei der Spitex finde ich zudem besonders cool, dass man häufig draussen unterwegs ist.» 

Apropos draussen unterwegs: Ein Posten des Rundgangs beschäftigt sich mit dem Elektrovelo, mit dem die Mitarbeitenden in Luzern ihre Klientinnen und Klienten besuchen. «Wir haben zwar ein Auto zur Verfügung, doch im Stadtverkehr ist das Velo meist die beste Option», betont Zakaria Aamalki. Immer mit dabei haben die Mitarbeitenden zudem ihren Rucksack. Darin befinden sich unter anderem Verbandsmaterial, Desinfek­tionsmittel, Handschuhe, Notizunterlagen – und ein Tablet. «Dieses beinhaltet, nebst der Krankheitsgeschichte, auch wichtige biografische Informationen über die Klientinnen und Klienten», erklärt Zakaria Aamalki den Besuchenden. «Die Informationen helfen uns, Vertrauen aufzubauen und individuell auf die Bedürfnisse der Klientinnen und Klienten einzugehen.» Und genau dies sei eine der wichtigsten Voraussetzungen für einen ­erfolgreichen Einsatz. 

Ich fand vor allem das Fallbeispiel mega spannend.

Vivienne Schimon

Besucherin der «Tour de Spitex» der Spitex Stadt Luzern

Wertvolle Kontakte geknüpft
Die Bilanz der Spitex Stadt Luzern zur ersten Zentralschweizer Woche der Gesundheitsberufe fällt positiv aus. Insgesamt besuchten am 13. Mai acht Interessierte und drei Begleitpersonen den Anlass der Spitex. «Unsere Tour de Spitex kam sehr gut an», berichtet Eva Müller, Kommunikationsverantwortliche der Spitex Stadt Luzern. Vor allem die Fallbeispiele hätten den Teilnehmenden einen praktischen Einblick gewährt. «Weil unsere Lernenden und Studierenden selbst nicht genau wussten, was auf sie zukommt, konnten wir realistisch aufzeigen, was es heisst, für die Spitex unterwegs zu sein.» Eva Müller macht kein Geheimnis daraus, dass sie sich über noch etwas mehr Interessierte gefreut hätte – «aber die Auswahl an verschiedenen Angeboten war eben auch sehr gross». Für sie steht fest: «Der Aufwand hat sich dennoch gelohnt, denn auf unser Konzept ‹Tour de Spitex› können wir nun immer wieder zurückgreifen.» 

Die FaGe-Lernende Simona Ciancio berichtet den Besuchenden von ihrem Berufsalltag bei der Spitex Stadt Luzern. Foto: Daniel Schriber

Nebst der Spitex Stadt Luzern nahmen zahlreiche weitere Spitex-Organisationen aus den Kantonen Luzern, Nidwalden, Obwalden, Schwyz, Uri und Zug an der ersten Zentralschweizer Woche der Gesundheitsberufe teil (vgl. die Vorschau auf Die Spitex präsentiert sich an der Zentralschweizer Woche der Gesundheitsberufe). Die Spitex Nidwalden zeigte zum Beispiel Präsenz im Einkaufszentrum Länderpark in Stans. «Dieser Auftritt hat zu vielen Kontakten geführt», freut sich Walter Wyrsch, Geschäftsführer der Spitex Nidwalden. So hätten gleich mehrere Besucherinnen konkretes Interesse an einem Ausbildungsplatz bekundet. Zudem lud die Spitex Nidwalden ebenfalls zu einem Gesundheitsparcours ein. Für Walter Wyrsch ist klar: «Wir sind auch bei der nächsten Zentralschweizer Woche der Gesundheitsberufe wieder mit dabei.»

Koordiniert wurde die Zentralschweizer Woche der Gesundheitsberufe von XUND, dem Bildungszentrum Gesundheit und der OdA Gesundheit der Zentralschweiz. Am 14. Juni 2023 veröffentlichte XUND eine Pressemitteilung zur Auswertung der Aktionswoche. Über 100 Betriebe hätten sich mit über 300 Anlässen beteiligt, die insgesamt von über 2200 Interessierten besucht wurden, lautet die Bilanz. Gemeinsam mit den Betrieben habe XUND entschieden, die Woche ein zweites Mal durchzuführen – vom 16. bis am 23. März 2024. Denn es sei durch die erste Auflage gelungen, niederschwellige Einblicke in die Gesundheitsberufe in der gesamten Zentralschweiz zu ermöglichen sowie positive mediale Aufmerksamkeit für die Berufe zu generieren. Man werde indes einige Optimierungen vornehmen, zum Beispiel in Bezug auf die regionale Koordination. www.xund.ch

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