4 min 12. August 2026

Tierchen aus Spitex-Pinzetten bevölkern das Museum

100 «Pinzekten» der Künstlerin Pedä Siegrist sind ab Donnerstag im Kulturmuseum Bern zu bestaunen. Was «Pinzekten» sind? Lustige kleine Tierchen, die einst Wegwerf-Pinzetten der Spitex waren. Der Beginn dieser ideenreichen Umwandlung war ein Sturz im Jahr 2022.

Alles begann mit einem Sturz, wie das Kulturmuseum Bern auf seiner Website schreibt. Im November 2022 wurde der Berner Grafikerin, Illustratorin und Künstlerin Pedä Siegrist eine nasse Tramschiene und ein Moment der Unachtsamkeit zum Verhängnis. Wie «Der Bund» berichtet, rutschte sie aus, brach sich das Bein, eine darauf folgende Operation misslang und Pedä Siegrist erhielt ein künstliches Knie, weswegen sie sich gegenüber der Zeitung mit Galgenhumor als «Cyborg» bezeichnet.

Nach mehreren überstandenen Operationen folgte laut dem Kulturmuseum eine lange Phase der Immobilität, in der die Wunden der Künstlerin von der Spitex versorgt wurden. Dabei fielen Pedä Siegrist die sterilen Wegwerf-Pinzetten der Spitex auf. Die kleinen, scheinbar unscheinbaren Objekte landen normalerweise im Müll – Pedä Siegrist sah hingegen grosses Potenzial in ihnen und beschloss, sie zu Kunstobjekten mutieren zu lassen: zu Insekten aus Pinzetten oder auch «Pinzekten».

Eines der 100 Pinzekten. Bild: Kulturmuseum Bern

Die Künstlerin begann, die Pinzetten mit Malerklebeband zu umwickeln, überzog sie mit Papier und Kleister und schuf auf diese Weise zahlreiche kuriose Kreaturen. «Rippenläufer», «Breitmaulklemmer» oder auch «Dreiaugenpfeifer» nennt sie die Tierchen, die allesamt «ihren eigenen Charakter, Ausdruck und Witz» haben. «Aus medizinischem Abfall ist so eine poetische Fauna entstanden, die mit Humor von Verletzlichkeit, Kraft und vom Leben erzählt», schreibt das Kulturmuseum weiter – und zeigt den vollständigen Schwarm, bestehend aus 100 Pinzekten, im Rahmen der Ausstellung «Pedä Siegrist – Pinzekten. 100 Viecher» vom Donnerstag, 13. August bis am Samstag, 19. September 2026. Die 100 Figuren werden mit einem umfangreichen Katalog gewürdigt und sind auch als Drucke zu erwerben.

Wie das Museum erklärt, gehört Pedä Siegrist seit den frühen 1990er-Jahren zu den prägenden Gestalterinnen der Berner Grafik- und Kunstszene. Die «Pinzekten» seien ihre bislang persönlichste Arbeit. Und über ebendiese Arbeit hat die Künstlerin auch in Kürze und Würze gedichtet:

Knochenbruch und Käferbein / geb ich in den Topf hinein /
dann viel Klebeband dazu, kräftig rühren – und im Nu /
Schnipsel, Kleister eins, zwei, drei / steht sie da, die Viecherei.

UPDATE vom 19.09.2026: Kurz vor der Finissage (vgl. Infokasten) erklärt Pedä Siegrist gegenüber dem «Spitex Magazin», dass die Ausstellung aus ihrer Sicht ein voller Erfolg sei. «Allein an der Vernissage waren gegen 200 Personen», berichtet sie erfreut. «Es war ein riesiges Gedränge. Das Kulturmuseum ist ja nur ein kleiner Raum mit knapp 50 Quadratmetern, aber zum Glück war das Wetter prächtig und so konnten sich die Menschen auch draussen tummeln.» Ebenfalls gefreut habe sie, dass die Spitex-Pinzetten in neuer Form auch mehrere Mitarbeitende der Spitex an die Vernissage gelockt hatten.
Nach der Vernissage besuchten dann zwischen 15 und 20 Besuchende pro Nachmittag die Ausstellung, und an der Finissage erwartet das Kulturmuseum zwischen 50 und 100 Besuchende. Schliesslich freut sich Pedä Siegrist auch über die Tatsache, dass die Ausstellung der Pinzekten ab 2. November 2026 in einem Café weitergeht (vgl. Infokasten) – und dass sie immer weniger ihrer Pinzetten-Tierchen selbst besitzt: «Von den 100 Pinzekten haben bisher 45 einen Käufer oder eine Käuferin gefunden.»

Details zur Ausstellung, zu ihrer Finissage am 19. September und zu ihrer Weiterführung
Die Ausstellung «Pedä Siegrist – Pinzekten. 100 Viecher» im Kulturmuseum Bern ist am Schützenweg 22 in Bern zu finden. Sie begann am Donnerstag, 13. August und dauert bis am Samstag, 19. September. Der Eintritt ist frei. Die Öffnungszeiten sind Donnerstag, Freitag und Samstag von 14 bis 18 Uhr. Die Finissage ist am 19. September von 18 bis 21 Uhr. Auf die Finissage freue sie sich sehr, sagt Pedä Siegrist auf Anfrage. Vor allem auch, weil es ein kleines Konzert geben werde: Das Duo «KATERS MäUSE» werden ihre «Vollgas Strassenmusik» spielen. An der Vernissage gibt es zudem ein Sonderangebot: Wer eine der Pinzekten kauft, kann den Katalog zur Ausstellung (gebundene Ausgabe, 188 Seiten, über 300 farbige Abbildungen) für 25 statt 49 Franken erwerben. Mehr Informationen hier: www.kulturmuseum.ch oder auch in diesem Bericht im «Der Bund».
Die verbleibenden Pinzekten werden ab Montag, 2. November 2026, bis auf Weiteres in den beiden Schaufenstern des Café des Pyrénées am Kornhausplatz 17 in Bern ausgestellt und können auch dort erworben werden.

Das Plakat der Ausstellung. Quelle: Kulturmuseum Bern

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