Nationaler Spitex-Tag: Im Dialog mit den Menschen
Zahlreiche Spitex-Organisationen haben sich am Nationalen Spitex-Tag vom 5. September engagiert, um der Bevölkerung ihre Arbeit näherzubringen. Spitex Zürich tat dies beispielsweise mit einem «Gesprächsbänkli».
SUSANNE WAGNER. Samstagmorgen um 9 Uhr bei der Schmiede Wiedikon in Zürich: Die Stadt wacht langsam auf und Passantinnen und Passanten wundern sich über eine neue Holzbank unter den Bäumen. Darauf steht «Wie geht es dir? Tausch dich mit dem Team Mental Care aus». Das «Gesprächsbänkli» gehört zu einem Stand von Spitex Zürich zum Nationalen Spitex-Tag. Es ist gleichzeitig eine Einladung für die Passantinnen und Passanten und ein Symbol für die Arbeit der Spitex-Mitarbeitenden.
Da ist zum Beispiel Andreas Demont, der als Fach-Coach Mental Care genau weiss, wie wichtig im Spitex-Alltag Gespräche sind. Der ausgebildete Pflegefachmann begleitet das Mental Care-Team und führt selbst Einsätze bei Klientinnen und Klienten durch. Am Spitex-Tag schätzt er die Möglichkeit, sich mit Passantinnen und Passanten auszutauschen. Vielen ist nicht bewusst, dass Spitex Zürich zunehmend auch psycho-soziale Betreuungen anbietet. Mental Care ist ein Hauptgeschäftsfeld sowie eines der zentralen und wachsenden Standbeine von Spitex Zürich und beschäftigt 60 Mitarbeitende.

Sternstunde: Zeit für die Klientinnen und Klienten
Insbesondere Jüngere sollen mit den Ständen von Spitex Zürich gezielt angesprochen werden, da viele von ihnen mit dem Thema Spitex noch kaum in Kontakt gekommen sind. Es fällt im Quartier Wiedikon aber auf, dass vor allem ältere Personen stehenbleiben. Die Portion Erdnüsse und Taschentücher als Präsente nehmen viele mit einem Lächeln entgegen.
Wenn sich mit jemandem ein längeres Gespräch ergibt, kommt Andreas Demont auf das Programm «Sternstunde» zu sprechen. Es ermöglicht einzelnen Spitex-Klientinnen und -Klienten, spezielle Wünsche zu erfüllen, und finanziert sich durch die Mitgliedschaft im Verein Spitex Zürich und Spendengeldern. Andreas Demont erinnert sich an eine Klientin, die sich einen Besuch im Kunsthaus wünschte: «Als wir gemeinsam eine Ausstellung von Claude Monet besuchten, blühte sie richtig auf.» Er fand es berührend, die Unbeschwertheit der kunstinteressierten Frau zu erleben. Wegen ihrer Angststörung wäre dieser Ausflug für sie allein nicht möglich gewesen.
Am Spitex-Tag schätze ich die Möglichkeit, mich mit Passantinnen und Passanten auszutauschen.
Andreas Demont
Fach-Coach Mental Care, Spitex Zürich
40 Mitarbeitende von Spitex Zürich sind am Spitex-Tag für die Organisation, Standauf- und -abbau sowie die Standbetreuung im Einsatz. Der Stand in Zürich-Wiedikon ist einer vor acht. «Für die grösste Spitex-Organisation der Deutschschweiz ist es wichtig, auch in den Quartieren in der Stadt präsent zu sein, in denen die Spitex-Mitarbeitenden tätig sind», erklärt Manfred S. Hertach. Denn was diese Mitarbeitenden täglich im Hintergrund leisten, bekomme die Bevölkerung gar nicht so mit.
«Am Spitex-Tag können wir im Gespräch unsere Leistungen direkt präsentieren, etwa im Demenzbereich sowie in der Palliativpflege oder professionellen Wundversorgung», sagt Manfred S. Hertach. Er ist dieses Jahr das erste Mal als CEO von Spitex Zürich am Spitex-Tag dabei und absolviert die lange «Tour de Zurich» von Stand zu Stand mit – wie könnte es auch anders sein – dem Spitex-Velo.

Aktionen überall in der Schweiz
Zur gleichen Zeit sind in der ganzen Schweiz zahlreiche weitere Spitex-Mitarbeitende an Standaktionen präsent. Die Social-Media-Wall von Spitex Schweiz gibt eine Übersicht über die vielen Aktionen und Aktivitäten, die schweizweit stattfinden. Die Spitex Linth mit Sitz in Uznach (SG) nutzt zum Beispiel die Gelegenheit, ihr 10-Jahr-Jubiläum zu feiern und einen Blick hinter die Kulissen zu gewähren. Interessierte können beim Ausbildungsteam üben, wie man einen Verband anlegt oder eine Spritze aufzieht. Zum Programm gehören ein Glücksrad, ein Memoryspiel, ein Auftritt des Jodelclubs Gommiswald, ein Apéro Riche sowie Kinderschminken und ein Spitex-Ballon für die Kleinen.
Die Spitex Einsiedeln (SZ) nimmt inzwischen das Motto des diesjährigen Nationalen Spitex-Tages auf: «Gute Pflege heisst: Cool bleiben»: Junge Spitex-Mitarbeitende verteilen Glacé und erzählen Interessierten, was die Spitex als Ausbildungs- und Arbeitsort bietet.
Einen anderen Weg wählten die Spitex-Organisationen von Schaffhausen: Sie traten bereits am 3. September gemeinsam an der Messe expo55plus im Pavillon im Park auf. Mit 28 weiteren Ausstellenden aus dem Gesundheitsbereich richteten sie sich gezielt an «Menschen mit Lebenserfahrung». Zu den verteilten Give-aways gehörten kleine Kühlkissen, die Spitex Schweiz für den Spitex-Tag produzieren liess – ebenfalls ganz gemäss dem diesjährigen Motto.

Eine wichtige Rolle im Leben
Zwei Stunden später am Spitex-Stand von Spitex Zürich am Bellevue mit der schönsten Aussicht auf den See ist das Stadtleben pulsierender. Mit den vielen Touristen und Strassenmusikern ist es schwieriger, mit Passantinnen und Passanten ins Gespräch zu kommen. Auch Marianne Coray, Pflegefachfrau und Delegierte des Vereins Spitex Zürich, verteilt fleissig Flyer und Erdnüssli. Und sie berichtet von berührenden Momenten, in denen Besuchende des Standes erzählt haben, welche wichtige Rolle die Spitex in ihrem Leben bereits gespielt hat. Zum Beispiel in der Zeit, in der die Spitex ihre betagten Eltern pflegte.

Zum Statement Generator von Spitex Schweiz zum Nationalen Spitex-Tag geht es hier.
Zur Social-Media-Wall von Spitex Schweiz zum Nationalen Spitex-Tag geht es hier.