So erfährt ein Betrieb, wie zufrieden die Mitarbeitenden sind
Mitarbeitendenbefragungen sind mehr als ein Stimmungsbild. Richtig eingesetzt, zeigen sie Belastungen, Ressourcen und Bindung – und werden so für Spitex-Organisationen zu einem wichtigen Steuerungsinstrument.
EVA ZWAHLEN. In der Arbeits- und Organisationspsychologie ist Arbeitszufriedenheit mehr als gute Stimmung: Sie beschreibt, wie Mitarbeitende ihre Arbeit, Arbeitsbedingungen und Erwartungen bewerten und kann dabei unterschiedliche Formen annehmen, wie das «Zürcher Modell» von Agnes Bruggemann 1 zeigt. Für Spitex-Organisationen ist das Thema strategisch: Zufriedene Mitarbeitende sind eher emotional mit dem Arbeitgeber verbunden, bleiben eher, fehlen seltener und tragen Veränderungen eher mit. Angesichts des Fachkräftemangels sind Commitment, Fluktuation und Ausfälle schliesslich keineswegs Randthemen. 2

Kombinierte Befragungen haben sich bewährt
Mitarbeitendenbefragungen können an verschiedenen Punkten ansetzen:
- Eine umfassende anonyme Befragung der ganzen Organisation liefert ein Gesamtbild zu Führung, Belastung und Bindung.
- Kurze Pulsbefragungen («Pulse Surveys») unter dem Jahr zeigen, wie sich Stimmung, Arbeitsdruck oder Veränderungsprozesse entwickeln.
- Onboarding-Befragungen machen beim Stellenantritt sichtbar, ob Erwartungen und Realität zusammenpassen.
- Austrittsbefragungen zeigen, weshalb Mitarbeitende gehen.
- Projekt- oder Veränderungsbefragungen messen unter anderem, ob Kommunikation, Beteiligung und Belastung in Transformationsphasen stimmen.
- Laufende Dialogformate, etwa im Intranet oder mit der Geschäftsleitung, ergänzen die Zahlen um Nähe und Austausch.
Bewährt hat sich eine Kombination 3 von standardisierten Befragungen, kurzen Zwischenmessungen oder HR-Kennzahlen, etwa zu Fluktuation oder Absenzen. Entscheidend dabei: Freiwilligkeit und Anonymität. Ebenso wichtig ist die Kommunikation danach: Die Fachpublikation «HR Today» betont, dass Befragungen Mitarbeitende einbeziehen und in Massnahmen münden müssen. Eine gute Mitarbeitendenbefragung ist deshalb Stimmungsbarometer und Steuerungsinstrument für eine Spitex-Organisation.
Instrumente für die Spitex
Will eine Spitex-Organisation eine Befragung nicht selbst durchführen, gibt es hierfür verschiedene externe Anbieter – und zum Beispiel die folgenden erprobten Instrumente: «STRAIN 2.0» 4 der Berner Fachhochschule (BFH) erfasst arbeitsbezogene Stressoren im Gesundheitswesen. Die «Job-Stress-Analysis» von Gesundheitsförderung Schweiz misst Belastungen, Ressourcen und Befinden (für Spitex-Organisationen gibt es ein Spezialmodul 5). Und der «Trust Index» von «Great Place to Work» 6 ist ein standardisiertes Befragungsinstrument zur Arbeitsplatzkultur. Es misst unter anderem Vertrauen, Fairness, Respekt, Stolz und Teamgeist und kann für Kulturentwicklung und Arbeitgeberattraktivität genutzt werden.
- «Formen der Arbeitszufriedenheit» von René Ziegler und Marie Fuchs in: Zeitschrift für Arbeits- und Organisationspsychologie A&O (Hogrefe, 2024). ↩︎
- Felfe, Jörg & Six, Bernd (2006): Die Relation von Arbeitszufriedenheit und Commitment. In: Lorenz Fischer (Hrsg.): Arbeitszufriedenheit. Konzepte und empirische Befunde. 2., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Göttingen: Hogrefe, S. 37–60. ↩︎
- www.hrtoday.ch/de/article/das-ist-wichtig-bei-mitarbeiterbefragungen ↩︎
- www.bfh.ch/gesundheit/de/forschung/referenzprojekte/strain ↩︎
- www.friendlyworkspace.ch/de/bgm-services/job-stress-analysis/job-stress-analysis-fuer-die-langzeitpflege ↩︎
- www.greatplacetowork.ch/mitarbeitendenbefragung ↩︎