Ein ganz persönlicher Blick auf die Zufriedenheit bei der Spitex
Im Fokusthema «Zufriedene Mitarbeitende» dürfen natürlich die Mitarbeitenden selbst nicht fehlen: Drei von ihnen aus drei Sprachregionen sprechen darüber, was sie an ihrer Arbeit zufrieden macht – und was diese Zufriedenheit noch steigern würde.
TEXTE: FLORA GUÉRY, EVA ZWAHLEN, KATHRIN MORF
- Fanny Gallardo, SMZ Sion-Hérens-Conthey (VS)
- David Vidakovic, Spitex Chur (GR)
- Alessandra Viganò, ALVAD (TI) und Spitex Schweiz
«Es macht mich zufrieden, dass ich in einem Klima des Vertrauens arbeiten darf»
Fanny Gallardo, Fachfrau Gesundheit im SMZ Sion-Hérens-Conthey (VS), schätzt die Unterstützung durch ihre Vorgesetzten sowie Kolleginnen und Kollegen – und die Arbeitsorganisation, die es ihr ermöglicht, eine gute Balance zwischen Beruf und Privatleben aufrechtzuerhalten.
Jeder Tag erfordert Organisationstalent, Anpassungsfähigkeit und Eigeninitiative.
Fanny Gallardo
Fachfrau Gesundheit SMZ Sion-Hérens-Conthey
Wer ich bin und wo ich arbeite
Ich heisse Fanny Gallardo, bin 32 Jahre alt und lebe in Conthey (VS). Seit fünf Jahren arbeite ich als Fachfrau Gesundheit (FaGe) in einer Vollzeitstelle im sozialmedizinischen Zentrum (SMZ) Sion-Hérens-Conthey. Meine Ausbildung habe ich im Spital Wallis absolviert und elf Jahre lang dort gearbeitet. Mein Wunsch nach einem engeren Kontakt zu Menschen hat mich dann ganz natürlich zur Spitex geführt. In meiner Freizeit treibe ich gerne Sport, insbesondere Joggen und Tanzen.
Was mich bei der Spitex zufrieden macht
Meine Arbeit ist abwechslungsreich, bereichernd und inspirierend. Jeder Tag erfordert Organisationstalent, Anpassungsfähigkeit und Eigeninitiative. Am meisten gefällt mir der enge Kontakt zu den Klientinnen und Klienten. Dank der Arbeit in unseren Kleinteams, bestehend aus Pflegefachkräften, FaGe und Pflegehelfenden, sind es in der Regel wenige Fachkräfte, die eine Klientin oder einen Klienten betreuen. Das fördert das Vertrauen in die Pflegekontinuität. Jeden Morgen ermöglicht uns die Teamsitzung einen Austausch, bevor wir auf unsere jeweilige Tour aufbrechen und sehr selbstständig arbeiten. Auch wenn wir vor Ort auf uns allein gestellt sind, wissen wir, dass wir uns auf unsere Kolleginnen und Kollegen sowie unsere Vorgesetzten verlassen können. Es herrscht ein Klima des Vertrauens, und die Kommunikation läuft reibungslos, was uns die tägliche Arbeit erleichtert. Da ich regelmässig im geteilten Dienst arbeite, habe ich nachmittags wiederholt freie Zeit. Ich schätze es, dass die Dienstpläne früh genug festgelegt werden, dass ich mein Privatleben planen kann. Die von meiner Arbeitgeberin angebotenen Aktivitäten ausserhalb der Arbeit, etwa Sportveranstaltungen oder Grillabende, stärken die gute Stimmung und den Teamgeist. Und wir profitieren von Vergünstigungen, zum Beispiel von Rabatten beim Grossmarkt Aligro oder beim Tanken.
Was meine Zufriedenheit noch steigern würde
Ich würde es begrüssen, wenn zusätzlich zum jährlichen Abendessen mehr gesellige Anlässe zwischen den verschiedenen SMZ im Wallis organisiert würden. Das würde den Erfahrungsaustausch fördern und zum Aufbau engerer Beziehungen beitragen. Ich würde mir auch mehr Gelegenheiten wünschen, mich mit den anderen Mikroteams in einem weniger formellen Rahmen auszutauschen. In kleiner Runde fällt es manchmal leichter, sich zu äussern, als an einer Sitzung. Manchmal sehen wir uns bei der Spitex mit komplexen Situationen konfrontiert, und es ist sehr wertvoll, sich die Zeit zu nehmen, darüber zu sprechen und unsere Ansichten miteinander abzugleichen. Meiner Meinung nach würden solche Momente noch mehr zu unserer Zufriedenheit bei der Arbeit beitragen.
«Für mich gibt es keine bessere Arbeitgeberin»
David Vidakovic arbeitet seit elf Jahren bei der Spitex Chur (GR) und hat dort bereits die Lehre zum Fachmann Gesundheit absolviert. Heute ist der Pflegefachmann HF Coach eines selbstorganisierten Teams – für ihn eine ideale Kombination aus Sinnhaftigkeit und modernen Arbeitsstrukturen.
Für mich sind selbstorganisierte Teams der Schlüssel zu einer zukunftsweisenden Spitex.
David Vidakovic
Coach und Mitglied erweiterte Geschäftsleitung Spitex Chur
Wer ich bin und wo ich arbeite
Mein Name ist David Vidakovic. Ich bin 27 Jahre alt und wohne in Chur. In meiner Freizeit schlägt mein Herz für den Motorsport, den ich auch aktiv ausübe. Seit 2015 arbeite ich bei der Spitex Chur. Ich habe zuerst die Lehre zum Fachmann Gesundheit (FaGe) und anschliessend das Studium zum Pflegefachmann absolviert. Heute bin ich Coach und Mitglied der erweiterten Geschäftsleitung. Unsere Organisation hat knapp 200 Mitarbeitende und baut auf einem dualen Organisationsmodell mit geführten und selbstorganisierten Teams auf. 1
Was mich bei der Spitex zufrieden macht
Es gibt in meinen Augen einiges, was unsere Organisation auszeichnet und sich andere abschauen können, unter anderem:
- Familiäre Kultur und Team-Zusammenhalt: Trotz unserer Grösse haben wir uns eine familiäre Atmosphäre bewahrt. Der Teamgeist wird bei uns gepflegt, man kennt, schätzt und unterstützt einander. Der Rückhalt im Team stärkt mich, insbesondere dann, wenn es einmal hektischer zu und her geht.
- Weiterentwicklung statt Stillstand: Die Spitex Chur investiert in ihre Mitarbeitenden, Potenzial wird gefördert. Dies durfte ich selbst erleben.
- Gelebte Mitbestimmung und flache Hierarchien: Mitspracherecht ist bei uns kein leeres Versprechen: Wir schaffen Gefässe, etwa Teammeetings, Meetings mit den Rollentragenden oder institutionalisierte Sitzungen mit der Geschäftsleitung, in denen die Mitarbeitenden die Zukunft des Betriebs aktiv mitgestalten können. Das autonome und selbstbestimmte Arbeiten in einem Umfeld, das von vielfältigen Rollen geprägt ist, erfüllt mich sehr und macht unsere Zusammenarbeit enorm dynamisch. Die Balance zwischen Büroaufgaben, der Koordination der verschiedenen Rollen und der Begleitung von Veränderungsprozessen macht meine Aufgabe vielseitig und motivierend. Für mich ist diese Form der Zusammenarbeit der Schlüssel zu einer zukunftsweisenden Spitex.
- Sicherheit und Wertschätzung: Die Spitex Chur setzt auf ein starkes Fundament bei der Altersvorsorge und zeitgemässe Anstellungsbedingungen für die Mitarbeitenden.
Was meine Zufriedenheit noch steigern würde
Es sollte uns gelingen, unsere administrativen Hürden weiter abzubauen und in unsere digitalen Tools zu investieren. Durch eine noch smartere Pflegedokumentation können wir die freigeräumte Zeit für die Pflege und Betreuung unserer Klientinnen und Klienten einsetzen – was unserem Kernauftrag entspricht.
«Es macht mich zufrieden, wenn ich meine Vorstellung von guter Führung in die Tat umsetzen kann»
Alessandra Viganò, Pflegeleiterin der Spitex von Locarno und Vorstandsmitglied von Spitex Schweiz, macht unter anderem zufrieden, dass die Spitex eine entscheidende Akteurin in der Gesundheitsversorgung ist.
In meiner neueren Funktion als Vorstandsmitglied von Spitex Schweiz möchte ich auf nationaler Ebene die Stimme der Mitarbeitenden an der Front sein.
Alessandra Viganò
Pflegeleiterin ALVAD und Vorstandsmitglied Spitex Schweiz
Wer ich bin und wo ich arbeite
Mein Name ist Alessandra Viganò und ich bin gerade 50 Jahre alt geworden, auch wenn ich mich nicht so fühle. Ich arbeite seit 2020 in Vollzeit als Pflegeleiterin bei ALVAD, der Spitex von Locarno und Region (TI). Weiter bin ich Pflegeleiterin des AVAD-Teams im Maggiatal, unterrichte an der Fachhochschule SUPSI im DAS-Studiengang «Familien- und Gemeindepflege» und bin seit Mai 2025 Vorstandsmitglied von Spitex Schweiz sowie Mitglied der Qualitätskommission und der interRAI-Kommission des Dachverbands. Ich habe ein Studium der Pharmazie und eine Pflegeausbildung mit Spezialisierung auf Intensivpflege absolviert und 2021 den Master of Science in Pflege abgeschlossen. Privat bin ich Mutter von 21-jährigen Zwillingen, lebe in Ascona (TI), habe einen wunderbaren Partner, bin ehrenamtliche Sekretärin beim Schweizer Alpen-Club (SAC) von Locarno und liebe die Berge in all ihren Facetten.
Was mich bei der Spitex zufrieden macht
Vorab möchte ich sagen, dass ich die Arbeit als Pflegefachfrau an der Basis liebe, auch wenn ich derzeit nur einen kleinen Teil meiner Arbeitszeit dem klinischen Bereich widme. Es gibt zahlreiche Aspekte, die mir an meiner Arbeit Freude bereiten. So glaube ich, dass die Spitex einen entscheidenden Beitrag zur Versorgung der Menschen leistet – nicht nur durch das eigentliche pflegerische «Handwerk», sondern insbesondere auch durch die Unterstützung der Klientinnen und Klienten auf ihrem Weg zur Heilung oder zur Erhaltung ihrer verbleibenden Fähigkeiten. Weil wir die Menschen zu Hause besuchen und gut kennenlernen, können wir Pflegeziele festlegen, die mit ihrer Lebensgeschichte und ihren Erwartungen im Einklang stehen. Dies ist entscheidend für die Therapietreue und die Förderung der Selbstheilung.
Was das Management betrifft, hatte ich dank guter Erfahrungen mit einer positiven und motivierenden Führung schon während meines Studiums eine Vorstellung davon, welche Art von Vorgesetzter ich sein will. Kann ich diese Vorstellung in die Tat umsetzen, macht mich das zufrieden: Es ist das Bestreben von mir und von unserem Führungsteam, dass wir ein konstruktives Arbeitsklima aufrechterhalten können, das von gegenseitigem Respekt geprägt ist – und von der Wertschätzung des Beitrags, den jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter leistet.
Was meine Zufriedenheit noch steigern würde
In meiner neueren Funktion als Vorstandsmitglied von Spitex Schweiz möchte ich auf nationaler Ebene die Stimme der Mitarbeitenden an der Front sein. Gelingt mir das, macht mich das noch zufriedener. Darüber hinaus wünsche ich mir, dass die fortgeschrittenen Kompetenzen der Spitex gewürdigt und formell anerkannt werden – nicht nur als Antwort auf den Mangel an Hausärztinnen und Hausärzten, sondern auch wegen des beachtlichen Mehrwerts, den die Spitex-Mitarbeitenden der Bevölkerung bieten können, wenn sie die bestmöglichen Bedingungen für ihre wertvolle Arbeit vorfinden.
- Die Spitex Chur hat drei geführte sowie sieben selbstorganisierte Teams. In letzteren steuern die Mitarbeitenden die operativen Aufgaben eigenverantwortlich im Kollektiv. Unterstützt werden sie von Coaches, die ihnen den Rücken für das Kerngeschäft freihalten, ihnen zum Beispiel Methoden für das Meistern der operativen Aufgaben vermitteln und in Meetings auf das Einhalten der Spielregeln der Selbstorganisation achten. ↩︎