Mehr Selbsthilfefreundlichkeit für Spitex-Organisationen

Selbsthilfegruppen-Mitglieder stützen sich gegenseitig. Themenbild: Selbsthilfe Schweiz

SELBSTHILFE SCHWEIZ. In Selbsthilfegruppen schliessen sich Menschen in der gleichen herausfordernden Lebenssituation zusammen, um sich gegenseitig zu unterstützen. Rund 75 Prozent der Schweizer Gruppen beschäftigen sich mit einem Thema rund um die somatische oder auch psychische Gesundheit. Die Teilnehmenden tauschen hilfreiche Informationen zum Umgang mit einer Erkrankung und zur Alltagsbewältigung aus. In spezifischen Gruppen finden pflegende Angehörige Unterstützung durch Gleichbetroffene. Alle Teilnehmenden organisieren und leiten ihre Treffen und Aktivitäten selbst und werden dabei unterstützt von regionalen Selbsthilfezentren (SHZ). Diese Fachstellen begleiten die Gruppen in der Gründungsphase und beraten Einzelpersonen, die eine Gruppe suchen. 

Modell «Selbsthilfefreundlichkeit» adaptiert
Selbsthilfegruppen sind somit eine wertvolle Ergänzung zur medizinischen Behandlung und Pflege. In ihnen ist zudem ein reichhaltiger Schatz an Erfahrungswissen aus der Betroffenensicht vorhanden. Eine Pflegeleitung einer Frauenklinik sagt dazu: Die Zusammenarbeit mit der Selbsthilfe «ist für uns eine wichtige Erweiterung der Perspektive. Wir hören, welche Bedürfnisse Patientinnen haben und wie wir den Umgang mit ihnen optimieren können.»

Um die systematische Zusammenarbeit zwischen Selbsthilfe und Gesundheitsinstitutionen zu fördern, hat die Stiftung Selbsthilfe Schweiz das in Deutschland entwickelte Modell «Selbsthilfefreundlichkeit» in der Schweiz eingeführt. Das Ziel ist: Möglichst viele Betroffene und Angehörige, aber auch Fachpersonen sind über den Nutzen der Selbsthilfe informiert. Zudem stehen Fachpersonen und Selbsthilfegruppen in einem regelmässigen Erfahrungsaustausch.

Die «Selbsthilfefreundlichkeit» ist anhand von sechs Qualitätskriterien beschrieben. Sie wird umgesetzt, indem ein «Kooperationsdreieck» – bestehend aus Gesundheits-Fachpersonen, Vertretungen der Selbsthilfegruppen und Fachpersonen aus einem Selbsthilfezentrum – gemeinsam Massnahmen entwickelt, um die Qualitätskriterien vor Ort konkret umzusetzen. 

Nun auch für die Spitex
Der schweizweite Roll-out fokussierte bisher auf Spitäler: Aktuell bestehen Kooperationen mit Selbsthilfegruppen und -zentren an insgesamt 52 Spitälern – mit guten Erfahrungen: 

«Wir bieten eine persönliche Betreuung, aber oft spüren wir, dass die Patienten noch weitere Unterstützung brauchen, um in ihrer aktuellen Situation ein Gegenüber zu haben. Da ist die Zusammenarbeit mit der Selbsthilfe ein echter Mehrwert», sagt eine Fachperson aus Neuenburg. 

Die Zusammenarbeit mit der Selbsthilfe lohnt sich. Vor Kurzem ist darum das Modell so weiterentwickelt worden, dass die Anwendung der «Selbsthilfefreundlichkeit» auch in Organisationen möglich wird, die in erster Linie ambulante Leistungen anbieten – zum Beispiel Spitex-Organisationen. 

Weitere Artikel

«Die Finanzierung der Kinderspitex muss schnell und gut verbessert werden»

Helene Meyer-Jenni ist Geschäftsleiterin der Kinderspitex Zentralschweiz, Vize-Präsidentin vom Verband Kinder-Spitex Schweiz und Mit...

APN behalten die Pflegequalität stets im Blick

Angela Schnelli leitet die Fachstelle Spitexentwicklung beim Spitex Verband Thurgau. Mirjam Müller und Kira Schläpfer wiederum arbe...

Heime und Spitex: immer häufiger vereint statt getrennt

Vielerorts in der Schweiz rücken Alters- und Pflegeheime enger mit Spitex- Organisationen zusammen. Wieso dies Sinn macht, zeigt die...