«Mein erster Berufswunsch war Fussballer»
Der Para-Snowboarder Aron Fahrni spricht über die Bedeutung seiner Bronzemedaille. Und darüber, wie er durch die diesjährigen Paralympics eine neue Dimension des (Profi-)Sports kennenlernte.
INTERVIEW: EVA ZWAHLEN
SPITEX MAGAZIN: Herr Fahrni, bei den diesjährigen Paralympics in Italien haben Sie im Snowboardcross die Bronzemedaille gewonnen. Mit etwas Abstand: Welche Bedeutung hat dieser Erfolg für Sie persönlich und für Ihre noch junge Karriere im Para-Snowboard?
ARON FAHRNI: Er zeigt mir, dass wir als Team in den letzten Jahren gut und mit den richtigen Trainingsansätzen gearbeitet haben. Ich wurde nun schweizweit noch ein bisschen bekannter und erhalte dadurch mehr Anfragen für öffentliche Auftritte. Diese muss ich gut koordinieren, damit ich trotzdem genügend Zeit für mein Training habe. Der Erfolg gibt mir überdies die Möglichkeit, meine Karriere zu vermarkten. Diese grosse Arbeit fängt allerdings jetzt erst an. Grundsätzlich kann ich sagen, dass ich durch die Teilnahme an den Paralympics eine neue Dimension des Sports kennengelernt habe. Zuvor konnte ich mir einen solchen Grossanlass kaum vorstellen und wusste nicht, was alles nebst dem Wettkampf auf mich zukommt. Insbesondere die Medienarbeit und die weiten und zum Teil umständlichen Reisewege waren doch eher kräftezehrend.
Sie sind heute Profi-Snowboarder und haben Sport- und Musikwissenschaft studiert. Gab es früher einen ganz anderen Beruf, von dem Sie geträumt haben?
Mein erster Berufswunsch war Fussballer. Später wollte ich Lehrer werden und am Gymnasium Sport unterrichten. Deshalb habe ich Sportwissenschaft studiert. Heute bin ich glücklich mit meinem Beruf als Profi-Snowboarder, da er wohl einer der vielseitigsten Jobs ist. Ich kann täglich körperlich oder geistig an meiner Person arbeiten. Ich habe viel mit Menschen zu tun – und bin trotzdem selbst dafür verantwortlich, dass ich die Leistung erbringe. Dazu kommen die Instandhaltung des Materials, viel Organisatorisches sowie Medien- und Öffentlichkeitsarbeit. Gleichzeitig lässt es dieser Beruf zu, dass ich vieles frei gestalten kann, insbesondere im Sommertraining. So kann ich auf dem elterlichen Bauernhof helfen oder habe Zeit für Schulbesuche. Bei diesen Besuchen versuche ich, Schülerinnen und Schülern den oftmals ersten Kontakt mit körperlichen Einschränkungen zu ermöglichen.

Die Medien interessieren sich sehr für Ihre Karriere und Ihr Privatleben. Verraten Sie uns eine Macke und ein Talent, die in der Öffentlichkeit trotz Ihrer häufigen Medienpräsenz bisher kein Thema waren?
Ich bin extrem gut darin, Dinge in letzter Sekunde abzuschliessen. Beispielsweise habe ich meine Bachelorarbeit in der wirklich letzten Minute auf die Post gebracht. Ich war sozusagen der letzte Kunde, den sie noch bedient haben! Diese Eigenschaft wirkt sich auch auf Treffen mit anderen Leuten aus: Ich komme eigentlich immer genau zur Zeit. Als Talent würde ich bezeichnen, dass ich sehr vielseitig interessiert bin und mich für vieles begeistern kann. Dadurch lerne ich immer wieder neue Dinge.
Auch ein Prominenter kann ein Fan sein: Gibt es eine bekannte Person, welche Sie gern einmal treffen würden?
Eigentlich nicht, nein. Ich fokussiere mich mehr auf Werte und Prinzipien. Mir ist allerdings bewusst, dass andere in bekannten Persönlichkeiten Inspiration oder Motivation finden, und das finde ich wunderschön.
Und weil dies das Spitex Magazin ist: Was sind Ihre Erfahrungen mit der Spitex?
Ich persönlich habe keine Erfahrungen mit der Spitex, da ich immer entweder im Spital oder zu Hause von der Familie gepflegt wurde. Mein Grossvater, der im Nachbarhaus gelebt hat, wurde im letzten Jahr aber von der Spitex unterstützt. Aus meiner Sicht ist es eine enorm wertvolle Dienstleistung, um Personen mit Beeinträchtigungen das Leben zu Hause zu ermöglichen und ihnen so die Möglichkeit zu geben, im gewohnten Umfeld zu bleiben. Eine Schwierigkeit bei unterstützten Personen sehe ich in der Akzeptanz, Dinge abzugeben, die zuvor eigenständig möglich waren. Mit verständnisvollem Personal ist aber auch diese Herausforderung überwindbar.
Über Aron Fahrni
Aron Fahrni (27) aus Oberthal (BE) gehört zur Weltspitze im Para-Snowboard. Zum Spitzensport kam der Berner eher zufällig: 2020 sprach ihn Nationalcoach Silvan Hofer bei einem J+S-Kurs an und lud ihn zu einem Trainingslager ein. Seit 2021 ist Fahrni Mitglied des Swiss Para Snowboard Teams. Seine Behinderung geht auf einen Skiliftunfall im Alter von sechs Jahren zurück, bei dem Nerven im linken Arm schwer verletzt wurden. Fahrni absolvierte die Spitzensport-Rekrutenschule (RS) in Magglingen und ist heute Profi-Athlet. Er trainiert unter anderem mit Europacup-Athletinnen und -Athleten von Swiss Snowboard. 2023 gewann er an der WM in La Molina Gold im Banked Slalom und Silber im Snowboard-Cross, 2025 folgte WM-Silber im Cross. Neben seiner Sportkarriere hat er an der Universität Bern Sportwissenschaft mit Nebenfach Musikwissenschaft studiert und engagiert sich als Botschafter von PluSport (PluSport fördert Menschen mit Behinderung vom Breiten- bis hin zum Spitzensport).
https://aron-fahrni.ch/