FaBe ausbilden: Spitex sammelt Erfahrungen in einem Pilotprojekt
Spitex Zürich und die Spitex rechtes Limmattal beteiligen sich an einem Pilotprojekt zur Ausbildung von Fachfrauen und Fachmännern Betreuung für Menschen im Alter (FaBe MiA) im ambulanten Setting. Das Projekt zeigt: FaBe sind bei der Spitex ein Berufsprofil mit Zukunft.
SUSANNE WENGER. Pflege- und Betreuungspersonal mit beruflicher Grundbildung ist bei Spitex-Organisationen mit Leistungsauftrag heute die zweitgrösste Mitarbeitendengruppe. 2025 verfügten laut Bundesstatistik 27 Prozent der Angestellten über einen Abschluss als Fachfrau/Fachmann Gesundheit (FaGe), Fachfrau/Fachmann Betreuung (FaBe) oder ein anderes Eidgenössisches Fähigkeitszeugnis (EFZ). Zum Vergleich: 36 Prozent waren höher qualifizierte Pflegefachpersonen. Wie viele FaBe sich unter den Mitarbeitenden mit EFZ befinden, weist die Statistik nicht aus. Es sind erst wenige, sagt Franziska Adam, wissenschaftliche Mitarbeiterin mit Fokus Bildung bei Spitex Schweiz: «Im ambulanten Bereich haben FaBe noch kaum Fuss gefasst.»

FaGe-Lehren bietet die Spitex seit den Nullerjahren an. Derzeit wird die Ausbildung einer Totalrevision unterzogen (vgl. Infokasten). Ein Pilotprojekt unter der Leitung der Organisation der Arbeitswelt (OdA) Sozialberufe Zürich prüft nun, wie die Spitex auch FaBe mit Fachrichtung Menschen im Alter (MiA) ausbilden kann (vgl. diesen Bericht). Der Testlauf findet in Zusammenarbeit mit dem Spitex Verband Kanton Zürich und weiteren kantonalen und nationalen Verbänden statt. Spitex Zürich und die Spitex rechtes Limmattal nehmen seit dem Start 2025 teil. Bei Spitex Zürich begannen letztes Jahr zwei FaBe-Auszubildende. Bei der Spitex rechtes Limmattal fing ein FaBe-Lernender an.
Einsätze bei Menschen mit Demenz
Die Organisationen ziehen eine positive Zwischenbilanz. «FaBe ergänzen den Spitex-Bereich sehr gut», sagt Christina Müller, Bildungsverantwortliche bei Spitex Zürich mit aktuell insgesamt 65 EFZ-Lernenden. Beide FaBe-Lernenden sind über 40 Jahre alt, eine von ihnen war zuvor als Pflegehilfe SRK angestellt. Spitex Zürich setzt sie vor allem bei Klientinnen und Klienten mit demenziellen Erkrankungen ein. «FaBe-Lernende bringen von der Schule her Kenntnisse in psychosozialer Begleitung mit», sagt Christina Müller. «Das zeigt sich in der Kommunikation und Alltagsunterstützung bei diesen Klientinnen und Klienten.»
FaBe ergänzen den Spitex-Bereich sehr gut.
Christina Müller
Bildungsverantwortliche Spitex Zürich
Als Beispiel nennt sie eine «Aktivierung im Tagesablauf»: Ein Klient lässt sich überzeugen, einen Pullover anzuziehen (eine KVG-pflichtige Leistung), um spazieren zu gehen (keine KVG-pflichtige Leistung). «Das bewahrt die Selbstständigkeit», erklärt Christina Müller. Das Alter und die Persönlichkeiten der beiden FaBe-Lernenden haben den Start ins Pilotprojekt erleichtert: «Sie sind motiviert und lebenserfahren.» Umso gespannter ist die Bildungsverantwortliche auf die zweite Ausbildungsrunde. Nach den Sommerferien 2026 begannen zwei junge Männer ihre FaBe-Ausbildung.
«Wertvolle Kompetenzen»
Die Spitex rechtes Limmattal bildet aktuell fünf Lernende auf EFZ-Stufe aus. «Bei unserem ersten FaBe-Lernenden stellten wir rasch fest, wie wertvoll seine psychosozialen Kompetenzen sind», sagt Geschäftsleiterin Emina Patkovic. Die Organisation hat ihr Betreuungsangebot in den letzten Jahren ausgebaut. Zugleich seien FaBe mit Fachrichtung Menschen im Alter von der Ausbildung her bereit, im Rahmen ihrer Kompetenzen Leistungen der Grund- und Behandlungspflege zu übernehmen. «Wir schaffen hier Lernfelder für sie, und sie bringen ihre Fähigkeiten in der Beziehungsgestaltung ein», so Emina Patkovic.
Die Spitex-Vertreterinnen nennen auch Herausforderungen. Die Integration eines Sozialberufs bedeutet Informationsaufwand für den Lehrbetrieb. Zudem fehlen FaBe-Berufsbildnerinnen und -bildner im ambulanten Bereich noch weitgehend. Die Spitex rechtes Limmattal profitiert davon, dass dort bereits eine Berufsbildnerin mit FaBe-Abschluss der ersten Generation arbeitet. Bei Spitex Zürich betreuen im Rahmen des Pilotprojekts eine FaGe-Berufsbildnerin und ein FaGe-Berufsbildner die FaBe-Lernenden. Ein weiterer Punkt: Bei der Planung müssen die Verantwortlichen abwägen, wo FaGe- und FaBe-Lernende mit ihren teils ähnlichen, teils unterschiedlichen Qualifikationen am besten zum Einsatz kommen.
Betreuungsleistungen und damit auch die zugehörigen Berufsprofile gewinnen bei der Spitex an Bedeutung.
Franziska Adam
Spitex Schweiz
Begehrter Nachwuchs
Franziska Adam begrüsst das Pilotprojekt. «Betreuungsleistungen und damit auch die zugehörigen Berufsprofile gewinnen bei der Spitex an Bedeutung», sagt sie. Vor allem auch, weil 2028 schweizweit die vom Parlament beschlossene Gesetzesänderung in Kraft tritt, wonach EL-Bezügerinnen und -Bezüger gewisse Betreuung und Hilfe zu Hause anrechnen können, die nicht durch die Grundversicherung der Krankenkasse gedeckt ist (vgl. auch diesen Bericht). Mit der FaBe-Ausbildung vergrössern Spitex-Organisationen zudem ihre Rekrutierungsbasis für den begehrten Nachwuchs – dies sei ein Vorteil im Fachkräftemangel, sagt Franziska Adam.
Die Bildungsexpertin betont, dass FaGe und FaBe derzeit zwei unterschiedliche Ausbildungen sind. So werde etwa die Medizinaltechnik im FaBe-Bildungsplan weniger umfassend behandelt als bei der FaGe. Zudem gebe es Unterschiede in der Abrechnung nach KVG. Die geltenden Administrativverträge von Spitex Schweiz mit den Krankenversicherern schränken den Spielraum von FaBe vor allem bei der Behandlungspflege ein. Um dort Aufgaben zu übernehmen, etwa bei Infusionstherapien, ist ein Medizinaltechnikkurs nötig. Auch bei der Totalrevision der FaGe-Ausbildung sind die Handlungskompetenzen ein Thema – etwa bei der Frage, wie viel Verantwortung FaGe tragen sollen (vgl. auch diesen Bericht). So dürfen diese aktuell keine A-Leistungen wie Abklärung und Koordination abrechnen.
Wir fragen weniger, was FaBe nicht können, sondern wo sie sich mit ihrem Profil sinnvoll einsetzen lassen.
Emina Patkovic
Geschäftsleiterin Spitex rechtes Limmattal
Auf Neues einlassen
Bis die ersten FaBe ihre Lehre bei der Spitex abschliessen, sammeln die Mitwirkenden am Pilotprojekt weitere Erfahrungen. Die beiden teilnehmenden Spitex-Organisationen sind vom Ansatz überzeugt. «Wir fragen weniger, was FaBe nicht können, sondern wo sie sich mit ihrem Profil sinnvoll einsetzen lassen», sagt Emina Patkovic von der Spitex rechtes Limmattal. Ihr Lernender absolviert bald einen mehrmonatigen Einsatz im Psychiatriepflege-Team. Diesen Sommer begann zudem eine zweite FaBe-Lernende mit der Ausbildung.
Christina Müller von Spitex Zürich sagt, die Rückmeldungen der Teams auf die FaBe-Lernenden seien positiv: «Wir haben am Anfang viel Zeit in die interne Information investiert – das hat sich bewährt.» Der Fachkräftemangel sei spürbar, «wir müssen ihn auffangen», betont sie. Zumal die Kantone in der ersten Umsetzungsetappe der Pflegeinitiative eine Ausbildungspflicht für Gesundheitsinstitutionen eingeführt haben. Deshalb lohne es sich, «mutig zu sein und sich auf Neues einzulassen».
FaGe-Ausbildung in Totalrevision
Die FaGe-Ausbildung wird derzeit unter der Leitung der nationalen Dachorganisation OdASanté erstmals seit 2008 totalrevidiert. Das Qualifikationsprofil soll stärker an die «berufliche Wirklichkeit» angepasst werden, darunter den anspruchsvoller gewordenen Pflegealltag, Multimorbidität und mehr psychische Erkrankungen. Entsprechende Handlungskompetenzen fliessen in die Bildungserlasse ein. Eine weitere Neuerung betrifft das Qualifikationsverfahren. Es ist künftig stärker vorgegeben. Im Sommer 2027 soll die Ausbildung nach dem neuen
Modell starten.
www.odasante.ch/projekte