APN behalten die Pflegequalität stets im Blick
Angela Schnelli leitet die Fachstelle Spitexentwicklung beim Spitex Verband Thurgau. Mirjam Müller und Kira Schläpfer wiederum arbeiten im Jobsharing als Pflegeexpertinnen bei der Spitex Kreuzlingen (TG). Im Beitrag zeigen die drei Fachfrauen auf, welche Aufgaben sie wahrnehmen und welchen Mehrwert Advanced Practice Nurses (APN) bei der Spitex erbringen – sei es in einem Kantonalverband oder bei einer Basisorganisation.
EVA ZWAHLEN. Spitex Schweiz fordert eine angemessene Vergütung der Arbeit von Advanced Practice Nurses (APN) bei der Spitex. Dies, um ihr Potenzial in diesem Setting voll nutzbar zu machen (vgl. Infokasten). Welche vielfältigen Aufgaben eine APN bei der Spitex übernehmen kann, zeigt sich zum Beispiel im Kanton Thurgau.

Dienstleisterin für die Basisorganisationen
Hier leitet Angela Schnelli seit April 2021 die Fachstelle Spitexentwicklung des Spitex Verbands Thurgau in einem 70-Prozent-Pensum. Ihr Aufgabengebiet ist vielfältig: So vertritt sie etwa – gemeinsam mit der Geschäftsführerin – die Interessen des Verbands beim kantonalen Gesundheitsamt, bringt die Spitex-Perspektive bei branchenübergreifenden Projekten ein, beobachtet die Trends im Gesundheitswesen und entwickelt entsprechende Massnahmen für die und mit den Spitex-Organisationen. «Unsere Mitglieder stehen hinsichtlich der interprofessionellen Zusammenarbeit, Innovationen oder der Qualitätssicherung an unterschiedlichen Orten. Die meisten wollen sich allerdings weiterentwickeln. Ich befähige sie dazu, dies selbst zu tun», beschreibt Angela Schnelli ihren Auftrag. Als Leiterin der Fachstelle ist Angela Schnelli eine Dienstleisterin der Basisorganisationen: In den Zuständigkeitsbereich der 35-Jährigen gehören unter anderem die Beratung und Unterstützung der 14 Spitex-Organisationen mit Versorgungsauftrag. Angela Schnellis Aufgaben orientieren sich dabei grösstenteils an deren Bedürfnissen: «Ich erarbeite mit ihnen Fachkonzepte, zum Beispiel für die Psychiatrie-Spitex oder Palliative Care. Zudem initiiere, leite und koordiniere ich organisationsübergreifende Projekte, etwa den Aufbau einer spezialisierten Demenzversorgung oder einer E-Learning- Plattform.» Die Dienstleistungen für die Basisorganisationen umfassen auch Beratungen bei pflegefachlichen Fragen oder die Förderung des organisationsübergreifenden Wissensmanagements.
Ich befähige die Spitex-Organisationen dazu, sich selbst weiterzuentwickeln.
Angela Schnelli
Leiterin Fachstelle Spitexentwicklung Spitex Verband Thurgau
Im regelmässigen Austausch voneinander lernen
Zu den Aufgaben von Angela Schnelli, die an der Universität Wien in Pflegewissenschaften promoviert hat, gehört ebenfalls das Coaching der APN der Mitgliederorganisationen des Spitex Verbands Thurgau. Dazu gibt es einen spezifischen Beekeeper-Chat; zudem findet drei- bis viermal jährlich das sogenannte «PEX-Netzwerk» statt, an dem die 13 Pflegeexpertinnen und -experten (wovon acht mit einem Masterabschluss) der Mitgliederorganisationen teilnehmen. Die Pflegeexpertin weist auf deren Herausforderungen bei der Spitex hin, etwa die hohen eigenen Ansprüche und die vielfältigen Aufgaben. «Wir wollen voneinander lernen, die Pflegequalität weiterentwickeln und die Kolleginnen und Kollegen in der Funktion durch einen regelmässigen Austausch entlasten.» Angela Schnelli sieht für APN bei der Spitex ein riesiges Potenzial – sei es auf Stufe Kantonalverband oder in einer Basisorganisation: «Meine Berufskolleginnen und -kollegen machen bei der Spitex im Kanton Thurgau einen grossartigen Job, und ich bin stolz darauf, mit so vielen tollen Menschen zusammenarbeiten zu dürfen.»
Zwei Pflegeexpertinnen im Jobsharing bei der Spitex Kreuzlingen
Zwei dieser Berufskolleginnen im Thurgauer PEX-Netzwerk sind die 38-jährige Mirjam Müller und die 32-jährige Kira Schläpfer. Seit August 2025 teilen sie sich zu je 40 Prozent die Stelle als Pflegeexpertin bei der Spitex Kreuzlingen. Finanziert wird die Stelle über die Restfinanzierung der Gemeinden unter dem Aspekt der Fachentwicklung. Die Aufgaben orientieren sich am beruflichen Hintergrund der beiden Pflegefachfrauen mit Masterabschluss. So hat Mirjam Müller ihre Berufserfahrung als diplomierte Pflegefachfrau FH auf der Sozial- und Akutpsychiatrie sowie als Fachverantwortliche in der Spitex Region Frauenfeld gesammelt. In ihren Zuständigkeitsbereich fallen dementsprechend schwerpunktmässig psychiatrische Themen. Kira Schläpfer wiederum hat als Fachverantwortliche in der Inneren Medizin am Kantonsspital Münsterlingen gearbeitet. Sie verantwortet somatische Themen wie Wundmanagement oder Clinical Assessments.
Ein zentraler Bereich unserer Arbeit ist die Beratung der Geschäftsführung bei Entscheidungen rund um Qualitätsfragen.
Mirjam Müller und Kira Schläpfer
Pflegeexpertinnen Spitex Kreuzlingen
Coaching und Beratung – für Geschäftsleitung und Mitarbeitende
Haben die Mitarbeitenden der Spitex Kreuzlingen Fragen zur Pflegequalität, so können sie sich organisationsintern an Kira Schläpfer und Mirjam Müller wenden. In wiederkehrenden Schulungen und Coachings wird Praxiswissen vermittelt, etwa zum Schreiben von Verlaufsberichten, zur Mobilisation von Klientinnen und Klienten oder zu spezifischen Fragen rund um InterRAI. Bei komplexen Klientensituationen profitieren sowohl die Mitarbeitenden als auch die Klientinnen und Klienten davon, dass rasch Massnahmen ergriffen werden – etwa zur Entlastung von pflegenden Angehörigen. «Wir greifen auf andere Ressourcen zurück als unsere Kolleginnen und Kollegen, die auf Tour sind. So können wir Letztere gezielt befähigen oder bei Bedarf auch die Leitung von Rund-Tisch-Gesprächen übernehmen», führen die beiden Pflegeexpertinnen aus. Weiter beraten Kira Schläpfer und Mirjam Müller die Geschäftsführung bei strategischen Entscheidungen rund um Qualitätsfragen, führen interne Fallbesprechungen, etwa bei einer ethischen Entscheidungsfindung, durch, leiten Fachgruppen in Bereichen wie Wundmanagement, Palliative Care und Fallführung, erarbeiten Konzepte zu Themen wie Medikamentenmanagement oder koordinieren den Arbeitssicherheits- und Gesundheitsschutz für den Betrieb.
Jobsharing als «Glücksfall»
Für die beiden Frauen ist das Jobsharing ein Glücksfall. Dazu Kira Schläpfer: «Ich wurde 2024 Mutter und schloss gleichzeitig das Masterstudium in Pflegewissenschaften an der Ostschweizer Fachhochschule OST ab. Als ich erfuhr, dass Mirjam Müller, die damalige Stelleninhaberin bei der Spitex Kreuzlingen, nach Abschluss des Mutterschaftsurlaubs ihr Pensum reduzieren möchte, habe ich mich spontan beworben.» Und Mirjam Müller ergänzt: «Nach Abschluss des Pflege-Masterstudiums an der OST im Jahr 2022 und nach der Geburt meines Kindes hatte ich mir als Stellenpartnerin jemanden mit Spitalerfahrung gewünscht.» Beide betonen die bereichernde Zusammenarbeit: «Wir haben einen direkten fachlichen Austausch und profitieren vom Vier-Augen-Prinzip. Zudem verstehen wir gegenseitig unsere private Situation als frischgebackene Mütter.» Der enge Austausch sei eine wertvolle Investition in die berufliche Zufriedenheit, so die beiden Pflegeexpertinnen: «Dank unserer wertschätzenden und unterstützenden Vorgesetzten ist eine niedrigprozentige Arbeit in einer Stabsstelle in der gleichen Funktion möglich.»
Gleichwertige Finanzierung
von APN
Advanced Practice Nurses (APN) leisten einen wichtigen Beitrag zur Gesundheitsversorgung – auch im häuslichen Umfeld. Damit ihr Potenzial ausgeschöpft werden kann, fordert Spitex Schweiz eine flächendeckende und bedarfsgerechte Finanzierung, die den Einsatz der APN in allen Versorgungssettings ermöglicht – unabhängig davon, ob sie ihre Leistungen in Arztpraxen, Pflegeheimen, Spitälern oder bei den Menschen zu Hause erbringen.
Zum Positionspapier «Tarifierung und Finanzierung der APN» von Spitex Schweiz