Vom Sportdetailhandel zur Berufung in der Spitex
Viele junge Menschen wissen nach der Schule noch nicht, wohin ihr Weg führt. Dies zeigt auch die Geschichte von Jodok Kündig, der nach abgebrochener Lehre im Sportdetailhandel vor der Abschluss seiner Lehre als Fachmann Gesundheit bei der Spitex Hombrechtikon steht und die Weiterbildung zum Pflegefachmann im Visier hat.
Dieser Bericht ist ein Zweitabdruck und wurde als Erstes bei Spitex Inside vom Spitex Verband Kanton Zürich veröffentlicht.
LINDA CARSTENSEN. Pflege beginnt dort, wo Menschen leben. Genau hier setzt die Spitex an. Mit ambulanter Pflege und Betreuung ermöglicht sie Menschen jeden Alters, trotz gesundheitlicher Einschränkungen in den eigenen vier Wänden zu bleiben – selbstbestimmt, sicher und mit hoher Lebensqualität. In der ambulanten Pflege übernehmen Lernende Verantwortung, erleben Nähe zu Menschen und finden eine sinnvolle Aufgabe. Die Organisationen des Spitex Verbands Kanton Zürich unterstützen rund 40’000 Klientinnen und Klienten in ihrem Zuhause – und sind damit eine tragende Säule der Gesundheitsversorgung im Kanton.
Wie erfüllend dieser Beruf sein kann, erfuhr auch Jodok Kündig. Der 24-Jährige absolviert eine Ausbildung zum Fachmann Gesundheit im dritten Lehrjahr bei der Spitex Hombrechtikon.

Vom Umweg zur Berufung
Kündigs Weg in die Pflege verlief nicht geradlinig. Nach der Oberstufe begann er eine Lehre im Sportdetailhandel. Rückblickend beschreibt er diese Zeit als Phase, in der ihm vieles wichtiger war als die Ausbildung selbst. Er brach die Lehre im dritten Jahr ab und machte bewusst eine Pause zur Neuorientierung.
Der Wendepunkt kam mit einem Praktikum in der Pflege. Nicht aus Kalkül, sondern aus Neugier und dem Wunsch, näher mit Menschen zu arbeiten. Er merkte schnell, dass Pflege mehr als nur ein Job ist: Sie ist ein Beitrag an die Gesellschaft. Im Verkauf fehlte ihm diese sinnstiftende Komponente. In der Pflege fand er sie. Heute sagt er, dass er zwar müde nach Hause komme, aber mit dem Gefühl, etwas bewirkt zu haben – ein Lächeln, eine Erleichterung, einen kleinen Glücksmoment. Das zählt.
Ein Arbeitsalltag nah am Leben
Der Arbeitsalltag Kündigs beginnt am Stützpunkt mit einem kurzen Teammeeting. Touren werden besprochen und Informationen zu Klientinnen und Klienten gelesen, alles digital auf dem Tablet. Als Lernender steht er im engen Austausch mit seinen den Berufsbildenden. Fragen, Unsicherheiten und neue Situationen werden gemeinsam angegangen und reflektiert.
Dann geht es los, mit dem Auto oder dem Fahrrad – je nach Alter und Wetter. Die Tour ist durchgetaktet, aber vielseitig. Kurze Einsätze wie Stützstrümpfe anziehen oder Medikamente verabreichen wechseln sich mit längeren Besuchen ab: Körperpflege, Gehtraining, Frühstück vorbereiten, Wundversorgung, Unterstützung bei gelähmten oder hemiplegischen Menschen. Manchmal gehören auch betreuerische Aufgaben bis hin zum Füttern von Haustieren dazu. Zwischen den Einsätzen bleibt im Auto oder auf dem Fahrrad ein Moment zum Durchatmen.
Mit zunehmender Ausbildung und wachsender Erfahrung steigt auch die Verantwortung. Was anfangs strukturiert und vertraut ist, wird später anspruchsvoller und abwechslungsreicher. Es gibt neue Klientinnen und Klienten, komplexere Situationen und Einsätze zu zweit bei besonders vulnerablen Personen. Immer mit Rückhalt, aber oft auch alleine unterwegs. All das erfordert Reife, Selbstständigkeit und emotionale Stabilität.
Der Beruf ist fordernd, aber sinnstiftend und zukunftsweisend.
Jodok Kündig
Auszubildender, Spitex Hombrechtikon
Beziehung statt Routine
Was Kündig täglich bestätigt, ist die Wertschätzung. Viele Menschen sind hochbetagt, manche sozial isoliert. Die Mitarbeitenden der Spitex sind oft der einzige Kontakt des Tages. Ein Gespräch, ein Kaffee und kleine Handgriffe können einen grossen Unterschied machen. Die Beziehungen gehen tief. So tief, dass Kündig bereits zu einer Beerdigung eingeladen wurde. Solche Erlebnisse bleiben. Sie zeigen, dass Pflege mehr ist als ein Beruf.
Praxis schlägt Lehrbuch
Was in der Schule vermittelt wird, muss im Alltag oft kreativ umgesetzt werden. Fähigkeiten wie Improvisation, Empathie und Zuhören entwickeln Lernende im Alltag. Ältere Menschen tragen Wissen, Geschichten und Erfahrung in sich. Man lernt, präsent zu sein – nicht aus Büchern, sondern im Kontakt, wie Kündig erzählt.
Kündig plant die Weiterbildung zum Pflegefachmann HF, langfristig reizt ihn die Rettungssanität oder die Notfallpflege. Pflege eröffnet viele Wege: Spitex, Spital, Pflegeheim, Reha, Psychiatrie. Wechsel sind möglich, Entwicklung ebenso. Und der Bedarf bleibt hoch.
Seine Botschaft an junge Menschen ist klar: Pflege wird nicht ersetzbar sein. Menschen brauchen Menschen. Der Beruf ist fordernd, aber sinnstiftend und zukunftsweisend. Kein Tag ist wie der andere.