Sonnenblumen, «Schnaps» und Sprüche
Unterwegs mit der Spitex-Clownin: Barbara Brönnimann aus Birr bringt als «Sorella» Patientinnen und Patienten zum Lachen.
Dieser Bericht ist als Erstes in der «Aargauer Zeitung» erschienen
DEBORAH BLÄUER. Blaues Oberteil, Turnschuhe, die Haare kurz geschnitten oder zurückgebunden: Normalerweise sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Spitex Region Brugg AG diskret unterwegs. Nicht so Barbara Brönnimann. Überdimensionale Schuhe, ein gelber Kittel und eine rote Clownsnase im Gesicht – das ist ihr Arbeitsoutfit. Zumindest, wenn sie an zwei Tagen im Monat als Clownin «Sorella» bei Klientinnen und Klienten, die sich einen solchen Einsatz wünschen, unterwegs ist.
Die Fachfrau Gesundheit arbeitet seit fünf Jahren bei der Spitex Region Brugg AG. Sie besucht regelmässig einige erwachsene Patientinnen und Patienten als Clownin. Eine Journalistin und ein Fotograf der «Aargauer Zeitung» haben sie ein paar Stunden lang begleitet.

Clown-Programm wird in die Pflege eingebunden
Los geht es bei Rosmarie Schmutz. Sorella scherzt und lacht mit der 83-Jährigen, während sie ihr die Augentropfen gibt, den Blutdruck misst und die Hände eincremt. «Das esch jetzt de Neuscht», kommentiert die Bruggerin trocken, als Sorella ihr ein Glas Wasser zum Trinken reicht, das in einem Miniatur-Schwimmring in Form eines Flamingos steckt. Rosmarie Schmutz kontert Sorellas Scherze schlagfertig mit gewitzten Sprüchen. Weil sie noch einen zahnmedizinischen Eingriff hat, wird sie sich den Muffin, den Barbara Brönnimann gebacken hat, für später aufheben. Den «Schnaps» – kalter Pfefferminztee in einem kleinen Plastikbecher – trinkt sie hingegen gleich.
Brönnimann ist es wichtig, ihr Programm in die Pflege einzubinden. «Es wäre komisch, wenn ich stur die Pflege durchziehe und dann am Schluss noch ein paar Minuten auf lustig mache.» Nur beim Richten der Medikamente, da scherze sie nicht, fügt sie an. «Da muss man den Kopf beieinanderhaben.» Pro Besuch schreibt Sorella 15 Minuten zusätzlich auf. Die Kosten dafür übernimmt der Gönnerverein Spitex Region Brugg.
Sie empfindet die Aufgabe als eine grosse Ehre
Mit ihrer positiven Art und ihrem Humor möchte Barbara Brönnimann den Menschen Freude bereiten. «Mir ist es wichtig, dass die Leute etwas zu lachen haben. Manchmal sind wir von der Spitex die einzigen Personen, die sie regelmässig sehen. Und jeder Tag, an dem man nicht lacht, ist ein verlorener Tag», erklärt sie.
Sie empfindet es als grosse Ehre, als Clownin Sorella im Einsatz zu sein. «Dass man mir diese Aufgabe zutraut, bedeutet mir viel. Schliesslich habe ich keine Ausbildung als Clownin oder in dem Bereich», sagt sie.
Auslöser war ein Sketch, den die Birrerin vor einigen Jahren gemeinsam mit einer Arbeitskollegin an der Verabschiedung einer Teamkollegin aufführte. Dieser kam bei der Geschäftsleitung so gut an, dass die Idee entstand, Clownbesuche für Klientinnen und Klienten anzubieten. Da ihre Arbeitskollegin bereits stark ausgelastet ist, ist aktuell nur Sorella für die Organisation im Einsatz. Nach einem erfolgreichen Pilotprojekt gehört die Clownin seit Februar 2023 zum festen Angebot der Spitex Region Brugg AG.
Als Clownin braucht es Einfühlungsvermögen
Wichtig seien bei ihren Einsätzen als Clownin Offenheit und Einfühlungsvermögen, verrät Barbara Brönnimann. «Wenn jemand beispielsweise gerade erst eine geliebte Person verloren hat, dann ziehe ich nicht mein Programm durch, sondern nehme meine Clownsnase ab und gehe auf die Trauer des Gegenübers ein.» Das beweist die 47-Jährige auch gleich bei der nächsten Patientin. Diese freut sich zwar sehr über die Sonnenblume, welche ihr Sorella überreicht, ansonsten ist ihr aber nicht zum Lachen zumute. Immer wieder erzählt sie von früher, von den tragischen Schicksalsschlägen, die sie erlitten hat, und vom bevorstehenden Umzug, der ihr auf dem Magen liegt. Sorella hört aufmerksam zu, versucht, ihr einige Sorgen zu nehmen, und baut auf spielerische Art und Weise noch ein paar Gedächtnisübungen in den Besuch mit ein. «Wissen Sie, was für ein Tier das ist?», fragt Brönnimann die 88-jährige Frau und zeigt ihr den pinkfarbenen Flamingo-Miniatur-Schwimmring. Die Seniorin bekommt ebenfalls einen Muffin und einen «Schnaps», schliesslich ist viel Trinken bei der Hitze wichtig.

Der Garten wird mit einer Wasserpistole gewässert
Umso mehr wird dafür bei der nächsten Patientin, der 78-jährigen Therese Senn, gelacht. Sorella bringt die Windischerin mit flotten Sprüchen und Wortspielen zum Giggeln. Und als Therese Senn mit Sorellas Wasserpistole den Garten bewässern darf, gibt es kein Halten mehr. Auch während Sorella ihr den Rücken wäscht und ihr beim Anziehen hilft, ist aus dem Bad lautes Lachen zu hören.
«Oft braucht es gar nicht viel», erklärt Brönnimann dieser Zeitung später. Sie geniesst es, als Clownin unterwegs zu sein, «weil ich merke, wie es den Leuten guttut». Zum Abschluss gibt sie der Journalistin und dem Fotografen, die an diesem Morgen ebenfalls viel gelacht und ein paar «Schnäpse» mitgetrunken haben, noch einen Muffin. Danach wird aus Sorella wieder Barbara Brönnimann, die die nächsten Tage ganz klassisch als Fachfrau Gesundheit unterwegs sein wird – bis sie bei ihrem nächsten Einsatz als Clownin erneut ein Lächeln auf das Gesicht von Patientinnen und Patienten zaubert.
Interessierte Spitex-Klientinnen und -Klienten können sich bei der Organisation unter 056 556 00 00 oder per E-Mail an sorella@spitex-region-brugg.ch melden.