Eine Herbstkonferenz im Zeichen der Zukunft

Die Teilnehmenden der Herbstkonferenz von Spitex Schweiz haben das Zukunftsbild «Care@Home 2040» weiter geschärft – und sich über innovative Entwicklungen in der Spitex-Branche informiert wie einem Pilotprojekt im Kanton Aargau, das ärztliche Betreuung mithilfe der Spitex in die Wohnzimmer von kranken und beeinträchtigen Menschen bringt. Zudem wurde das 30-Jahr-Jubiläum des Verbands gefeiert.

KM. «Wir müssen unsere Zukunft jetzt aktiv und mutig in Angriff nehmen», sagte Thomas Heiniger, Präsident von Spitex Schweiz, an der Herbstkonferenz des Dachverbandes am 20. November 2025 im Berner Kursaal. Wie diese Zukunft aussehen soll, diskutiert Spitex Schweiz im Jahr 2025 mit dem Zukunftsbild «Care@Home 2040»: Care@Home umfasst alle gesundheitsbezogenen Leistungen, die professionell zu Hause erbracht werden: pflegerische, medizinische, therapeutische und auch soziale. Für sie zuständig sind laut dem Zukunftsbild im Jahr 2040 gut koordinierte, digital verbundene Netzwerke aus unterschiedlichsten professionellen Leistungserbringern (vgl. «Spitex Magazin» 5/2025). Ziel der Herbstkonferenz war es laut Thomas Heiniger, das Leistungsangebot und die Rolle der Spitex in ebendiesen Netzwerken zu schärfen.

Drei innovative Entwicklungen
Erst gingen indes zwei Referentinnen und ein Referent auf innovative Entwicklungen ein, die aufzeigen, dass die Spitex bereits heute auf «Care@Home 2040» hinarbeitet:

  • Cap2030+: Nicolas Huber, Leiter Aussenbeziehungen bei der Genfer Spitex IMAD, stellte die Strategie «Cap2030+» seiner Organisation vor. Sie basiert auf der Vision von Bund und Kanton, die Pflege zu Hause zu fördern und Spitaleinweisungen möglichst zu verhindern, was durch eine enge Kooperation der IMAD mit dem Genfer Universitätsspital (HUG) erreicht werden soll – und zwar mit vier Hebeln der Transformation:
    • Innovationen mit Kreativität und Mut umsetzen.
    • Durch Digitalisierung die Chancen der neuen Technologien nutzen.
    • Interne und externe Möglichkeiten finden, um die Qualität und Leistungsfähigkeit der IMAD weiter zu optimieren.
    • Die soziale Verantwortung der IMAD durch nachhaltigere Prozesse wahrnehmen.
  • APN in der Spitex heute und morgen: Ursina Mathis, Pflegeexpertin APN-CH bei Spitex Zürich, zeigte auf, welch vielseitigen Aufgaben die 16 Pflegeexpertinnen und Pflegeexperten APN («Advanced Practice Nurse») von Spitex Zürich heute bereits übernehmen – und 2040 zusätzlich übernehmen könnten. So könnten sich die APN künftig – auch mithilfe von Telemedizin – um die Diagnostik für Klientinnen und Klienten kümmern, um die Überweisung an das interprofessionelle Behandlungsnetzwerk sowie um die laufende Überprüfung und allfällige Adaption der der Langzeittherapie. Ursina Mathis ging aber auch auf die Herausforderungen der APN ein – etwa darauf, dass derzeit eine gesetzliche Verankerung der Rolle der APN genauso fehle wie eine vollständige Finanzierung. Wie auch Spitex Schweiz forderte sie darum eine nationale, vom Setting unabhängige Reglementierung und Finanzierung der Rolle der APN.
  • BOOK A DOC: Katharina Luzi, Fachverantwortliche Entwicklung und Pflegeexpertin MScN bei der Spitex Limmat Aare Reuss (Spitex LAR; AG) ging auf das kürzlich gestartete Pilotprojekt «BOOK A DOC – Telemedizin trifft Pflege» ein. Das Projekt der Spitex LAR und dem Digital-Health-Unternehmen Medgate bringt ärztliche Betreuung nach Hause – dank Telemedizin über die Plattform «BOOK A DOC»: Pflegefachpersonen der Spitex LAR schätzen die Situation von Klientinnen und Klienten ein und buchen bei Bedarf eine Medgate-Konsultation über die Plattform, woraufhin eine Ärztin oder ein Arzt sie zeitnah zurückruft. Dann folgen eine Anamnese und Untersuchung durch Ärztin oder Arzt mit Unterstützung der Pflegefachperson, ein gemeinsamer Entscheid für eine Behandlung sowie die digitale Übermittlung der nötigen Dokumente. Auch die Hausärztin oder der Hausarzt wird informiert. Dieses Angebot sorgt laut Katharina Luzi unter anderem für eine integrierte Versorgung rund um die Uhr, eine medizinische Betreuung zu Hause und eine zeitnahe Unterstützung der Spitex.

Diskussion I: das künftige Leistungsangebot
Dann widmeten sich die Teilnehmenden in Gruppen dem Dialog über das Leistungsangebot der Spitex im Jahr 2040. Gemäss der von Esther Thahabi moderierten Diskussion umfasst dieses künftige Angebot unter anderem Folgendes:

  • Die Spitex übernimmt auch in äusserst komplexen Fällen des Case Management, zunehmend mithilfe von APN. Sie kommt dabei häufig bereits beim ersten Assessment zum Einsatz – in Kooperation mit Ärztinnen und Ärzte, die vielleicht sogar bei der Spitex selbst angestellt sind.
  • Die Spitex bietet zahlreiche spezialisierte Leistungen «von der Wiege bis zur Bahre» an. Genannt wurden beispielsweise «reha@home» mit therapeutische Leistungen wie Physiotherapie oder Ergotherapie, Mütter-Väter-Beratung, Spezialleistungen für schwerkranke Kinder, Ernährungsberatung sowie Psychiatriepflege.
  • Die Spitex bietet ein 24-Stunden-Angebot an, um Spitalaufenthalte wo möglich zu verhindern oder zu ersetzen – auch mithilfe von Monitoring und Telemedizin.
  • Die Spitex nutzt die Möglichkeiten der modernen Technologie wo immer möglich – zum Beispiel zum Überwinden von Sprachbarrieren für Klientinnen und Klienten mit Migrationshintergrund.
  • Die Spitex setzt vermehrt auf Prävention und das Fördern von Gesundheitskompetenz.
  • Die Spitex sorgt für Sozialberatung und Angebote der Betreuung.
  • Die Spitex koordiniert alle in ihrer Versorgungsregion vorhandenen Dienstleister der Versorgung zu Hause. Das bedeutet auch, dass sie all die genannten Leistungen selbst oder durch Kooperation anbieten kann.

Klar wurde an der Herbstkonferenz auch: Für all ihre künftigen Leistungen braucht die Spitex das richtige Personal – von pflegenden Angehörigen bis zu APN und allenfalls sogar Ärztinnen und Ärzte, Fachpersonen für Soziale Arbeit sowie Therapeutinnen und Therapeuten.

Geburtstags-Überraschung in der Mittagspause
Nach dem Mittagessen wartete eine Überraschung auf die Anwesenden: Das Licht wurde gelöscht und Vertreterinnen und Vertreter der Premiumpartner von Spitex Schweiz – der Publicare AG, Allianz Suisse AG und SmartLife Care AG – schoben zwei Wagen mit Cupcakes und Wunderkerzen in den Raum. Dies als Geschenk zum 30. «Geburtstag» des Dachverbandes. «Happy Birthday» erklang aus den Lautsprechern und die Anwesenden klatschten erst im Takt mit und stiessen dann mit einem edlen Tropfen auf das Jubiläum an. Darauf folgte ein digitales Quiz, bei dem das Wissen über die vergangenen 30 Jahre genauso zählte wie das Tempo. So mussten die Teilnehmenden wissen, dass der Dachverband in seinem ersten Jahr mit Liquiditätsproblemen zu kämpfen hatte, dass der Mitgliederbeitrag damals bei 1000 Franken lag und dass Alain Berset und nicht Roger Federer dem Verband zum 25-Jahr-Jubiläum gratuliert hatte. Nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen ging Sabina Crameri, stv. CEO von SmartLife Care, als Siegerin hervor – und durfte einen Jubiläums-Lebkuchen mit nach Hause nehmen.

Die Vertreterinnen und Vertreter der Premiumpartner von Spitex Schweiz mit ihrem Geschenk zum 30-Jahr-Jubiläum des Dachverbandes.

Die leckeren Cupcakes kamen gut an.

Beim anschliessenden Quiz zur 30-jährigen Geschichte von Spitex Schweiz gewann Dominik Weber-Rutishauser Bronze (von links), Sabina Crameri Gold und Michael Zgraggen Silber.

Diskussion II: die Rolle der Spitex
Schliesslich wurde die Rolle der Mitglieder von Spitex Schweiz sowie des Dachverbandes selbst im Zukunftsbild «Care@Home 2040» diskutiert. Die Teilnehmenden nannten dabei häufig Aufgaben wie Vernetzung und Koordination innerhalb und ausserhalb der Spitex-Branche, Wissenstransfer, Öffentlichkeitsarbeit, politische Einflussnahme für gute Rahmenbedingungen oder auch die Förderung von Innovationen. 

Marianne Pfister, Co-Geschäftsführerin von Spitex Schweiz, erklärte daraufhin, dass in den weiteren Wochen und Monaten auch diskutiert werden müsse, welche Verbandsstrukturen für das Erreichen des gemeinsamen Zukunftsbilds zielführend sind. Und ihr Co-Geschäftsführer Cornelis Kooijman wies darauf hin, dass fortan auch das Priorisierung der vielen möglichen Massnahmen für die Arbeit an der Zukunft zentral sein werde. Zum Schluss versicherte Präsident Thomas Heiniger, dass der rote Faden der Herbstkonferenz in den kommenden Veranstaltungen von Spitex Schweiz weitergesponnen werde, um dafür zu sorgen, «dass die Spitex auch im Jahr 2040 erfolgreich ist – und tatsächlich im Zentrum von eng koordinierten Netzwerken der Gesundheitsversorgung zu Hause steht.»

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