3 min 8. September 2026

Der Personalmangel in der Pflege und Betreuung hat sich verschärft 

Der neu veröffentlichte Obsan-Bericht präsentiert aktuelle Zahlen zum Ausmass des Mangels an Pflege- und Betreuungspersonal in der Schweiz. Dabei stellt er fest: Die Ausbildungstätigkeit in der Schweiz kann den Bedarf an Gesundheitspersonal keineswegs decken, was den Mangel verschärft. Dies zeigt laut Spitex Schweiz eindrücklich, wie wichtig Massnahmen sind, um mehr Menschen für die Pflege zu gewinnen – und sie langfristig im Beruf zu halten.

KM. Am 8. September 2026 ist der vierte Bericht des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums (Obsan)[1] zum Pflege- und Betreuungspersonal erschienen. Er aktualisiert die Prognosen zur Entwicklung des Angebots und des Nachwuchsbedarfs in der Pflege und Betreuung aus dem Obsan-Bericht von 2021. Dabei stellt er fest, dass sich der Mangel an Personal verschärft hat. Die eigentliche Neuerung des Berichts besteht laut den Autorinnen und Autoren indes darin, dass er ein besseres Verständnis dieses Mangels ermöglicht. Denn das zugehörige Modell berücksichtigt neu auch eine Analyse der Berufs- und Bildungsverläufe von Absolventinnen und Absolventen im Bereich Pflege und Betreuung, um die Schätzungen hinsichtlich des Berufsaustritts und des verfügbaren Nachwuchses zu verfeinern.

Das Titelbild des neuesten Obsan-Berichts. Bild: zvg

Die neuen Ergebnisse zeigten insbesondere, dass die Ausbildungstätigkeit in der Schweiz im Zeitraum 2024–2033 je nach Szenario zwischen 40 und 55 Prozent des Nachwuchsbedarfs an Pflegefachpersonal decken könnte. Der Bericht weist auch aus, wieviel zusätzliches Pflege- und Betreuungspersonal für den Zeitraum 2024 bis 2034 für einzelne Leistungserbringer nötig sein werden: Abhängig vom Szenario sind bei der Spitex zwischen 11 und 31 Prozent mehr Personal nötig, was 3601 bis 10’575 zusätzlichen Mitarbeitenden entspricht (vgl. Grafik unten). 
Für Spitex Schweiz ist deshalb klar: Wir müssen mehr Menschen für die Pflege gewinnen – und gleichzeitig dafür sorgen, dass sie langfristig im Beruf bleiben. Der Bericht zeigt eindrücklich, wie wichtig attraktive Arbeitsbedingungen, gute Entwicklungsmöglichkeiten und letztendlich die konsequente und sorgsame Umsetzung der Pflegeinitiative sind.

Prognosen des zusätzlichen Bedarfs an Pflege- und Betreuungspersonal für den Zeitraum 2024–2034, nach Institutionstyp 

Quelle: Modell Obsan; © Obsan 2026 

Vom Personal aus dem Ausland abhängig 
Laut den Autorinnen und Autoren des Berichts zeigen die aktuellen Ergebnisse weiter, dass im Ausland ausgebildete Fachkräfte auch in den kommenden Jahren eine wichtige Rolle hinsichtlich des Personalbestandes in der Schweizer Pflege und Betreuung spielen werden. «Die Abhängigkeit von im Ausland ausgebildeten Fachkräften macht die Schweiz jedoch weiterhin anfällig, da sie dadurch Faktoren ausgesetzt ist, die sich ihrer Kontrolle entziehen oder deren künftige Entwicklung schwer vorhersehbar ist, wie beispielsweise die politischen Rahmenbedingungen der Herkunftsländer», schreiben sie. 

Ein Lichtblick gibt es in Bezug auf den Deckungsgrad: Er dürfte sich «dank der im Rahmen der Ausbildungsoffensive vorgesehenen Massnahmen erhöhen, die im Anschluss an die Pflegeinitiative umgesetzt wurden». Dies schreibt das Bundesamt für Statistik (BFS), dem das Obsan angegliedert ist.  
So oder so sind in Anbetracht der Ergebnisse «die im letzten Bericht identifizierten Handlungsfelder nach wie vor relevant», wie im aktuellen Bericht zu entnehmen ist: Die Rekrutierung für die Ausbildung, die Förderung der praktischen Ausbildung, der Verbleib des Personals im Beruf und die optimale Entfaltung der Kompetenzen seien «weiterhin die vier Hebel, an denen konzertiert angesetzt werden müsse, um im Nachwuchsbereich die Lücke zwischen Bedarf und Angebot zu verringern».  

Mehr Informationen unter www.obsan.admin.ch oder im Bericht selbst:
 
Haldimann, L. & Merçay, C. (2026). Nachwuchsbedarf und -angebot an Pflege- und Betreuungspersonal. Prognosen für den Zeitraum 2024-2033/34 (Bericht 05/26). Neuchâtel: Schweizerisches Gesundheitsobservatorium. 

[1] Das Obsan ist ein von Bund und Kantonen getragenes Kompetenz-, Dienstleistungs- und Informationszentrum für wissenschaftliche Analysen und Informationen über die Gesundheit der Bevölkerung, das Gesundheitswesen und die Gesundheitspolitik.

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