Damit Pflegende umsteigen statt aussteigen
Das Projekt «Umstieg statt Ausstieg» fördert den Verbleib in der Pflege: Pflegende, die kündigen wollen oder gekündigt haben, werden über eine digitale Plattform mit passenden Organisationen vermittelt. Unterstützt wird das Projekt vom SBK Sektion Bern.

CHRISTOPH GOLZ1 & MASCHA KURPICZ-BRIKI2. Der weltweite Mangel an Pflegepersonal stellt das Gesundheitswesen vor grosse Herausforderungen. Um den künftigen Bedarf an Pflegenden zu decken und eine qualitativ hochwertige Patientenversorgung sicherzustellen, ist es entscheidend, Pflegende im Beruf zu halten. Aktuell fehlen jedoch organisationsübergreifende Massnahmen, um Pflegende mit einer hohen Austrittsabsicht oder erfolgter Kündigung gezielt mit neuen Arbeitgebern zu vernetzen. Dadurch kommt es zu vorzeitigen Berufsausstiegen, die den langfristigen Verbleib von Pflegenden im Schweizer Gesundheitssystem gefährden.
Der SBK Sektion Bern initiiert und finanziert das Projekt und leistet damit einen aktiven Beitrag zur Stärkung des Pflegeberufs. Umgesetzt wird das Projekt in Kooperation mit den Departementen Gesundheit sowie Technik und Informatik der Berner Fachhochschule.
Ziele
Ziel des Projekts ist es, Pflegende mit Kündigungsabsicht und bereits erfolgter Kündigung mittels einer digitalen Plattform bei der Stellensuche zu unterstützen, damit diese langfristig im Beruf bleiben. Dadurch sollen frühzeitige Berufsaustritte von Pflegenden signifikant reduziert werden. Ziel der Plattform ist es, mittels standardisierten Assessment wichtige Anforderungen an neue Arbeitgebenden bei Pflegenden zu identifizieren und diese gezielt mit passenden neuen Arbeitgebenden zu vermitteln.
Vorgehen
Einbindung von Gesundheitsorganisationen
Für die Umsetzung des Projekts werden Gesundheitsorganisationen aus verschiedenen Versorgungsbereichen im Kanton Bern angefragt, die offene Stellen bereitstellen und Mitarbeitende nach Kündigung auf die Plattform aufmerksam machen. Zusätzlich können sich Pflegende aller Gesundheitsorganisationen in der Deutschschweiz, die gekündigt haben oder kündigen wollen, direkt über die Plattform zur Studienteilnahme anmelden.
Datengrundlage und Forschung
Zunächst erfolgt eine Sekundäranalyse der nationalen STRAIN– & STRAIN-2.0-Datensätze, um Stressoren und Merkmale von Pflegenden mit hoher Austrittsabsicht zu identifizieren. Ergänzt werden die Resultate durch Erkenntnisse aus Studien wie SCOHPICA und internationaler Literatur.
Anforderungen und Inhalte
Parallel finden Interviews mit Schlüsselpersonen aus dem Human Resources sowie Fokusgruppen mit Pflegenden statt, um Anforderungen und Erwartungen an die Plattform zu erheben. Darauf aufbauend werden standardisierte Assessmentinstrumente und Organisationsprofile für Jobangebote entwickelt.
Pilotierung und Evaluation
Zur Sicherstellung von Funktionalität und Nutzerfreundlichkeit wird eine Pilotversion erstellt und iterativ getestet. Die finale Plattform wird rund ein Jahr evaluiert, mit Erhebungen vor Nutzung, vor Stellenantritt und sechs Monate danach. Primäre Zielgrösse ist die Reduktion der Austrittsabsicht, sekundär werden Arbeitszufriedenheit und Verbleib im Beruf erfasst.
Ausblick
Bei Projekterfolg kann die Plattform auf andere Kantone ausgeweitet und weitere Landessprachen integriert werden.
Gemeinsam die Plattform gestalten
Damit die Plattform praxisnah und bedarfsgerecht für Pflegende und Arbeitgeber gestaltet werden kann, braucht es die Erfahrung aus zwei Blickwinkeln: von Entscheidungsträgern in Gesundheitsorganisationen und von Pflegenden selbst.
Mehr Informationen und Kontakt
Die BFH erklärt genauer, wie sich Gesundheitsorganisationen aus dem Kanton Bern sowie Pflegefachpersonen jetzt am Projekt beteiligen können, etwa durch das kostenlose Veröffentlichen von Stelleninseraten auf der Plattform oder durch das Nutzen der Plattform für die Suche nach einer passenden Stelle: Mehr Informationen hier.
Haben Sie Fragen zum Projekt oder möchten Sie mehr erfahren? Das Projektteam steht per E-Mail gerne zur Verfügung:
Umstieg-statt-Ausstieg.gesundheit@bfh.ch
Dieser Blogbeitrag erschien ursprünglich auf der Website der Berner Fachhochschule BFH (Departement Gesundheit).