«Ich glaube nicht sehr an die Inspiration als etwas Mysteriöses»

Autor Martin Suter spricht über sein aktuelles Buch «Können Sie mich sehen?», eine bestimmte WEF-Rede und darüber, woher er sich die Inspiration zum Schreiben holt.


INTERVIEW: EVA ZWAHLEN

SPITEX MAGAZIN: Herr Suter, «Können Sie mich sehen?» heisst ihr neustes Buch, das im Februar 2026 erscheint. Es beschreibt Machtspiele, Intrigen und die Arbeit im Homeoffice. Das Buch ist eine Fortsetzung Ihrer satirischen und sehr erfolgreichen Kolumne namens «Business Class». Woher nehmen Sie die Inspiration für Ihre Geschichten?
MARTIN SUTER: Ich betreibe seit 2019 eine Website: martin-suter.com. In den ersten Jahren hatte ich dort wieder meine Kolumne «Business Class» geschrieben, die ich früher  15 Jahre lang wöchentlich schrieb. Diese Beiträge sind nur einer winzigen Leserschaft bekannt und werden nun in einem Sammelband meines Verlags Diogenes erstmals einem breiten Publikum zugänglich gemacht. Der Band heisst «Können Sie mich sehen?», weil viele der Kolumnen aus der Pandemiezeit stammen, als die Online-Sitzungen aufkamen. Wenn man mich fragt, ob ich nach so langer Zeit ohne diese Kolumne nicht den Anschluss verpasst hätte, antworte ich: So schnell ändern sich die Menschen nicht. Und woher ich die Inspiration nehme? Ich glaube nicht sehr an die Inspiration als etwas Mysteriöses. Mich inspiriert das Arbeiten. Also: Der letzte Satz inspiriert mich zum nächsten.

Sie sind ursprünglich ausgebildeter Werbetexter, arbeiten nun allerdings bereits seit über 30 Jahren als Autor. Gab oder gibt es aber auch einen weiteren Beruf, von dem Sie einst träumten oder immer noch träumen?
Ich bin nicht ausgebildeter Werbetexter, als ich textete, gab es keine Ausbildung dafür. Mein Traumberuf war und ist Schriftsteller. Ich habe immer vom Schreiben gelebt – als Texter, als GEO-Reporter, als Kolumnist, als Drehbuchautor, als Songwriter, als Journalist, als Publizist. Und seit 30 Jahren als Romancier.

Seit 1991 als Autor tätig: Martin Suter. Bild: Joël Hunn

Verraten Sie uns eine Macke und ein Talent von Ihnen, die in der Öffentlichkeit trotz Ihrer häufigen Medienpräsenz bisher kein Thema waren?
Guter Versuch. Dreimal dürfen Sie raten, weshalb diese in der Öffentlichkeit bisher kein Thema waren.

Gibt es eine bekannte Person, welche Sie gern einmal treffen würden?
Mark Carney, den kanadischen Premierminister. Nicht nur seine Rede am WEF selbst hat mich tief beeindruckt, sondern auch die coole Art, wie er sie vorgetragen hat. Alle Politikerinnen und Politiker sollten sich diese Rede anhören und sich eine Scheibe davon abschneiden. Insbesondere unsere.

Und weil dies das «Spitex Magazin» ist: Was sind Ihre Erfahrungen mit der Spitex? 
Ich habe mit verschiedenen Spitex-Unternehmen zu tun gehabt und insbesondere die öffentlichen als sehr verständnisvoll, einfühlend und professionell erlebt.

Über Martin Suter
Martin Suter wurde 1948 in Zürich geboren. Er hat immer vom Schreiben gelebt – sei es als Werbetexter, Journalist, GEO-Reporter, Drehbuchautor, Liedertexter oder als Kolumnist. Seit 1991 arbeitet Martin Suter als Autor. Von 1992 bis Anfang 2004 war er für die wöchentliche Kolumne «Business Class» in der  «Weltwoche» verantwortlich, bis April 2007 erschien sie
im Magazin des «Tages-Anzeigers». Für das 1997 erschienene Buch «Small World» wurde Martin Suter 1997 mit der Ehrengabe des Kantons Zürich und 1998 mit dem französischen Literaturpreis «Prix du premier roman étranger» ausgezeichnet. «Small World» wurde 2010 vom französischen Regisseur Bruno Chiche mit Gérard Depardieu und Alexandra Maria Lara in den Hauptrollen verfilmt. Martin Suters Romane (darunter «Wut und Liebe» und «Melody») und die «Business Class»-Geschichten sind auch international grosse Erfolge. Im Februar 2026 erscheint sein aktuelles Buch «Können Sie mich sehen?». In diesen neuen «Business Class»-Geschichten geht es um Machtspiele und Intrigen und um das Wahrnehmen und Ignorieren von Verantwortung. Martin Suter lebt mit seiner Tochter in Zürich.

www.martin-suter.com

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