3 min 1. Oktober 2026

Ausbildung, die im Alltag der Menschen stattfindet: Was Spitex-Betriebe HF-Studierenden mitgeben

Der Fachkräftemangel in der Pflege ist längst in jedem Spitex-Betrieb spürbar – und ambulante Organisationen spielen eine Schlüsselrolle, wenn es darum geht, künftige Pflegefachpersonen HF praxisnah auszubilden. Die Höhere Fachschule Gesundheit und Soziales Aarau (HFGS) bildet ihre Studierenden in enger Zusammenarbeit mit Ausbildungsbetrieben wie der Spitex Heitersberg aus. Sarina Wiehl, Berufsbildungsverantwortliche bei der Spitex Heitersberg, gibt Einblick in die Praxis.

Verantwortung ohne Ärztin oder Kollegen in Griffnähe
Wer in der Spitex arbeitet, betreut Menschen in deren eigenem Zuhause – nicht in einer Institution des Gesundheitswesens. «Eine Pflegefachperson muss sich an die stets wechselnden Wohnbedingungen anpassen können und kreativ sein in der Umsetzung der pflegerischen Tätigkeiten auch in herausfordernden Wohnsituationen», sagt Sarina Wiehl. Da andere Mitarbeitende und Ärztinnen nicht direkt verfügbar sind, braucht es ein hohes Mass an Eigenverantwortung und Entscheidungskompetenz: «Eine Pflegefachperson in der Spitex muss in der Lage sein, einen Gesundheitszustand klinisch einzuschätzen, Krisen zu erkennen, Probleme zu priorisieren und Massnahmen abzuleiten und umzusetzen.»

Diese Verantwortung übernehmen bei der Spitex Heitersberg auch die Studierenden schon früh: Sie arbeiten oft selbständig, können sich aber jederzeit bei ihrer Bezugsperson melden.

Was einen guten Start in der Spitex ausmacht
Motivation, Freude an der Arbeit mit Menschen und die Fähigkeit, strukturiert und selbstorganisiert vorzugehen – das sind für Sarina Wiehl die wichtigsten Voraussetzungen für Studierende. Dazu kommen psychische und physische Belastbarkeit, Resilienz und ausgeprägte Kommunikationsfähigkeiten, ohne dass die Teamfähigkeit zu kurz kommen darf. Denn auch wenn die Arbeit oft allein bei den Klientinnen und Klienten stattfindet, bleibt die Pflegefachperson im interdisziplinären Austausch und im Kontakt mit Angehörigen – zentral für eine langfristige Betreuung zu Hause.

Enger Austausch zwischen Schule und Praxis
Die Zusammenarbeit zwischen Ausbildungsbetrieb und Schule funktioniert für Sarina Wiehl dort am besten, wo der Austausch regelmässig und frühzeitig stattfindet – insbesondere, wenn es im Ausbildungsverlauf zu Schwierigkeiten kommt. Als Entwicklungsfelder nennt sie die Leistungsabrechnung und Finanzierung von Pflegeleistungen, die im ambulanten Setting eine grössere Rolle spielen als stationär, sowie spezifische Schulsequenzen mit Fokus auf die Spitex – etwa zur Erfassung komplexer Pflegesituationen oder zur Beratung von Angehörigen.

Kompetenzen für die Pflege von morgen
Frühere Spitalentlassungen und die demografische Entwicklung machen die Versorgung zu Hause zunehmend komplexer. Für Wiehl bleiben die ganzheitliche klinische Einschätzung, selbständiges Entscheiden und interdisziplinäre Vernetzung deshalb zentrale Zukunftskompetenzen – ergänzt durch digitale Kompetenzen und den Umgang mit KI. Ebenso wichtig: die eigene Gesundheit. «Die Stärkung der Resilienz und der persönlichen Gesundheit ist ein ebenso wichtiges Thema», betont sie.

Am meisten Freude bereitet ihr, Studierende auf ihrem individuellen Weg zu begleiten: «Es ist spannend zu sehen, wie sich die Dynamik in einem Pflegeteam verändert, wenn Studierende dazukommen und ihr neu erworbenes Wissen einbringen.»

Die HFGS Aarau bildet Pflegefachpersonen HF in enger Partnerschaft mit Ausbildungsbetrieben wie der Spitex Heitersberg aus – praxisnah und mit Blick auf die Anforderungen von morgen.

Höhere Fachschule Gesundheit und Soziales
Südallee 22
5000 Aarau
Telefon 062 200 21 21
info@hfgs.ch

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