3 min 16. August 2023

«Hospital at home» – nur zusammen mit der Spitex

Diverse Kliniken treiben zurzeit «Hospital at home» voran und machen damit erste Erfahrungen. Spitex Schweiz begrüsst «Hospital at Home» – bestehend aus ärztlichen und pflegerischen Leistungen – als eine konsequente und richtige Weiterentwicklung der gesundheitspolitischen Strategie «ambulant vor stationär». Bei der Konzipierung und Umsetzung von «Hospital at Home» muss die Spitex im Sinne der integrierten Versorgung jedoch eine zentrale Rolle spielen.

Spitex Schweiz fordert, dass die Spitäler für «Hospital at Home» keine neuen Parallelstrukturen aufbauen, wenn hierfür die Spitex eingesetzt werden kann: Bereits seit Jahren findet eine Verlagerung der medizinischen Behandlungen von stationär zu ambulant statt. Der politische Grundsatz «ambulant vor stationär» ist auch aus wirtschaftlicher Sicht sinnvoll, weil dadurch das Wachstum der Gesundheitskosten gedämpft werden kann. Die Spitex als bedeutender ambulanter Grundversorger leistet dazu einen wichtigen Beitrag.
«Hospital at Home» ist die naheliegende Weiterentwicklung dieser gesundheitspolitischen Strategie und wird aktuell von ersten Kliniken in verschiedenen Kantonen getestet. Spitex Schweiz begrüsst «Hospital at Home», fordert jedoch, dass die Spitäler als Anbieter von ärztlichen Leistungen und die Spitex als Anbieterin von pflegerischen Leistungen zu Hause von Anfang an zusammenarbeiten.

Einen Klienten mit akuter Erkrankung spitaläquivalent zu Hause pflegen? Die Spitex kann dies, wie hier die Genfer Spitex IMAD. Bild: Michael Maillard

Steigende Nachfrage und zunehmende Komplexität bei der Pflege zu Hause
In jeder Gemeinde der Schweiz gibt es Spitex-Organisationen, die insgesamt über 40‘000 Mitarbeitende beschäftigen. Als Anbieterin von Pflegeleistungen verfügt die Spitex über qualifizierte Pflegefachkräfte und eine Infrastruktur, die für «Hospital at Home» prädestiniert ist. Die Spitex hat jahrzehntelange Erfahrung und Expertise in der Pflege von Menschen in ihrem Daheim und kennt die Eigenheiten der häuslichen Pflege, wie zum Beispiel das Einhalten von Hygienemassnahmen in unterschiedlichen Wohnumgebungen.
Mit der steigenden Nachfrage nach ambulanter Pflege hat die Spitex während der letzten Jahre ihre Leistungen fachlich und strukturell massiv ausgebaut. Dank dem medizinisch-technischen Fortschritt kann sie Menschen in zunehmend komplexen Krankheitssituationen zu Hause pflegen und betreuen. Dazu zählt auch die hochspezialisierte, spitaläquivalente Pflege wie beispielsweise Onkologiepflege, Psychiatriepflege, Palliative Care, Wundpflege. Die Spitex arbeitet im Früh-, Spät und Nachtdienst, oft auch 24/7. Zudem erbringt sie Unterstützungsleistungen insbesondere im Bereich Hauswirtschaft.

Forderungen von Spitex Schweiz
Spitex Schweiz fordert im Rahmen von «Hospital at Home»,

  • dass Spitäler und Kantone die Spitex von Beginn weg in «Hospital at Home»-Projekte einbeziehen. Spitäler als Anbieter ärztlicher Leistungen und die Spitex-Organisationen als Anbieter pflegerischer Leistungen zu Hause sind gleichberechtigte Partner bei «Hospital at Home».
  • dass der Informationsfluss zwischen sämtlichen involvierten Akteuren mit geeigneten Instrumenten sichergestellt wird, künftig über das Elektronische Patientendossier EPD, das für alle Leistungserbringer verpflichtend sein muss.
  • dass die Krankenkassen und die Restfinanzierer (Kantone und Gemeinden) die Spitex für komplexe Leistungen angemessen entschädigen. Auch zusätzliche Leistungen und der Einsatz von technischen Hilfsmitteln, die aufgrund der weiteren Ambulantisierung auf die Spitex zukommen, müssen bezahlt werden.

Vgl. auch das Interview mit Regine Sauter, Präsidentin H+ Die Spitäler der Schweiz, und Thomas Heiniger, Präsident Spitex Schweiz, zur Kooperation von Spitex und Spitälern und zu «Hospital at Home»: Spitäler und Spitex spannen zusammen

Die Genfer Spitex IMAD zeigt, dass die Spitex spitaläquivalente Leistungen zu Hause erbringen kann, hier geht es zur Reportage: Kompetenzen und Techniken wie im Spital – aber durch die Spitex

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