Vielfältige Kooperationen von Spitälern und Spitex

Die Spitex und die Spitäler arbeiten auf unterschiedlichste Art und Weise zusammen. Dies veranschaulichen sechs Beispiele, die von einem thematischen Austausch bis zu einem Zusammenschluss reichen.

Das Gesundheitszentrum Unterengadin
Das «Center da sandà Engiadina Bassa» (CSEB) vereint verschiedene Leistungserbringer in einer Organisation und gilt damit als innovatives und zukunftsträch­tiges Modell.

Das Gesundheitszentrum Unterengadin bietet aus einer Hand vieles an. Grafik: CSEB

Kann man ein Akutspital samt Rettungsdienst, eine Rehabilitationsklinik, ein Mineralbad, eine Spitex-Organisation, eine Beratungsstelle sowie Pflegegruppen und Pflegeheime erfolgreich in einer Organisation vereinen? «Ja, das kann man», versichert Rebekka Hansmann-Zehnder. Sie ist Mitglied der Geschäftsleitung des 2007 gegründeten «Center da sandà Engiadina Bassa» (CSEB) in Scuol GR, also des «Gesundheitszentrums Unterengadin» (www.cseb.ch). Genauer ist sie Direktorin des Bereichs «Chüra – Pflege & Betreuung», dem auch die Spitex Engiadina Bassa mit 20 Mitarbeitenden sowie rund 125 Klientinnen und Klienten angehört. «Ein grosser Vorteil unseres Zentrums liegt beim guten Übertrittsmanagement», sagt sie. Die Wege im CSEB seien kurz, man kenne einander und die Beratungsstelle fungiere als Bindeglied zwischen den Leistungserbringern. «Die Stelle ist für das Case Management zuständig und sorgt unter anderem für die umfassende Information der Spitex bei einem Spitalaustritt.» Zudem sei sie für die Gesundheitsförderung und Prävention im Alter verantwortlich und beziehe weitere Akteure wie die Hausärzteschaft, Pro Senectute oder auch die Gemeinden mit ein. «Auf diese Weise können sich die Menschen auf eine funktionierende Kooperation im Gesundheitswesen verlassen und erhalten alles aus einer Hand», sagt Rebekka Hansmann-Zehnder, die bis 2020 Geschäftsleiterin der Spitex Region Brugg AG war. «Auch unsere Mitarbeitenden profitieren vom Modell, weil sie in der Ausbildung und im Berufsalltag alle Bereiche des CSEB kennenlernen können. Zudem haben sie alle nötigen Informationen rechtzeitig zur Verfügung und müssen nicht um die Finanzierung von Koordinationsleistungen kämpfen», fügt sie an. Weiter sei das Verständnis der einzelnen Leistungserbringer füreinander im CSEB genauso gross wie ihr Wille, die enge Zusammenarbeit laufend zu optimieren. «So treffen sich die Chefärzte und Pflegeleitungen des ‹Ospidal›, der statio­nären Langzeitpflege und der Spitex regelmässig, um anhand von konkreten Beispielen ihre Zusammen­arbeit zu reflektieren und bei Bedarf Massnahmen zu beschliessen.»

Weiter sei das von einer Stiftung betriebene CSEB eine starke Stimme in der Gesundheitspolitik – und schone personelle sowie finanzielle Ressourcen. «Im Falle von personellen Engpässen helfen sich die einzelnen Bereiche aus», erklärt die Chüra-Direktorin. Zudem teilen sich die CSEB-Leistungserbringer verschiedene Fachexpertinnen (zum Beispiel Wundexpertinnen, Expertinnen und Experten in Palliativpflege oder eine Pflegeexpertin APN) sowie Supportdienste (Personalmanagement, IT, Finanzen); und während der Covid 19-Pandemie hatten sie einen gemeinsamen Krisenstab. Ressourcen schont indes auch das zentrale Versorgungsmanagement des CSEB, da es Doppelspurigkeiten vermeidet. Das Sparpotenzial der integrierten Strukturen im Graubünden hat 2020 die Studie «Vernetzte Gesundheit» von KPMG  Schweiz und der Universität St. Gallen unterstrichen. In der Bilanz ist Rebekka Hansmann-Zehnder vom CSEB überzeugt: «Hier herrscht eine aussergewöhnliche integrative Kultur, in der Schnittstellen zu Nahtstellen werden – und in der die Menschen, die auf die Leistungen des CSEB angewiesen sind, nicht nur auf dem Papier im Zentrum stehen.»

Hier herrscht eine aussergewöhnliche
integrierte Kultur, in der Schnittstellen zu
Nahtstellen werden.

Rebekka Hansmann-Zehnder

Mitglied Geschäftsleitung Gesundheitszentrum Unterengadin

Die mobile Palliative Care am Zürichsee
In der Region Männedorf ZH bilden das Spital Männedorf, die Spitex Zürichsee und Palliaviva gemeinsam ein Team für Palliative Care zu Hause.

Die Spitex Zürichsee zählt rund 80 Mitarbeitende, 850 Klientinnen und Klienten – und hat zwei starke Partner in der ambulanten Palliative Care: das Spital Männedorf für die ärztliche Versorgung und Palliaviva für die spezialisierte Palliativpflege. Auf der Palliativstation des Spitals sind zwei Ärztinnen für das mobile Angebot zuständig. «Ihr Besuch bei den Patientinnen und Patienten kann je nach Möglichkeit und Bedürfnis separat oder gemeinsam mit der Pflege erfolgen», erklärt Dr. med. Dominik Schneider, Chefarzt Medizin bei der Spital Männedorf AG. «Unsere Ärztinnen sind zudem rund um die Uhr telefonisch erreichbar, auch für Palliaviva und die Spitex.» Der Austausch mit den Partnern werde über Telefonate und per Mail garantiert. «Unsere Kolleginnen von Palliaviva nehmen aber auch am wöchentlichen Rapport unserer Palliativstation teil und haben ihr Büro im Spitalgebäude, sodass die Wege kurz und die Gesichter bekannt sind», berichtet er. Grundvoraussetzung für die funktionierende Zusammenarbeit sei das aussergewöhnliche Engagement der involvierten Personen und dass das Projekt von den jeweiligen Leitungen getragen werde. «Mit der Spitex Zürichsee und Palliaviva hat das Spital Männedorf zwei erfahrene Partnerorganisationen, die in der Region auf ihrem Fachgebiet bestens etabliert sind», fügt Dominik Schneider an. Es mache daher aus Sicht des Spitals keinen Sinn, eigene Pflegefachpersonen in der ambulanten Palliative Care einzusetzen; zudem sei in Zeiten des Fachkräftemangels eine Bündelung der Kapazitäten nötig. «Darum arbeiten wir in der Palliativmedizin wie ein Team aus Pflegefachpersonen und Ärzteschaft zusammen – nur eben mit unterschiedlichen Arbeitgebern.»

Die Spitex Zürichsee hat einen Sub-Leistungsvertrag mit der Stiftung Palliaviva abgeschlossen, die ihre Leistungen über die Spitex abrechnet. «Wir pflegen einen intensiven Austausch mit den drei Palliaviva-Mitarbeiterinnen. Sie senden uns Verordungungen und Verlaufsberichte per HIN-Mail zu. Und wir tauschen uns per Telefon aus sowie regelmässig bei uns im Stützpunkt, zum Beispiel im Rahmen von Fallbesprechungen», berichtet Lara Rée, Geschäftsleiterin der Spitex Zürichsee. Auch wenn sie sich eine gemeinsame digitale Plattform wünschen würde, sei die ­Kooperation bereits heute sehr unkompliziert und praktisch und finde stets auf Augenhöhe statt. Dies habe sich 2022 auch anlässlich zweier Anlässe mit dem ­Titel «Unheilbar krank, was nun? Lebensqualität trotz schwerer Krankheit» gezeigt. «Diese eindrücklichen Anlässe waren ein gelungener gemeinsamer Auftritt von Spital, Palliaviva und Spitex», lobt Lara Rée und fügt abschliessend an: «Die fragilen Klientinnen und Klienten in der Palliative Care zu Hause brauchen eine reibungslose integrierte Versorgung voller Menschlichkeit. Und es freut mich, dass wir ihnen diese ­gemeinsam mit unseren Partnern ermöglichen können.» 

Der Stützpunkt der Spitex Region Olten im Spital
Die Spitex Region Olten ist 2021 ins Kantonsspital Olten gezogen, und die neue Nähe hat viele Vorteile.

Die Spitex Region Olten hat ihren Stützpunkt seit 2021 im Kantonsspital Olten. Bild: Spitex Region Olten

Mitte Dezember 2021 sind die 33 Mitarbeitenden der Spitex Region Olten ins Kantonsspital Olten (KSO) gezogen. Im multifunktional verwendeten Personalhaus des Spitals «bewohnt» die Spitex nun eine ganze Etage mit 25 Räumen. «Das Projekt mit dem KSO kam über berufliche Beziehungen zustande und wurde von beiden Seiten zu gleichen Teilen vorangetrieben», berichtet Markus Gutnecht, Geschäftsleiter der Spitex Region Olten, die derzeit rund 220 Klientinnen und Klienten zählt. Die Vorteile der geografischen Nähe seien mannigfaltig. Die Spitex sei nun frühzeitig über Entwicklungen bei ihrem hauptsächlichen Zuweiser informiert; zum Beispiel habe sie eine bessere Einsicht in die Kapazitäten des Spitals. «Zudem wird die Spitex von den Mitarbeitenden des Spitals bewusst wahrgenommen und ist auch zu einem Teil des Spitals geworden», lobt Markus Gutknecht. Und die jeweiligen Mitarbeitenden lernten sich persönlich kennen, was die Zusammenarbeit entspanne und damit vereinfache. «Weiter konnten wir letzthin Personal vom Spital ausleihen – das geht aufgrund der Nähe jetzt ganz schnell. Und wir profitieren von der gut ausgebauten Infrastruktur des KSO, zum Beispiel von der Mensa, den grossen Sitzungszimmern und dem grossen Parkhaus. Aktuell planen wir zudem gemeinsam Ladestatio­nen für Elektroautos», zählt Markus Gutknecht auf. 

Intensiviert hätten sich durch die neue Nähe auch die persönlichen Kontakte auf Leitungsebene: Man treffe sich im Lift, in der Mensa oder organisiere kurzfristig Sitzungen. Auf Kaderebene findet auch ein fixer periodischer Austausch statt. «Dabei sprechen wir zum Beispiel über das Übergangsmanagement, das wir künftig ausbauen wollen. So soll die Spitex Erstbesuche bereits im Spital vornehmen», berichtet Markus Gutknecht. Verstärkt habe sich durch den Umzug auch die sowieso schon enge Zusammenarbeit in der Aus- und Weiterbildung, wodurch die Spitex von der sehr gut ausgebauten HR-Abteilung des Spitals profitieren könne. Zum Beispiel arbeite man in der Lehrlingsrekrutierung zusammen und tausche Auszubildende für Praktika aus. «Die Spitex Region Olten profitiert aber auch vom Weiterbildungsangebot des KSO, etwa vom Nothelferkurs», fügt Markus Gutknecht an. Ungewöhnlich am Umzug sei schliesslich, «dass die Spitex Region Olten als selbstorganisierter Betrieb nun in einem hochhierarchischen Umfeld arbeitet», erklärt der Spitex-Geschäftsleiter. «Wir sind damit gewissermassen ein bunter Fleck in ­einem durchorganisierten Gebäude, der mit Interesse betrachtet und geschätzt wird.»

Der Seitenwechsel im Thurgau
Die Spitex-Organisationen und Spitäler im Thurgau tauschen alle zwei Jahre Mitarbeitende aus. Dies fördert das gegenseitige Verständnis.

«Perspektiven verändern Wahrnehmungen und Wahrheiten», wird der deutsche Ingenieur Kersten Kämpfer zitiert. Für einen Perspektivenwechsel sorgen der Spitex Verband Kanton Thurgau und die Spital Thurgau AG gemeinsam. Genauer lernte 2022 jeweils eine Pflegefachfrau der Spitex RegioArbon, der Spitex Region Kreuzlingen und der Spitex Regio Tannzapfenland während je einem Tag den Alltag im Kantonsspital Frauenfeld oder Münsterlingen kennen. Drei Spital-Pflegefachfrauen tauchten derweil in den Spitex-Alltag ein. «Wir pflegen seit Langem eine Kultur des Austausches mit den Spitälern. Durch den Seitenwechsel wollen wir das gegenseitige Verständnis vertiefen sowie wichtige Themen für die Optimierung unserer Kooperation identifizieren», erklärt Mitinitiantin Dr. Angela Schnelli, Leiterin Fachstelle Spitexentwicklung beim Spitex Verband Kanton Thurgau. «Die Spitex-Mitarbeiterinnen haben dadurch zum Beispiel erfahren, wie vielen strukturellen Vorgaben die Pflegefachpersonen im Spital unterworfen sind.»

Jeder Seitenwechsel wird mit einer vor- und nachbereitenden Sitzung aller Beteiligten ergänzt. «Nach unserem ersten Seitenwechsel haben wir zum Beispiel den Beobachtungsauftrag ausgewertet, welchen jede Teilnehmerin ausfüllt, um eine strukturierte Begleitung des Projekts sicherzustellen», erklärt Angela Schnelli. «Auf diese Weise werden in geraden Jahren Themen bestimmt, an deren Optimierung wir in ungeraden Jahren arbeiten.» Der Seitenwechsel 2022 habe ergeben, dass der Austrittsbericht ein brennendes Thema ist. «Derzeit arbeiten wir darum gemeinsam daran, den Bericht weiterzuentwickeln und zu verbessern», berichtet Angela Schnelli – und lobt den Seitenwechsel: «Er erlaubt die Perspektivenübernahme, fördert damit das Verständnis und ist ein wichtiges Instrument für die Beziehungspflege. Und dies ist äusserst wichtig, wenn die Spitäler und die Spitex gemeinsam das Beste für ihre Klientinnen und Klienten erreichen wollen.»

Miriam Ulmann, als Pflegeexpertin zuständig für die Fachentwicklung am Kantonsspital Frauenfeld, hat den Seitenwechsel mitinitiiert und hält die Weiterführung des Projekts für lohnenswert. «Erfahrungen im jeweils anderen Betreuungssetting unterstützen uns dabei, den Informationsfluss an den Schnittstellen effektiver zu gestalten», sagt sie. «Aus der Perspektive eines Akutspitals beeindruckt, auf welche breite Informationsbasis zur Lebenssituation die Betreuung durch die Spitex-Mitarbeitenden gestützt werden kann. So haben die Instrumente zur Umsetzung des Pflegeprozesses eine deutlich grössere Bedeutung und der Einsatz der Pflegediagnostik ist routinierter», berichtet sie von den Erfahrungen der Spital-Mitarbeiterinnen bei der Spitex. Deutlich sei auch geworden, wie gross die Abhängigkeit der Spitex von einer guten Planung inklusive Verfügbarkeit von Medikamenten und Materialien ist. «Im Spital kann bei Bedarf vergleichsweise rasch Unterstützung geholt oder auf zusätzliches Material zurückgegriffen werden», erklärt sie.

Durch den Seitenwechsel wollen wir das gegenseitige Verständnis vertiefen sowie wichtige Themen für die Optimierung unserer Kooperation identifizieren

Angela Schnelli

Leiterin Fachstelle Spitexentwicklung, Spitex Verband Kanton Thurgau

St. Galler Zusammenarbeit zum Thema Hygiene
Das Kantonsspital St. Gallen sorgt dafür, dass die Hygiene-Richtlinien der Spitex stets aktuell und verfügbar sind.

«Hygiene ist ein äusserst zentrales Thema für die Qualität der Spitex-Leistungen», sagt Ruth Weber-Zeller, Leiterin Fachstelle Spitexentwicklung beim Spitex Verband SG|AR|AI. Während der Covid-19-Pandemie sei dem Verband jedoch bewusst geworden, wie anspruchsvoll es sei, ein fundiertes Hygienekonzept aktuell zu halten. Darum wandte sich Ruth Weber-Zeller an die Klinik für Infektiologie/Spitalhygiene des Kantonsspitals St. Gallen, welche die Plattform www.guidelines.ch für Hygiene-Richtlinien betreibt. «Die Zusammenarbeit zwischen dem Spitex Verband und den Spitälern ist sowieso gut. Und auch hier zeigten sich die Verantwortlichen sofort bereit, die Spitex in ihr Angebot zu integrieren», berichtet Ruth Weber-Zeller. Seit 2022 hat der Spitex Verband SG|AR|AI nun ein Abonnement für die Plattform, wofür er interessierten Mitgliedern einen grössenabhängigen Pauschalbetrag weiterverrechnet. Seit Januar 2023 profitiert auch der Spitex Verband Kanton Thurgau vom Angebot.

«Früher stand ein Hygienekonzept oft im Gestell. Nun sind die Guidelines auch unterwegs und jederzeit abrufbar», beginnt Ruth Weber-Zeller die Vorteile der Kooperation aufzuzählen. Zudem würden die Pflegehandlungen bei der Spitex zunehmend komplexer und vielfältiger. «Unsere Mitarbeitenden können diese zunehmende Vielfalt nun besser bewältigen, da sie auf aktuelle, evidenzbasierte und gut verständliche Guidelines zu allen Themen zurückgreifen können – ohne sehr viel Zeit in eigene Guidelines investieren zu müssen», lobt sie. «Und schliesslich ist es auch von Vorteil, dass die hygienischen Richtlinien der Spitäler und der Spitex dieselben sind. Denn dies sorgt für Kontinuität und Sicherheit für unsere Klientinnen und Klienten.»

26 Organisationen haben derzeit einen Log-in-Bereich auf www.guidelines.ch, darunter Spitäler, Behörden sowie Alters- und Pflegeheime. Für die Spitex-Verbände sind 21 Guidelines verfügbar, zum Beispiel «Zentralliegende Venenkatheter (ZVK)», «Medizinische Abfälle» und «Akute respiratorische Infekte». Zu jedem Thema wird erst das Wichtigste in Kürze erläutert, bevor detailliert auf einzelne Hygienemassnahmen eingegangen wird. Oft werden die Texte ergänzt durch Illustrationen, Fotos oder auch weiterführende Links. «Manche dieser Guidelines haben wir selbst angeregt, weil sich das Vorgehen der Spitex von demjenigen im Spital unterscheidet», erklärt Ruth Weber-Zeller. Zum Beispiel könnten Spitex-Mitarbeitende nach einer Stichverletzung nicht schnell auf der Notfallstation im selben Gebäude vorbeischauen. 

Das Spital sorge auch für den Support der Spitex; zum Beispiel könne man den Verantwortlichen schriftlich Fragen zu den Guidelines stellen oder in dringlichen Fällen auch zum Telefon greifen. «Für die Spitex-Mitarbeitenden bedeuten die Guidelines viel Sicherheit und Orientierung», sagt Ruth Weber-Zeller. «Und unsere Klientinnen und Klienten profitieren davon, weil die Spitex damit beim Thema Hygiene äusserst professionell und aktuell arbeitet.»


Das «Haus für Gesundheit und Prävention» in Biel
Ab 2026 werden im Bieler «Haus für Gesundheit und Prävention» die Spitex Biel-Bienne Regio, das Spitalzentrum Biel und viele weitere ambulante Akteure zusammenarbeiten.

Der Eingangsbereich des «Hauses für Gesundheit und Prävention». Illustration: Kimball AG

Hinter dem Bieler Bahnhof entsteht das «Haus für Gesundheit und Prävention», das ab 2026 ambulante Behandlungen verschiedenster Leistungserbringer unter einem Dach vereinen wird. Das Spitalzentrum Biel, das die stationären Leistungen ab 2029 in einem Neubau in Brügg BE konzentriert, wird hier eine integrierte ambulante Versorgung anbieten, insbesondere für chronische und komplexe Krankheitsbilder. Dazu gehören unter anderem Bereiche wie Neurologie/Memory Clinic sowie ein ambulantes Herz-Gefäss-Zentrum. Auch ein Teil der Spitex Biel-Bienne Regio wird in das Kompetenzzentrum für Altersvorsorge und ambulante Spezialversorgung einziehen. «Die Nähe und der rege Austausch zwischen dem Spital und der Spitex wird seit Jahren auf beiden Seiten konsequent gelebt», berichtet Markus Irniger, Geschäftsleiter der Spitex Biel-Bienne Regio. «Durch die neue geografische Nähe hoffen alle Beteiligten auf neue Synergien, persönlichere Beziehungen, eine noch bessere Vernetzung und einen noch engeren Austausch zwischen allen Akteuren.» Rund 30 Spitex-Mitarbeitende werden 150 bis 200 Quadratmeter des neuen Gebäudes beziehen. «Das werden primär die Mitarbeitenden unserer Kompetenzteams für Demenz, Psychiatrie, Wundexpertise und Abklärung sein, weil sie am engsten mit den anderen künftigen Mietern zusammenarbeiten», erklärt der Geschäftsleiter. Dass das «Haus für Gesundheit und Prävention» bereits 2026 eröffnen soll, hält er für einen ambitionierten, aber machbaren Zeitplan.

«Wir sind im Fahrplan», bestätigt Marc Kaufmann. Er ist Verwaltungsrat der Kimball AG, Bauherrin und ­Eigentümerin des künftigen Gebäudes. Das Spitalzentrum Biel wolle die zunehmend gefragten ambulanten Dienstleistungen am Bahnhof Biel bündeln, wo chronisch kranke Menschen und Mitarbeitende von der zentralen Lage profitieren können, sagt er. «Ins Zentrum des neuen Hauses wollen wir die Patientinnen und Patienten stellen. Der ganze Patientenpfad soll vor Ort abgebildet werden», fügt er an. Gelingen soll dies durch viele verschiedene Mieter. So konnten bereits weitere (Vor-)Verträge unterzeichnet werden mit Pro Senectute, einem Seniorenzentrum, einer Kita, einer Apotheke, der Regionalstelle Gesundheitsberufe Praktische Ausbildung Biel-Seeland, der Lungenliga und voraussichtlich auch bald mit einer Augenarztpraxis. «Ein kleines gastronomisches Angebot soll im Gebäude ebenfalls entstehen, eventuell kombiniert mit einem niederschwelligen Angebot an Beratungsdienstleistungen», erklärt Marc Kaufmann. Markus Irniger freut sich über den Start des Grossprojekts: «Dadurch werden wir Leistungserbringer die integrierte Versorgung im ambulanten Setting noch intensiver leben und weiterentwickeln können – und damit gemeinsam für eine noch bessere Gesundheitsversorgung von vielen Menschen sorgen», ist er überzeugt.

TEXTE: KATHRIN MORF

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