HCD bringt Vorteile für Gross und Klein

Bei der Spitex Freiamt mit 35 Mitarbeitenden ist man genauso von HomeCareData (HCD) überzeugt wie bei Spitex Zürich mit 1500 Mitarbeitenden. Christine Kaspar Frei, Geschäftsleiterin der Spitex Freiamt, und Nicole Hollenstein, Pflegeexpertin APN bei Spitex Zürich, gehen auf die Nutzen des Datenpools für ihre Organisation ein.

Klientendaten sind für die Spitex von grosser Bedeutung, hier ein Themenbild mit der Spitex Kanton Zug. Themenbild: Spitex Kanton Zug / Stutz Medien

1. Dank HCD kennen Spitex-Organisationen ihre Klientinnen und Klienten genau.
«Dank HCD kann sich die Spitex ein genaues und dynamisches Bild ihrer Klientinnen und Klienten machen und dadurch ihr Angebot bedarfsgerecht gestalten», sagt Christine Kaspar Frei, die ausser Geschäftsleiterin der Spitex Freiamt (AG) auch interRAI-Lehrbeauftragte am Careum in Aarau ist. Beispielsweise habe die Spitex Freiamt mittels HCD herausgefunden, dass ihre Klientinnen und Klienten am häufigsten unter Diabetes, Herzkrankheiten, kognitiven Einschränkungen und Krebs leiden. «Nun kann ich unsere Richtlinien und Weiterbildungen auf diese Diagnosen ausrichten», sagt sie. Dass HCD die bedarfsgerechtere Versorgung der Klientinnen und Klienten ermöglicht, bestätigt Nicole Hollenstein, die bei Spitex Zürich als Pflegeexpertin APN im Bereich Chronic Care arbeitet und Vorstandsmitglied der Spitex Knonaueramt ist. «Sehen wir an unseren Daten zum Beispiel, dass wir in der Psychiatriepflege viele Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen betreuen, können wir unsere Mitarbeitenden diesbezüglich besser weiterbilden.» Zudem könne sie mit HCD die Klientinnen und Klienten der einzelnen Teams von Spitex Zürich vergleichen. «Zeigt sich dabei, dass ein Team besonders viele komplexe Fälle hat, können wir APN diese Mitarbeitenden stärker fachlich unterstützen», erklärt sie.

Spitex Zürich arbeitet bei der Analyse der HCD-Daten mit dem Tool Qlik Sense. «Damit können wir HCD-Daten zum Beispiel mit verschiedenen anderen Datenquellen verbinden und die Ergebnisse grafisch darstellen», sagt Nicole Hollenstein. Auf diese Weise analysierten die APN von Spitex Zürich die Daten von 65 ihrer Klientinnen und Klienten und fanden heraus, dass die typische APN-Klientin von Spitex Zürich weiblich, 72 Jahre alt, alleinstehend und multimorbide ist. Sie hat eine leicht bis mittelstark beeinträchtigte Kognition und Mobilität, leidet unter chronischen Schmerzen und zeigt Anzeichen einer Depression. In Bezug auf die IADL[1] ist sie von Hilfe abhängig, bei ihr ist das Risiko einer Notfalleinweisung und Institutionalisierung vorhanden und ihr Bedarf an C-Leistungen pro Quartal beträgt zum Beispiel 88 Stunden. «Künftig können wir auf Basis dieser Analyse unter anderem aufzeigen, wann eine APN wieso nötig ist», umreisst Nicole Hollenstein. «Zudem werden wir APN oft sehr spät zu komplexen Fällen hinzugezogen. Mittels HCD können  wir nun Klientinnen und Klienten mit vielen ‹APN-Attributen› frühzeitig identifizieren und nach Absprache mit dem zuständigen Team präventiv aufsuchen.»

2. HCD hilft beim Qualitätsmanagement.
HCD ist laut Christine Kaspar Frei und Nicole Hollenstein eine gute Basis für das Definieren von Themen für die Qualitätsentwicklung – insbesondere dank des möglichen Vergleiches mit anderen Spitex-Organisationen. «Ich prüfe bei unzähligen Indikatoren, wo die Spitex Freiamt im Vergleich zum Pool steht. Dort, wo wir starke Abweichungen haben, analysiere ich die Gründe und ergreife bei Bedarf Massnahmen», erläutert Christine Kaspar Frei. Äusserst wichtig sei dabei die sorgfältige Interpretation von Unterschieden: «Zum Beispiel dachten wir früher, dass die Sturzprävention der Spitex Freiamt gut ist, weil wir im Vergleich einen tiefen Durchschnitt an Stürzen pro Klientin oder Klient verzeichneten. Eine differenzierte Analyse zeigte dann aber, dass überdurchschnittlich viele unserer Klientinnen und Klienten nach einem ersten oder zweiten Sturz nicht mehr in ihr Zuhause zurückkehren konnten. So merkten wir, dass wir die Prävention von solch schweren Stürzen verstärken müssen.» Durch den Vergleich der HCD-Daten verschiedener Jahre können die Spitex Freiamt und Spitex Zürich auch die Wirksamkeit von Qualitätsmassnahmen analysieren. «Haben wir zum Beispiel Massnahmen zur Sturzprävention ergriffen, sehen wir anhand eines späteren Vergleichs mit dem Pool sofort, ob unsere Massnahmen zu einer positiven Veränderung geführt haben», umreisst Nicole Hollenstein.

Mittels HCD können wir
Klientinnen und Klienten mit vielen ‹APN-Attributen› frühzeitig
identifizieren

Nicole Hollenstein

Pflegeexpertin APN, Spitex Zürich

3. HCD ist zentral für Verhandlungen mit Politik, Finanzierern und anderen Leistungserbringern.
HCD sei wichtig für die Interaktion mit politischen Entscheidungsträgern, sagt Christine Kaspar Frei. «Im Aargau müssen die Spitex-Organisationen dem Kanton derzeit ausweisen, wie die Indikatoren Sprache und kognitive Fähigkeiten bei ihren Klientinnen und Klienten ausgeprägt sind. Und dies tun wir mittels HCD schnell und unkompliziert.» Sie sei überzeugt, dass die Spitex-Organisationen künftig noch mehr Pflichten in Bezug auf  die Daten ihrer Klientinnen und Klienten haben werden – zum Beispiel dann, wenn der Bund von allen Spitex-Organisationen das Ausweisen von Qualitätsindikatoren verlangt (vgl. Bericht; «Spitex Magazin» 2/2023) – «und für die Erfüllung all dieser Pflichten ist HCD ein sehr gutes Instrument.» Weiter präsentiert Christine Kaspar Frei einmal pro Jahr allen zuständigen Gemeinderäten einfach verständliche Zahlen und Vergleiche aus dem Datenpool, etwa in Bezug auf das Alter der Klientinnen und Klienten der Spitex Freiamt. «Solche Zahlen helfen, das Verständnis für die Bedürfnisse und Kosten der Spitex-Organisation zu vergrössern», sagt sie. 

Nicole Hollenstein, die auch Mitglied der Akademischen Fachgesellschaft (AFG) Spitex Pflege ist, bestätigt dies: «Zum Beispiel kann man mittels HCD aufzeigen, dass eine Spitex-Organisation viel mehr Palliative Care leistet als andere Organisationen. Weil für diese Spezialdienstleistung diplomierte Pflegefachpersonen benötigt werden, kann man damit unter anderem Personalkosten erklären, die im Vergleich hoch sind.» Auch gegenüber Versicherern könnten Klientendaten beim Argumentieren helfen. «Beispielsweise kann ich aufzeigen, dass häufige Einsätze von Spitex Zürich wirksam sind, weil sie zu einer überdurchschnittlichen Selbstständigkeit der betroffenen Klientinnen und Klienten führen.» Schliesslich ist HCD laut Christine Kaspar Frei auch für Verhandlungen mit anderen Leistungserbringern wichtig. «Zum Beispiel konnte ich den Spitälern dank HCD aufzeigen, dass die Spitex Freiamt überdurchschnittlich viele An meldungen von ihnen erhält, die zu einem Einsatzabbruch führen – weil die Spitäler Patientinnen und Patienten verfrüht bei der Spitex anmelden», berichtet sie.

4. HCD verbessert die Qualität der Bedarfs­­er­hebung und ermöglicht Studien.
«HCD hilft uns, unsere Daten zu validieren und unsere Datenqualität damit weiter zu optimieren», sagt Christine Kaspar Frei. «Zum Beispiel erkenne ich Fehlcodierungen, wenn wir die interRAI-Instrumente nicht richtig angewandt haben, und im Vergleich mit anderen Organisationen stossen wir ebenfalls auf falsche Vorgehensweisen in unserer Datenerfassung.»

Vereinfacht wird durch HCD schliesslich auch eine andere Art der Erhebung: die Erhebung von Daten für Studien aus der Welt der Spitex. Beide Expertinnen sind überzeugt, dass HCD zu wichtigen Studien über die Spitex-Branche beiträgt, welche ihren jeweiligen Organisationen zugutekommen. 

Der Datenpool ist jederzeit verfügbar, bedienungsfreundlich und verhilft uns mit wenig Aufwand zu einer guten Datenqualität.

Christine Kaspar Frei

Geschäftsführerin Spitex Freiamt

Hürden für die Nutzung von HCD und Bilanz
Christine Kaspar Frei und Nicole Hollenstein machen indes auch Hürden für die Analyse der HCD-Daten aus. «Ohne eine vollständige und hochwertige Codierung ist eine detaillierte Auswertung der Daten nicht möglich», sagt Christine Kaspar Frei. «Und für diese Codierung und damit für eine gute Datenqualität zu sorgen, bedeutet einen grossen Aufwand. Wir müssen laufend in Schulungen und Aufklärungsarbeit investieren, damit alle Fallführenden gleich codieren und nichts weglassen», ergänzt Nicole Hollenstein. Eine zweite Hürde ist eine altbekannte für die Spitex: die Zeit. Beide Expertinnen versichern, dass ihre Organisationen die Vorzüge einer tiefgehenden Analyse der HCD-Daten zweifellos erkannt hätten – im eng getakteten Spitex-Alltag bleibe aber dennoch nicht immer ausreichend Zeit dafür.

Wie beurteilen die Expertinnen abschliessend die Kosten-Nutzen-Bilanz der Nutzung von HCD? «Unsere Klientendaten können sehr viel, wenn man die richtigen Fragen stellt. Und ein Datenpool, der durch standardisierte Daten gespeist wird und eine nationale Vergleichbarkeit auf wissenschaftlicher Basis ermöglicht, ist eine äusserst wertvolle Grundlage für diese Fragen», sagt Nicole Hollenstein. «Die Anbindung an HCD ist schnell erledigt und kostet nichts. Dann ist der Datenpool jederzeit verfügbar, bedienungsfreundlich und verhilft uns mit wenig Aufwand zu einer guten Datenqualität», fügt Christine Kaspar Frei an. «Zudem ermöglicht HCD allen Nutzenden, im Vergleich mit anderen Spitex-Organisationen ihr Verbesserungspotenzial zu identifizieren – und daran sollte jede Spitex-Organisation interessiert sein.»

Text: Kathrin Morf

[1]IADL steht für «instrumental activities of daily living», also instrumentelle Aktivitäten des täglichen Lebens.

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