Diskussion über drei Entwicklungen

An der Nationalverbandskonferenz (NVK) von Spitex Schweiz wurden Netzwerke, Ausschreibungen und Fusionen in der Spitex-Branche beleuchtet.

RED. Das Spitex-Motto «überall für alle» bedeute keinesfalls, dass die Spitex überall für alle standardisiert das Gleiche tut. Dies sagte Thomas Heiniger, Präsident von Spitex Schweiz, in seiner Begrüssungsrede an der Nationalverbandskonferenz (NVK) am 17. November 2022 in Bern. Stattdessen ginge die Spitex für jede Klientin und jeden Klienten individuell und gezielt vor – und sie finde von Kanton zu Kanton sowie von Organisation zu Organisation sehr unterschiedliche Lösungen für die Herausforderungen des Gesundheitswesens. Letzteres zeige sich an drei grossen Entwicklungen der Branche: Ausschreibungen, Netzwerken und Fusionen. Referentinnen und Referenten aus der ganzen Schweiz umrissen verschiedene spannende Beispiele für ebendiese Entwicklungen, auf die schliesslich im Rahmen eines Podiums genauer eingegangen wurde.

Auch Qualität, Lohn und Ausbildung müssen stimmen
Ursula Lehmann, Präsidentin der Spitex Basel, forderte im Rahmen des Podiums, dass der Preis nicht das einzige Kriterium bei einer Ausschreibung von Leistungsverträgen sein darf. «Wichtig ist zum Beispiel auch die Qualität der Leistungen und die gute Ausbildung von Fachkräften.» Laut Tristan Gratier, Präsident der Waadtländer Spitex AVASAD, darf eine Ausschreibung auch nicht dazu führen, «dass eine Organisation die Löhne senkt, um das Kriterium ‹gute Qualität zu einem guten Preis› am besten zu erfüllen». Eine Ausschreibung von Leistungsverträgen müsse demnach «ein Wettbewerb mit gleich langen Spiessen sein», ergänzte Andreas Blank, Präsident der Spitex Kanton Zug. Private Spitex-Organisationen müssten dieselben Anforderungen an die Löhne und Qualifikationen ihrer Mitarbeitenden erfüllen wie die Nonprofit-Spitex. Barla Cahannes Renggli, Präsidentin des Kantonalverbandes Graubünden und Präsidentin der Spitex Chur, forderte zudem, dass die Privaten «keine Rosinen picken dürfen»: Ein Leistungsvertrag müsse immer alle Spitex-Leistungen umfassen, die in einer Region erforderlich sind.
Horizontale und vertikale Zusammenschlüsse wurden ebenfalls diskutiert. Andreas Blank berichtete zum Beispiel, dass die Vereinigung der unterschiedlichen Kulturen von mehreren Spitex-Organisationen schon einmal ein Jahrzehnt dauern kann. «Es braucht für Fusionen also einen langen Atem», bilanzierte Moderator Patrick Imhof, Leiter Politik bei Spitex Schweiz. Ursula Lehmann betonte zudem, «dass ein Zusammenschluss mehrerer Leistungserbringer auf kantonaler Ebene ein viel grösseres politisches Gewicht hat als ein einzelner Verband.»
Ein Thema waren schliesslich auch die verschiedenen Organisationsstrukturen in der Spitex-Branche. So berichtete Barla Cahannes Renggli von der grossen Heterogenität des Bündner Gesundheitswesens. Unter dem Lead der Spitäler hätten sich zum Beispiel in mehreren Tälern verschiedene ambulante und stationäre Leistungserbringer zu Gesundheitszentren zusammengeschlossen. «Ohne diese Strukturen wäre die Versorgungssicherheit akut gefährdet», sagte sie. Tristan Gratier meinte, dass «vielleicht gerade die Vielfalt an Strukturen der Reichtum der Spitex ist». Er mahnte aber auch, dass die Spitex nicht zu viel Energie in das theoretische Diskutieren von Strukturen investieren dürfe. Dem stimmte Thomas Heiniger zu: Bei allen Kooperationen oder Fusionen müsse die Zweckmässigkeit im Zentrum stehen. «Jede Spitex-Organisation muss eine zweckmässige Lösung finden, die genau auf die Gegebenheiten ihres Kantons oder ihrer Region abgestimmt ist – und die einem zentralen Ziel dient: all unsere Klientinnen und Klienten in ihrem Zuhause gut zu pflegen und zu unterstützen», sagte er.

Der Preis darf bei einer Ausschreibung nicht das einzige Kriterium sein.

Ursula Lehmann

Präseidentin Spitex Basel

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