Die Spitex schützt Umwelt und Klima

Die Spitex Stadt Luzern engagiert sich für Nachhaltigkeit, indem sie umweltbewusst und sozial handelt – auf ganz pragmatische Weise. Dabei ist sie sich auch ihrer Vorbildfunktion als grosse, durch Steuergelder finanzierte Arbeitgeberin bewusst.

KARIN MEIER. Organisiert die Spitex Stadt Luzern einen Anlass mit wichtigen Partnerinnen und Partnern, gibt sie ihnen ein «Give-away» ab, ein Gastgeschenk. Bis vor Kurzem waren dies Shopper, also zusammenfaltbare Einkaufstaschen aus Polyester, die in Asien hergestellt
wurden. Die Spitex Stadt Luzern bezog sie zu einem Einkaufspreis von 3.50 Franken pro Stück. Weil das Produkt wenig nachhaltig war, machte sich Theres Hirsiger auf die Suche nach einer Alternative aus recyceltem Material und möglichst regionaler Produktion. Seit 2020 betreut sie das Thema Nachhaltigkeit in knapp fünf Stellenprozenten. Zu der Aufgabe kam sie, weil sie sich persönlich für das Thema engagiert. So sitzt sie in der
Umweltkommission ihrer Wohngemeinde Ruswil, welche den Gemeinderat berät. In ihren Hauptfunktionen bei der Spitex Stadt Luzern ist sie Assistentin der Geschäftsleitung und zuständig für das Coaching und die
Entwicklung der Infrastruktur.

Viele Abklärungen sind nötig 
Für die neuen Taschen klopfte Theres Hirsiger zuerst bei einer sozialen Organisation in Luzern an, die allerdings einen Stückpreis von 50 Franken verlangte. Fündig wurde sie dann beim Langenthaler Unternehmen Balsiger Textil. Es stellt nachhaltig produzierte und plastikfrei verpackte Bettwäsche her, ist nach dem strengen Label «Global Organic Textile Standard (GOTS)» zertifiziert und dem Programm Sustainable Textiles Switzerland 2030 (STS 2030) beigetreten. Theres Hirsigers ursprüngliche Idee, aus Stoffresten der Bettwäscheproduktion Taschen zu nähen, musste zwar schnell aufgegeben werden, da kaum Reste anfallen. Balsiger Textil besitzt jedoch ein Lager mit nicht verkaufter Bettwäsche, aus dem sie Stoffe beziehen konnte. Zu Taschen verarbeitet wurden diese von der sozialen Organisation Marktlücke in Zürich, die eine Werkstatt, einen Laden und ein Restaurant führt und erwerbslose Frauen in Förderarbeitsplätzen beschäftigt. Das auf die Taschen genähte Stofflogo der Spitex Stadt Luzern wird aus recyceltem Garn hergestellt. Die Stofftaschen kosten im Einkauf knapp 18 Franken und werden deshalb nicht mehr so grosszügig verteilt wie die alten Taschen aus Polyester. Interessierte können sie unter www.spitex-luzern.ch/shop kaufen. 

Das Beispiel illustriert, wie aufwendig in der Abklärung bereits eine einzelne Massnahme zum Schutz von Umwelt und Klima ist. Es belegt ausserdem, dass sich das Engagement rein finanziell meist nicht rechnet, zumindest vordergründig nicht. Dies zeigt sich auch bei den «Mäppli» von Elco aus farbigem Pergamentpapier, die vor eineinhalb Jahren die Plastikmäppli der Spitex Stadt Luzern ersetzten und dreimal so teuer sind. Zu Mehrkosten kam es auch bei der Umstellung auf Kugelschreiber von Caran d’Ache, die in der Schweiz hergestellt werden und einen Anteil Holzspäne enthalten, die bei der Bleistiftproduktion anfallen. Dies ist mit ein Grund dafür, weshalb die Mitarbeitenden nur noch einen Kugelschreiber erhalten. In den E-Smarts und den Taschen beziehungsweise Rucksäcken der Spitex befindet sich zudem noch je ein Kugelschreiber aus dem Restbestand der alten Plastik-Kugelschreiber. «Mit den meisten Massnahmen, mit denen wir die Umwelt schützen, rennen wir bei den Mitarbeitenden offene Türen ein. Die drastische Reduktion der Kugelschreiber hingegen stiess zu Beginn auf Widerstand», sagt Theres Hirsiger. Die Umstellung schone jedoch die Ressourcen, weil seither etwa drei Viertel oder 1500 weniger Kugelschreiber benötigt würden. 

Vorbildfunktion und Sichtbarkeit verpflichten  
«Mich ärgert es, dass wir generell Geld drauflegen müssen, um nachhaltig zu sein, und es günstiger wäre, billig einzukaufen und wegzuwerfen. Doch irgendwer bezahlt den Preis immer. Wenn nicht wir, dann die Menschen in den Billigproduktionsländern», sagt Theres Hirsiger. Zudem seien im Kampf gegen den Klimawandel alle gefordert, ihr Bestmögliches zu tun. Das gelte gerade auch für die Spitex Stadt Luzern: «Als öffentlich-rechtliche Organisation, die 2200 Klientinnen und Klienten betreut und mit rund 360 Mitarbeitenden sowie über 40 Lernenden zu den grösseren Arbeitgeberinnen des Kantons zählt, einen Leistungsauftrag der Stadt besitzt und durch Steuergelder mitfinanziert wird, haben wir eine Vorbildfunktion.» 

Mich ärgert es, dass es
günstiger wäre,
billig einzukaufen und
wegzuwerfen.

THERES HIRSIGER

Spitex Stadt Luzern, Bild: Stadt Luzern

Zudem seien die Mitarbeitenden in der Öffentlichkeit unterwegs, was das Unternehmen besonders gut sichtbar mache. Die Spitex Stadt Luzern stellt ihren Mitarbeitenden auch deshalb E-Bikes zur Verfügung. Diese haben den zusätzlichen Vorteil, dass für sie kein Parkplatz erforderlich ist – der in der Stadt Luzern Mangelware sei. Wer in die Agglomeration fährt oder nachts unterwegs ist, kann immer öfter einen der E-Smarts benutzen, welche die Smarts mit Verbrennungsmotoren nach und nach ersetzen. Fahrten mit dem öffentlichen Verkehr seien hingegen zu zeitaufwendig und kämen auch deshalb nicht infrage, weil die Mitarbeitenden teilweise viel Material mitnehmen müssten. 

Möglichst wenig Ressourcen verbrauchen 
Die Philosophie der Spitex Stadt Luzern, möglichst wenig Ressourcen zu verbrauchen und dabei ganz pragmatisch vorzugehen, zeigt sich in vielen weiteren Bereichen. Bereits Ende 2019 stellte sie von PET-Flaschen auf Leitungswasser um. In Zusammenarbeit mit der NPO Wasser für Wasser installierte sie eine Trinkwasser­anlage mit gekühltem Leitungswasser mit und ohne Kohlensäure und verteilte Glasflaschen an alle Filialen. Energie wird ebenfalls so wenig wie möglich verbraucht. Die Spitex Stadt Luzern, die sämtlichen Strom aus erneuerbaren Energien bezieht, unterstützt die Stromsparkampagne des Bundes. So kontrolliert sie etwa, ob nachts das Licht gelöscht und die PCs heruntergefahren sind. Der Gastrospüler wird trotz 24-Stunden-Betrieb nachts ausgeschaltet, ein grosser Drucker komplett vom Strom genommen. Der Papierverbrauch wird so gering wie möglich gehalten. Die Mitarbeitenden führen die Patientendossiers elektronisch. Wenn sie etwas ausdrucken, erfolgt dies standardmässig beidseitig. 

Beim Einkauf achtet Theres Hirsiger auf umweltschonend hergestellte, langlebige und recycelbare Materia­lien. Die Regenjacken der Mitarbeitenden sind zum Beispiel vollständig aus recyceltem PET und PFC-frei hergestellt. Die Einrichtung wird wenn immer möglich repariert oder nur teilweise ersetzt, zuweilen auch durch Occasionsmöbel. Die E-Bikes verkauft die Spitex Stadt Luzern am Ende deren Lebensdauer einer Organisation, die sie mit neuen Teilen wieder fahrtüchtig macht. Nicht einmal der Kaffeesatz landet im Abfall: Er wird in die Grünabfuhr einer Denner-Filiale abgegeben. 

Neu werden Kugelschreiber aus der Schweiz verwendet, die Holzspäne aus der Bleistiftproduktion enthalten.
Bild: Theres Hirsiger

Die Pflege zieht mit 
Die Mitarbeitenden in der Pflege gehen ebenfalls sorgfältig mit Materialien um. Sie benutzen Verbandswechsel-Sets, die nur diejenigen Artikel enthalten, die sie benötigen, und verzichten auf silberbeschichtete Wundauflagen. Bei Menschen mit Inkontinenz verwenden sie waschbare Bettauflagen. Pflegeartikel, die nur in grossen Stückzahlen bezogen werden können, kauft die Spitex Stadt Luzern selbst ein und portioniert sie, damit die Klientinnen und Klienten kein Material horten und dann entsorgen müssen. Die Medikamentenschachteln kommen in die Kartonsammlung. 

Um die Biodiversität zu fördern, spannt Theres Hirsiger mit Stadtgrün Luzern zusammen. «Wir eruieren derzeit, wie wir am Hauptsitz und bei den Aussenfilialen Balkonkästen bepflanzen können, die für Insekten interessant sind.» Im Hinblick auf die zunehmend heissen Sommer sucht sie nach Lösungen, um die Gebäude möglichst gut vor der Hitze zu schützen. Eine Möglichkeit sind Fassadenbegrünungen, die allerdings mit dem Eigentümer abgesprochen werden müssen. Solche Massnahmen seien nicht nur gut fürs Klima, sondern auch für die Mitarbeitenden, sagt sie: «Kühlere Temperaturen in den Innenräumen schützen unsere Gesundheit.» 

«Friendly Work Place»
Soziale Aspekte gehören für die Spitex Stadt Luzern mit zur Nachhaltigkeit. 2021 wurde sie als «Friendly Work Place» ausgezeichnet. Das Label wird von Gesundheitsförderung Schweiz an Organisationen mit systematischem betrieblichem Gesundheitsmanagement vergeben. «Wir wollen ein Arbeitsumfeld schaffen, in dem Mitarbeitende gerne arbeiten und in das sie nach einem Unterbruch gerne zurückkehren», sagt Theres Hirsiger. Die Spitex Stadt Luzern hat ihr Teilzeitstellenangebot erweitert und vergibt sogar die Stellen für Fallführungen im Jobsharing zu 30 Prozent. Früher war dafür eine Anstellung von mindestens 50 Prozent erforderlich. Bei Krankheiten und Problemen helfen die HR-Verantwortliche oder die Verantwortlichen des betrieblichen Gesundheitsmanagements weiter, bei Schwierigkeiten in Teams werden diese gecoacht. Mit 17 bezahlten Feiertagen im Jahr sowie gratis Kaffee, Tee, Milch und Suppen sind auch die «Fringe Benefits» grosszügig ausgestaltet. «Wir hoffen, dass all diese Massnahmen dafür sorgen, dass es unseren Mitarbeitenden möglichst gut geht», sagt Theres Hirsiger.

An einem Austausch über Nachhaltigkeit interessiert?
Wer in einer Spitex-Organisation für Nachhaltig­keit verantwortlich ist und sich gerne mit ­Spitex-Mitarbeitenden derselben Funktion vernetzen möchte, kann sich bei Theres Hirsiger melden: theres.hirsiger@spitex-luzern.ch. Sie möchte eine Gruppe Gleichgesinnter für einen niederschwelligen Erfahrungsaustausch orga­ni­sieren, in dem Best-Practice-Beispiele, Schwierigkeiten und Lösungen geteilt werden. 

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