«Die Spitex-Mitarbeitenden haben meine Mutter mit sehr viel Hingabe gepflegt»

Murat Yakin, 49, ist Trainer der Schweizer Nationalmannschaft, die vom 14. Juni bis 14. Juli 2024 die Fussball-Europameisterschaft in Deutschland bestreitet. Im Interview spricht der 49-Jährige über seinen Traumberuf, die Spitex und seine Bewunderung für seine Mutter.

Murat Yakin, Trainer der Schweizer Fussball-«Nati». Bild: zvg

SPITEX MAGAZIN: Herr Yakin, Mitte Juni beginnen die Europameisterschaften (EM) in Deutschland. Die Schweiz ist ebenfalls mit dabei – zum sechsten Mal und mit Ihnen als Nationaltrainer. Wie fühlt sich diese EM vor der Haustür der Schweiz für
Sie an, und was sind Ihre Ziele für die «Nati»?

MURAT YAKIN: Ich verspüre eine grosse Freude und zugleich auch Respekt und Demut. Wir dürfen als Schweizer Nationalmannschaft unser Land vertreten und uns dabei mit den Besten Europas messen. Ein Turnier in Deutschland ist auch deshalb etwas ganz Besonderes, weil Tausende Schweizer Fans vor Ort sein und uns ­unterstützen werden. Wir spielen in einer sehr starken Gruppe mit Deutschland, Ungarn und Schottland.
Unser erstes Ziel ist es, uns in dieser Gruppe durchzusetzen und uns für das Achtelfinale zu qualifizieren.
Anschliessend schauen wir von Spiel zu Spiel weiter, Schritt für Schritt.

Sie waren ein erfolgreicher Fussball-Profi und sind nun ein erfolgreicher Fussball-Trainer. Gab oder gibt es auch einen anderen Beruf, von dem Sie einst träumten oder immer noch träumen?
Nein. Ich wollte bereits als Kind immer nur Fussball-Profi werden, und als Nati-Trainer habe ich meinen Traumberuf gefunden.

Die Medien interessieren sich seit Langem für Ihre Arbeit und Ihr Privatleben. Verraten Sie uns eine Macke und ein Talent, die in der Öffentlichkeit bisher dennoch kein Thema waren?
Eine Macke ist, dass ich jeden Morgen einen guten Espresso brauche, um in den Tag zu starten, denn nur dann beginnt ein Tag für mich gut. Nach Talenten werde ich oft gefragt. Ich denke, mein grösstes Talent sind meine Ruhe und Gelassenheit – selbst dann, wenn es stürmisch und unruhig wird.

Auch ein Prominenter kann ein Fan sein: Gibt es eine berühmte Person, die Sie bewundern?
Ich bewundere meine verstorbene Mutter Emine. Sie hat acht Kinder allein und unter schwierigen Umständen grossgezogen, und trotz wenig Geld hat sie uns alles geschenkt, um glücklich zu sein.

Und weil dies das «Spitex Magazin» ist: Was sind Ihre Erfahrungen mit der Spitex?
Die Spitex ist unglaublich wertvoll in der heutigen Zeit. Meine Mutter wurde von der Spitex betreut und gepflegt. Auch deshalb konnte sie so lange in ihrer geliebten Wohnung bleiben. Wir haben sehr gute Erfahrungen mit der Spitex gemacht, deren Mitarbeitende meine Mutter stets mit sehr viel Hingabe gepflegt haben.

Zur Person
Murat Yakin wurde am 15. September 1974 als Sohn türkischer Einwanderer geboren. Er wuchs mit sechs Halbgeschwistern sowie Bruder Hakan in Basel auf; seine Mutter war nach der Trennung von ihrem zweiten Mann alleinerziehend. Seit 1994 ist Murat Yakin Schweizer Bürger. Von klein auf wurde er als Fussballer beim FC Concordia Basel ausgebildet. Eine angefangene ­Metallbauer-Lehre beendet er nicht; stattdessen erhielt er 1992 einen Profi-Vertrag bei GC Zürich. Mit GC gewann der Defensivspieler den Schweizer Cup und wurde zweimal Schweizer Meister. 1997 wechselte er für eine Ablösesumme von 6,5 Millionen Deutschen Mark zum VfB Stuttgart. Weitere Stationen waren Fenerbahçe Istanbul (Türkei), der 1. FC Kaiserslautern (Deutschland) und der FC Basel, mit dem er zweimal Cup-­Sieger und dreimal Schweizer Meister wurde. In seiner Karriere spielte er zweimal in der UEFA Champions League und in 49 Spielen für die Schweizer Nationalmannschaft, für die er vier Tore schoss und an der ­Europameisterschaft (EM) 2004 mitspielte, gemeinsam mit Bruder Hakan.
2006 beendete er seine Karriere als Profi-Spieler und begann als Trainer zu arbeiten, erst für Concordia Basel. Weitere Stationen waren unter anderem GC und Spartak Moskau. Mit dem FC Thun gelang ihm der Aufstieg in die Super League und mit dem FC Basel wurde er zweimal Schweizer Meister. 2021 wurde er Cheftrainer der Schweizer Nationalmannschaft, die 2022 das Achtelfinale der Weltmeisterschaft erreichte und sich für die EM 2024 qualifizierte.
Heute lebt der 49-jährige Murat Yakin mit Frau Anja und zwei Töchtern (10 und 12) in Zürich. Zu seinen Hobbys gehören Musikhören, Golf und Tennis und zeitweise das Kochen – laut «Aargauer Zeitung» kocht er zum Beispiel gefüllte Omelette mit Hackfleisch, was ihm seine 2023 verstorbene Mutter beigebracht hat.

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