Die Spitex benötigt nationale Daten

Alle Spitex-Organisationen erheben zahlreiche Daten, sei es über den Gesundheitszustand ihrer Klientinnen und Klienten, über die Zufriedenheit ihrer Klientel und ihrer Mitarbeitenden oder über ihre detaillierten Kosten. Dringend nötig wären laut Esther Bättig und Ruth Hagen, wissenschaftliche Mitarbeiterinnen im Bereich Grundlagen und Entwicklung von Spitex Schweiz, indes auch einheitliche, umfassende und qualitativ hochwertige nationale Datensammlungen. Im Folgenden soll der Fokus darum auf Instrumenten liegen, welche solche nationalen Datengrundlagen ermöglichen – sowohl für Klienten- als auch für Kostendaten.


Eine Spitex-Mitarbeiterin sammelt und nutzt täglich verschiedene Daten. Themenbild: Pia Neuenschwander /Stutz Medien
Nationale Klientendaten: der Datenpool HomeCareData
Der Datenpool HomeCareData wird mit Klientendaten gespeist und ist zum Beispiel hilfreich in Tarifverhandlungen, für Studien, für nationale Vergleiche – oder auch für die Erfüllung von aktuellen und künftigen Qualitätsvorgaben

KATHRIN MORF. Alle Spitex-Organisationen sammeln tagtäglich Daten über ihre Klientinnen und Klienten, um eine hochwertige Pflegeplanung und -kontinuität zu garantieren. Tun sie dies mit interRAI HCSchweiz und InterRAI CMHSchweiz, können sie ihre Klientendaten in den nationalen Datenpool HomeCareData (HCD) einspeisen, der 2016 von Spitex Schweiz lanciert wurde und von der Universität Bern betrieben wird (vgl. «Spitex Magazin» 4/2021). Derzeit haben 181 Spitex-Organisationen mit Leistungsauftrag ein HCD-Profil, was rund der Hälfte all dieser Organisationen entspricht. Zudem haben drei private Spitex-Organisationen ein Profil, aber noch keine Daten transferiert [Stand: 26.09.2023]. Die Organisationen profitieren auf vielfältige Art und Weise direkt vom Datenpool (vgl. Bericht). Im Folgenden sollen indes die Vorteile von HCD auf nationaler Ebene umrissen werden:

HCD hilft bei Verhandlungen mit Finanzierern:
Mittels HCD können Aspekte wie das Alter der Klientinnen und Klienten, ihre Diagnosen oder die ­Leistungsintensität der Fälle auf nationaler Ebene ausgewiesen werden. Dies ist hilfreich für Grund­lagenpapiere wie das Faktenblatt «Schätzungen zur Anzahl Demenzbetroffener in der Spitex zur Anzahl Menschen mit Demenz» des Bundesamts für Gesundheit (BAG). Besonders zentral ist diese Möglichkeit zudem für nationale Verhandlungen mit Finanzierern. «Die Spitex-Statistik des Bundesamtes für Statistik gibt nur Auskunft darüber, welche Leistungen die Spitex erbringt, und die Kostenrechnungen der Spitex-Organisationen zeigen zusätzlich auf, zu welchem Preis dies geschieht. HCD kann hingegen mit 

HomeCareData: Mit wenigen Schritten ist man dabei
«HomeCareData (HCD) ist kostenlos; die Nutzung wird mit
den interRAI-Lizenzgebühren abgegolten. Nur nur Nichtmitglieder von Spitex Schweiz bezahlen eine einmalige Auf­schaltgebühr von 200 Franken», sagt Esther Bättig, bei Spitex Schweiz für den Datenpool zuständig. Spitex-Organisationen, welche die interRAI-Instrumente verwenden, können sich mit wenigen einfachen Schritten für HCD anmelden:

  • Unter www.homecaredata.ch auf «Neuer Benutzer» klicken.
  • Die benötigten Daten in das digitale Formular eingeben und die Zustimmung zum Datenreglement erteilen.
  • Die Organisation wird innert weniger Tage informiert,
    dass ihr Profil freigeschaltet ist.
  • Über die Schnittstelle zu HCD verfügen die interRAI-Module der zertifizierten Software bereits. Die Organisation
    muss diese Schnittstelle nur freischalten oder ihren Softwareanbieter damit beauftragen.
  • Die Daten werden nun automatisch transferiert. Zudem
    erhält die Organisation Halbjahres- und Jahresberichte zu bestimmten Themen. Ob eine Organisation selbst Zeit
    in die Auswertung ihrer Daten investiert, ist ihr überlassen. Bei eigenen Auswertungen hilft das «Manual HomeCare-
    Data».

    www.homecaredata.ch
    www.spitex-instrumente.ch

klinischen Daten erklären, warum die Klientinnen und Klienten der Spitex die beschriebenen Leistungen benötigen. So können wir die menschliche Seite hinter den Leistungs- und Kostenzahlen aufzeigen», sagt Esther Bättig, bei Spitex Schweiz zuständig für HCD. Zum Beispiel könne mit HCD belegt werden, dass die Spitex immer mehr Menschen mit kognitiver ­Beeinträchtigung oder Demenz pflegt, einen immer grösseren Anteil an Akutpflege leistet und überhaupt immer komplexere Fälle pflegt (vgl. Infokasten zu Komplexitätsstudie). «Mit HCD können wir also aufzeigen, wieso die Spitex-­Leistungen immer komplexer und damit ­teurer werden – und dass die Kosten für diese Leistungen folglich aus guten Gründen steigen und die ­Spitex durchaus wirtschaftlich arbeitet. Das ist
für heutige und künftige Verhandlungen mit Spitex-­Finanzierern auf allen Ebenen äusserst zentral.» 

  • HCD zeigt die Qualität der Spitex: HCD hilft nicht nur dabei, nationale Themen für das Qualitätsmana­gement der Spitex zu identifizieren. Der Datenpool kann auch die Qualität der Spitex-Leistungen auf nationaler Ebene belegen helfen. «Mittels HCD können wir zum Beispiel zeigen, dass unsere Klientinnen und Klienten durch bestimmte Leistungen oder Massnahmen weniger Schmerzen haben oder weniger stürzen. Wir können also neben der Wirtschaftlichkeit auch die Zweckmässigkeit und Wirksamkeit unserer Leistungen belegen», sagt Esther Bättig.
  • HCD hilft gesetzliche Vorgaben erfüllen: «Einzelne Kantone fordern von ihren Spitex-Organisationen zur Qualitätsüberwachung bereits heute Klientendaten, die aus HCD generiert werden können», fährt die HCD-Verantwortliche fort. Künftig dürften solche Anforderungen auch auf nationaler Ebene Realität werden. Schliesslich will der Bundesrat, dass künftig alle Spitex-Organisationen gewisse Qualitätsindikatoren (QI) öffentlich ausweisen. Laut Franziska Zúñiga, Mitglied der Eidgenössischen Qualitätskommission (EQK), könnte dies auf Basis von HCD geschehen. Damit würde der Datenpool genauso zur Pflicht werden wie allenfalls die interRAI-­Instrumente (gl. «Spitex Magazin» 2/2023). «Spitex Schweiz hat mit HCD prospektiv eine Grundlage ­geschaffen, um solche Anforderungen erfüllen zu können – die Spitex-Organisationen müssen diese Grundlage nur noch nutzen», sagt Esther Bättig. 
  • HCD ermöglicht einen Benchmark: «Spitex-Organisationen haben den Anspruch, dass sie lernende Organisationen sind – und dank HCD können sie sich mit Spitex-Organisationen aus der ganzen Schweiz vergleichen. So können wir alle voneinander lernen», sagt Esther Bättig. Wichtig sei,
    dass Unterschiede zwischen Spitex-Organisationen sorgfältig von Personen interpretiert werden, welche ein fundiertes Fachwissen zur Pflege und zu den interRAI-Instrumenten haben.
  • HCD ermöglicht Spitex-Studien: Laut Esther Bättig konnten die HCD-Daten in letzter Zeit – unter strengen Datenschutzbestimmungen – zum Beispiel für Studien zur psychischen Gesundheit der Spitex-
    Klientels genutzt werden, zum Effekt der Spitex- Begleitung auf psychiatrische Hospitalisationen oder zur Anfälligkeit verschiedener Personen für Hitze.

Für noch bessere, repräsentative Daten wünscht sich Esther Bättig noch mehr HCD-Nutzende. «Insbesondere von den Spitex-Organisationen aus der französischsprachigen Schweiz fehlt leider immer noch ein grosser Teil», sagt sie. Die Erstellung eines HCD-Profils sowie der Datentransfer verursachten keine Kosten und kaum Aufwand (vgl. Infokasten). «Jede mitwirkende Spitex-Organisation profitiert nicht nur von allen Vorteilen von HCD, sondern beweist mit der Einspeisung ihrer Daten auch ihre Solidarität mit der gesamten Branche.» 

Abschliessend plädiert Esther Bättig für einen noch
höheren Stellenwert der Spitex-Daten – auch angesichts der fortschreitenden Digitalisierung und der steigenden Ansprüche rund um das Thema. «Ich wünsche mir, dass dem Erheben, Auswerten und Nutzen von qualitativ hochwertigen Daten in den Spitex-Organisationen mehr Gewicht verliehen wird, als es heute oft der Fall ist», sagt sie. «Und dass die Zuständigen dabei nicht vergessen, wie wichtig nationale Daten sind. Schliesslich kommt das, was die Spitex mit nationalen Daten erreichen kann, am Ende wieder ihren Klientinnen und Klienten zugute.»

Spitex-Organisationen beweisen mit der Einspeisung ihrer Daten in HCD ihre Solidarität mit der
gesamten Branche.

Esther Bättig

Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Spitex Schweiz

Der Stand der «Komplexitätsstudie»
In den vergangenen Jahren hat die Spitex beobachtet, dass sich die Komplexität der Klientensituationen erhöht hat. Zudem vermutet Spitex Schweiz, dass diese Komplexität nicht adäquat im Vergütungssystem abgebildet ist. Darum beauftragte der Dachverband das Winterthurer Institut für Gesundheitsökonomie (WIG) der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) mit einer Studie, um Komplexitätsfaktoren zu identifizieren, die zu hoher Leistungs-inanspruchnahme führen. Es soll also herausgefunden werden, welche Klienteneigenschaften mit einer hohen Inanspruchnahme von Leistungen zusammenhängen. Denn diese hohe Leistungsintensität führt laut Spitex-
Mitarbeitenden oft zu Problemen mit den Versicherern.

Um genauer zu definieren, welche Komplexitätsfaktoren geprüft werden sollen, erarbeiteten die Forschenden erst zusammen mit Spitex-Fachpersonen ein Komplexitätsmodell. Dieses teilt die Komplexitätsfaktoren in folgende Kategorien ein:

  • Somatische Gesundheitsfaktoren
    (z. B. Mehrfacherkrankungen)
  • Psychische Gesundheitsfaktoren
    (z. B. Depressionen / suizidale Gedanken)
  • Alltag und Verhalten der Klientinnen/Klienten
    (z. B. erhebliche Verhaltensprobleme)
  • Soziale und ökonomische Faktoren
    (z. B. Sprachbarrieren)
  • Instabilität (z. B. Unvorhersehbarkeit des Gesundheitszustandes)
  • Erschwerende Faktoren im Fallumfeld: Angehörige
    (z. B. ambivalente/konfliktuöse Situationen)
  • Erschwerende Faktoren im Fallumfeld:
    Leistungserbringer (z. B. viele Schnittstellen)

Nun untersuchen die Forschenden, inwiefern die Komplexitätsfaktoren oder eine Kombination davon mit der Leistungsintensität korrelieren – mit der Summe der Spitex­-Leistungen genauso wie spezifisch mit A-, B- und
C-Leistungen, den KLV-Beiträgen oder der Anzahl Einsätze pro Monat. Zudem wird ermittelt, wie gross der Anteil an Fällen mit hoher Leistungsintensität unter den 1160 untersuchten Klientinnen und Klienten der acht teil­nehmenden Spitex-Organisationen ist. Die Einreichung
des Schlussberichts der Studie ist für Ende Jahr 2023 geplant.

Mehr Informationen unter www.zhaw.ch/de/forschung/forschungsdatenbank/
projektdetail/projektid/6263/
Das «Spitex Magazin» wird sich in Ausgabe 2/2024 dem Fokusthema
«Spitex und Komplexität» widmen. 

Nationale Kostendaten:
Die Kostenrechnung von Heyde und der Benchmark von Polynomics

In Rahmen eines Inosuisse-Projekts wurden zwei Tools entwickelt, welche der Spitex zu einheitlichen nationalen Kostendaten verhelfen könnten.

Spitex Schweiz hat das Finanzmanual als Grundlage für die national einheitliche Erfassung von Leistungs- und Kostendaten geschaffen (vgl. «Spitex Magazin» 3/2020; www.spitex-instrumente.ch). Rund 90 Prozent der Spitex-Organisationen mit Leistungsauftrag haben das Manual bereits abonniert. «Für unsere nationale Grund­lagenarbeit wäre es nun aber auch sehr wichtig, dass die Kostenrechnungen der Spitex vereinheitlicht werden», sagt Ruth Hagen von Spitex Schweiz. «Schliesslich können einheitliche Kostenrechnungen in einem Benchmark verglichen werden. Damit können wir zum Beispiel die Kosten für eine Stunde Spitex-Leistungen in der ganzen Schweiz vergleichen und die Unterschiede mithilfe von Strukturdaten wie dem Lohnniveau oder der Bevölkerungsstruktur erklären. So erfahren wir auch, wo die
Kosten der Spitex genau entstehen, und können dies in nationalen Verhandlungen mit Finanzierern einbringen.» Für Ruth Hagen ist folglich klar: «Die Spitex braucht für ihre politische Arbeit auf nationaler Ebene einheitliche, verlässliche und vergleichbare Kostenrechnungen.» Sollte die einheitliche Finanzierung ambulanter und stationärer Leistungen (EFAS) mit Pflege eingeführt werden, würden die einheitliche Kostenrechnung und ein zugehöriger Benchmark für die Spitex sogar zur Pflicht (vgl. DV-Bericht im «Spitex Magazin» 3/2023). Darum war Spitex Schweiz Partner des Projekts «Kennzahlensysteme und Kostenmanagement der Spitex» der Schweizerischen Agentur für Innovationsförderung Innosuisse. Das Projekt, das von Februar 2020 bis Frühling 2023 dauerte, brachte zwei Instrumente hervor: die Kostenrechnung der Firma Heyde und die Spitex-Benchmarking-Plattform der Firma Polynomics.

Die Spitex braucht für ihre
politische Arbeit auf nationaler Ebene einheitliche, verlässliche und vergleichbare
Kostenrechnungen.

Ruth Hagen

Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Spitex Schweiz

Das Kostenrechnungs-Tool von Heyde
Die Spitex-Kostenrechnung der Heyde (Schweiz) AG aus Zürich wurde in der Pilotphase von rund 50 Spitex-Organisationen getestet. Seit 2022 erstellt Heyde umfassende Kostenrechnungen für Spitex-Organisationen, aktuell für 130. Bei der Lancierung des Kostenrechnungs-Tools kam es zu erheblichen Verzögerungen im Vergleich zum angekündigten Zeitplan. «Die Hauptursache lag darin, dass wir bereits produktive Kostenrechnungen erstellten, während das Innosuisse-Projekt noch am Laufen war», erklärt Heyde. Die Kostenrechnungen mussten also erstellt werden, ohne dass das Tool fertig entwickelt und erprobt war. «Der zweite Grund lag in der unterschiedlichen Umsetzung des Finanzmanuals sowie der ausgeprägt heterogenen Datenerfassung in den Primärsystemen der Spitex», fügt Heyde an. Dies habe zu «aufwendigen manuellen Harmonisierungsarbeiten geführt, welche die geplanten Durchlaufzeiten erheblich verlängerten». Die Kundinnen und Kunden hätten 2022 «viel Geduld aufbringen müssen, bis sie ihre Kostenrechnung erhielten.» Die Durchlaufzeiten würden sich dank Verbesserungsmassnahmen auf allen Ebenen aber kontinuierlich verkürzen. Heyde kenne heute den Wunsch- und Muss-Termin aller Kunden in Bezug auf die Abgabe der Kostenrechnungen. Zudem wurde die proaktive Kommunikation des Unternehmens, welche in der Vergangenheit von einigen Spitex-Organisationen bemängelt worden war, verbessert. «Bereits im aktuellen Jahr sind die Kostenrechnungen grösstenteils fristgerecht ausgeliefert worden. Nur in einem Kanton kam es zu Verzögerungen von zwei bis drei Wochen – und dies haben wir direkt mit dem Gesundheitsamt, dem Spitex-Kantonalverband und den betroffenen Spitex-Organisationen koordiniert», berichtet Heyde. 

Doch nun zu den Vorzügen des Tools, das auf Rohdaten basiert und jährliche oder halbjährliche Kostenrechnungen hervorbringt: Das Tool arbeitet auf Basis der Software Qlik. Diese kann Daten aus verschiedenen Primärsystemen wie der Spitex-Software sowie Finanz- und Lohnbuchhaltungssystemen automatisch zusammenführen. Damit entfallen manuelle Aufbereitungsschritte. Auf Basis all dieser Daten erstellt Heyde eine umfassende Kostenrechnung mit einem detaillierten Überblick über Themen wie Finanzen, Personal und Produktivität. «Durch die einheitliche Verarbeitung von Kosten- und Leistungsdaten werden die effektiven Kosten je Kostenträger ausgewiesen. Für die Spitex-Organisation entsteht damit eine unvergleichliche Kostentransparenz und echte Vergleichbarkeit – mit sich selbst und mit anderen Spitex-Organisationen», schreibt Heyde.

Heyde bietet den Spitex-Organisationen zwei unterschiedliche Service-Pakete an: Die «S-Lösung» umfasst die Kostenrechnung als Excel-Datei. Bei der «M-Lösung» kommen ein Online-Zugang für die digitale Kostenrechnung und das «Cockpit» hinzu. Dieses enthält laut Heyde zum Beispiel einen «umfangreichen Self-Service-Teil für individuelle Auswertungen bis auf Einsatzebene». Das Cockpit sei in Deutsch und Französisch erhältlich, an der Mehrsprachigkeit der Kostenrechnung werde gearbeitet. Eine Spitex-Organisation mit 45 Vollzeitäquivalenten (VZÄ) bezahlt zum Beispiel initial 2500 Franken für die Heyde-Kostenrechnung sowie eine Jahresgebühr von 2700 Franken (S-Lösung) oder 3700 Franken (M-Lösung). Dies ohne Mehrjahres- und Verbandsrabatt. Im Preis inbegriffen sind neben der aussagekräftigen Kostenrechnung auch standardisierte Datenprüfungen. «So werden Spitex-Organisationen entlastet und in der Verbesserung ihrer Datenqualität unterstützt», erklärt Heyde.

Heyde bietet für die Spitex-Kundschaft auch Webinare beziehungsweise Aufzeichnungen dieser Webinare mit konkreten Tipps für eine noch bessere Kostenrechnung an. Anfang 2024 wird zudem das monatliche Spitex-Cockpit lanciert. Und für erste Spitex-Organisationen werden derzeit umfassende Management-Informations-Systeme (MIS) implementiert. «Mit unserem Tool wollen wir die Spitex-Organisationen einerseits in den Themen Datenkompetenz und datenbasierte Führung unterstützen», erklärt Heyde abschliessend. «Andererseits soll aufgrund der vergleichbaren Kostenrechnungen ein offener, transparenter Dialog mit den Regulatoren möglich werden, der zu einer fairen Abgeltung aller erbrachten Spitex-Leistungen führt.»

https://spitex.heyde.ch

Die Benchmarking-Plattform von Polynomics
Die Benchmarking-Plattform von der Polynomics AG aus Olten (SO) wurde im April 2023 offiziell lanciert und basiert auf den Heyde-Kostenrechnungen. Derzeit sind dem Benchmark 48 Spitex-Organisationen angeschlossen [Stand: 18.08.2023]. «Das Benchmarking erlaubt aussagekräftige Vergleiche zwischen Spitex-Organisationen auf Basis harmonisierter Daten», schreibt Polynomics. «Diese Vergleiche erfolgen zunächst durch die Gegenüberstellung von Kennzahlen. Vertiefende Analysen nutzen anschliessend statistische Verfahren, um den Einfluss von Struktur-, Betriebs-, Leistungs- und Klientenkennzahlen auf die Kosten zu bestimmen.» Der Vergleich mit ähnlichen Organisationen ermögliche den Teilnehmern, «belastbare Hinweise auf betriebsinternes Verbesserungspotenzial zu finden oder nicht beeinflussbare Ursachen für Kostenunterschiede klar aufzuzeigen.» Die Auswertungen seien differenziert und die Ergebnisformate intuitiv und interaktiv. 

Genauer erhalten die teilnehmenden Spitex-Organisationen zweimal jährlich standardisierte Auswertungen. «Am 30. August 2023 haben wir zum ersten Mal solche Auswertungen verschickt, eine Analyse der Kennzahlen für das Datenjahr 2022. Jede Organisation erhielt zwei individualisierte Berichte: einen Kurzbericht und einen umfangreichen interaktiven HTML-Bericht», erklärt Polynomics. Für Organisationen aus Kantonen mit fünf oder mehr Teilnehmenden wird zudem der Vergleich mit den übrigen Organisationen aus dem Kanton ermöglicht. Im Herbst 2023 werden die statistischen Auswertungen folgen – und eine Spezialauswertung: «Jedes Jahr legen wir das Augenmerk auf ein Spezialthema wie die Ausbildungsleistung, den Skill-Grade-Mix oder die Fluktuation der Mitarbeitenden», erklärt das Unternehmen. «Das Spezialthema wird jeweils von der Begleitgruppe festgelegt, die aus Vertretungspersonen der teilnehmenden Spitex-Organisationen, Spitex-Kantonalverbänden und Spitex Schweiz besteht.» Zusätzlich können die Spitex-Organisationen individuelle Analysen beantragen.

Polynomics versichert die Vertraulichkeit der Daten. Doch was, wenn Spitex-Kantonalverbände Einblick in den Benchmark wünschen? «Die Verträge mit den teilnehmenden Organisationen halten fest, dass ihre Verbände die anonymisierten Benchmark-Auswertungen erhalten. Die Organisationen können ihre individualisierten Auswertungen zudem für ihren Kantonalverband freigeben», erklärt Polynomics. Die Preise für die Nutzung der Plattform liegen ohne Mehrjahres- und Verbandsrabatt bei einer Aufschaltgebühr von 200 oder 500  Franken sowie einer Jahresgebühr von 300 bis 3000 Franken. Der Benchmark steht auch italienisch- und französischsprachigen Organisationen zur Verfügung. «Die Auswertungen werden auch in Italienisch und Französisch zur Verfügung gestellt, sobald ein entsprechendes Interesse besteht», erklärt Polynomics.

Ab 2024 werden die Auswertungen von Polynomics in einer Web-Applikation zur Verfügung gestellt. «Die Organisationen erhalten Ihre Kostenrechnung derzeit zu unterschiedlichen Zeitpunkten zwischen Februar und Juli», schreibt Polynomics. «Damit sie die Auswertungen möglichst zeitnah zur Auslieferung ihrer Kostenrechnung erhalten, werden wir den Kennzahlenvergleich ab 2024 aufschalten, sobald die Daten einer genügend grossen Anzahl Organisationen vorliegen – und ihn dann jeweils sukzessive um die neu hinzukommenden Organisationen ergänzen.»

www.polynomics.ch/en/news/spitex-benchmarking-
plattform-235.html

Noch fehlt es an der Einheitlichkeit
Ruth Hagen berichtet, dass Spitex-Organisationen die Qualität der Tools von Heyde und Polynomics als sehr hoch bezeichnen – eine Aussage, welche Markus Gutknecht, Geschäftsleiter der Spitex Region Olten, bestätigt (vgl. Bericht.). Spitex Schweiz wird zusammen mit Heyde und Polynomics im November 2023 im Rahmen einer Veranstaltung mit der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren (GDK) den Kantonen die Vorzüge der Tools präsentieren. Schliesslich sind die Tools «ein grosser Schritt Richtung Nachvollziehbarkeit und Vergleichbarkeit von Daten und grundlegend für die Tarifverhandlungen als auch für die künftige Entwicklung von Tarifmodellen im Rahmen von EFAS-Pflege», wie der Dachverband im Jahresbericht 2022 festhält. «Bereits jetzt stützen wir  uns bei den Verhandlungen für die IV/UV/MV-Tarife auf Benchmark-Daten von Polynomics», bekräftigt Ruth Hagen.

Der Vergleichbarkeit der Kostenrechnungen steht derzeit indes im Weg, dass in der Spitex-Branche auch andere Lösungen im Einsatz sind. Zum Beispiel diejenigen der Softwareanbieter Nexus Schweiz AG oder root-service ag. Diese basieren jedoch auf aggregierten Daten, und mit der Benchmarking-Plattform von Polynomics sind derzeit nur die Heyde-Daten kompatibel. «Wir prüfen im zweiten Halbjahr 2023, ob auch Organisationen mit einer Kostenrechnung von einem anderen Anbieter teilnehmen können. Inwiefern dies möglich sein wird, ist derzeit schwer abzuschätzen», schreibt Polynomics. Zum Beispiel benötige Polynomics für ihre Auswertungen auch detaillierte Daten zur Zeiterfassung sowie gewisse Informationen zu den Mitarbeitenden und zur Klientel jeder Spitex-Organisation. «Neben der Vergleichbarkeit der Kostenrechnungen ist daher auch Thema, ob andere Anbieter uns diese Daten ebenfalls zur Verfügung stellen können.» 

«Die Vergleichbarkeit von Rohdaten und aggregierten Daten ist beschränkt», bestätigt Ruth Hagen. «Da nur mit Rohdaten detailliert aufgezeigt werden kann, wie sich die Kosten für eine Stunde Spitex-Leistungen genau zusammensetzen, hoffe ich, dass auch andere Anbieter künftig auf Rohdaten setzen. Oder dass die Spitex-Organisationen sich für Heyde und Polynomics entscheiden. Eine solche Umstellung braucht ihre Zeit, aber es ist wichtig, dass wir eine bessere Abdeckung und damit eine höhere Repräsentativität der Daten erreichen.» Jede Spitex-Organisation müsse ein Interesse daran haben, dass die Kostenrechnungen der Spitex so einheitlich und gut wie möglich sind, sagt Ruth Hagen abschliessend. «Denn können wir nicht genau ausweisen, was die Kosten der Spitex verursacht, dann können wir mit Finanzierern nicht gut verhandeln. Und am Ende gilt dann das Prinzip, dass schlechte Daten zu schlechten Tarifen führen.» 


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