CNO-Barometer 2023 zeigt Handlungsbedarf in Bezug auf den Fachkräftemangel

Wo liegen die aktuell grössten Herausforderungen für Pflegedirektorinnen und Pflegedirektoren beziehungsweise Chief Nurse Officers (CNOs)? Diese und weitere Fragen beleuchtet das «CNO-Barometer», ein gemeinsames Projekt von PwC und Swiss Nurse Leaders.

BARBARA ZOSSO, MARIO DESMEDT, DANIELA BIERI. 1 Das «CNO-Barometer» zeigt: Es hat sich in der Pflege bereits einiges bewegt – doch es besteht weiter Handlungs­bedarf. Das CNO-Barometer ist ein Projekt des Prüfungs- und Beratungsunternehmens PwC sowie des Verbands Swiss Nurse Leaders. Die aktuellen Resultate basieren auf einer Umfrage im Jahr 2023 bei 129 Pflegedirektorinnen und Pflegedirektoren (auch: «Chief Nurse Officers», CNOs) aus der ganzen Schweiz. 6 Prozent der teilnehmenden CNOs stammen aus der Spitex oder anderen ambulanten Pflegediensten, 43 Prozent aus Akutspitälern, 11 Prozent aus Alters- und Pflege­heimen, 10 Prozent aus psychiatrischen Kliniken und 5 Prozent aus Rehabilitationskliniken.

Weiter zeigt die Studie: Der Fachkräftemangel ist für mehr als 85 Prozent der befragten CNOs die grösste Her­ausforderung. im Jahr 2023 fehlte es in 52 Prozent der an der Umfrage teilnehmenden Gesundheitseinrichtungen an Pflegepersonal, um die Arbeitslast zufriedenstellend zu bewältigen – bei den Spitex-Betrieben liegt dieser Wert bei 50 Prozent (vgl. Abbildung). Dies führt über alle Settings gesehen zu Überstunden des Pflegepersonals (65 %) und vermehrtem Einsatz von Temporärpersonal (69 %) und/oder von weniger qualifiziertem Personal (49 %). Ein Teufelskreis: denn dadurch sinkt die Zufriedenheit des Personals, die Fluktuationsrate steigt und das verstärkt wiederum den Fachkräftemangel. 

Lösungsansätze und Schlüsselrolle des Kaders
Folgende Ansätze können dabei helfen, aus diesem Teufelskreis auszubrechen:

  • Massnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen (Flexibilisierung der Arbeitszeiten, Weiterbildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten, angemessene Löhne usw.)
  • Massnahmen zur Entlastung des Pflegepersonals (durch logistische und administrative Dienste, digital unterstützte Prozesse, bessere Nutzung der Kapazitäten usw.)
  • Wertschätzung des Pflegepersonals (durch eine Kultur, die Menschen ins Zentrum stellt, durch Förderung von Eigenständigkeit und Verantwortung, durch ein positives Bild der Pflege usw.)

Deutlich wird im CNO-Barometer auch, dass das Pflegekader bei der Umsetzung dieser Lösungsansätze eine Schlüsselrolle spielt. Die Kaderpersonen kennen ihre Mitarbeitenden und das Kerngeschäft und können durch aktive und positive Führung in partizipativen Prozessen mit den Mitarbeitenden Lösungen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen und zur Entlastung der Pflege erarbeiten und umsetzen. Diese Potenziale gilt es zu nutzen.

Erfreulicherweise zeigt das Barometer nicht nur Handlungsmöglichkeiten auf, sondern unterstreicht auch, dass sich bereits einiges bewegt hat. Die Mehrheit der befragten CNOs gibt an, in der Vergangenheit Massnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen umgesetzt zu haben. 

Einschätzung zur Verfügbarkeit von Pflegepersonal, um die Arbeitslast
zufriedenstellend zu bewältigen


Wie die Verfügbarkeit von Personal, um die Arbeitslast zufriedenstellend zu bewältigen,
im CNO-Barometer eingeschätzt wurde. Illustration: Swiss Nurse Leaders

Kostendruck und Wertorientierung
Den Fachkräftemangel bezeichnen die CNOs wenig überraschend als die grösste Herausforderung. Rang 2 belegt der Kostendruck. Mit dem Blick auf Finanzzahlen gerichtet, sollten jedoch der Wert und die Qualität der Pflege nicht vergessen gehen. Das Stichwort dazu heisst «Value-Based Healthcare» («wertorientierte Gesundheitsversorgung»). Über alle Settings verteilt, geben nur 26 Prozent der befragten CNOs an, die Qualität der Versorgung anhand von Patient-Reported Outcome Measures (PROMs) und Patient-Reported Experience Measures (PREMs) zu messen. Entsprechend sind nur knapp ein Drittel der CNOs aus Akutspitälern, Reha und Psychiatrie zufrieden mit der Qualitätsmessung. In Alte rs- und Pflegeeinrichtungen sind es rund 71 Prozent – und die teilnehmenden CNOs aus der Spitex geben allesamt an, dass die Qualität ihrer Meinung nach ausreichend gemessen werde. 

Es ist wünschenswert, dass sich Pflegefachpersonen und Gesundheitskader dafür einsetzen, dass sich das Schweizer Gesundheitssystem so weiterentwickelt, dass der Wert für Patientinnen und Patienten sowie für die Gesundheitsfachpersonen und die Qualität der Versorgung in den Fokus rücken.

Das CNO-Barometer kann vollständig heruntergeladen werden unter www.pwc.ch/de/insights/gesundheitswesen/cno-barometer-2023.html

  1. Barbara Zosso ist Geschäftsführerin, Mario Desmedt Präsident und Daniela Bieri Vize-Präsidentin von Swiss Nurse Leaders. ↩︎

Weitere Artikel

Wie die Spitex ihre Daten schützt und sichert

Wie setzt die Spitex das neue Datenschutzgesetz um, das am 1. September 2023 in Kraft getreten ist? Und wie kann sie ihre Daten vor ...

Von klein auf in guten Händen

Die Spitex Region Schwyz kümmert sich im Rahmen der Mütter- und Väterberatung um die jüngsten Mitglieder der Gesellschaft – und um ...

Ist die Spitex bald künstlich intelligent?

Einleitend gehen drei Fachpersonen auf drei zentrale Fragen rund um künstliche Intelligenz (KI) in der Pflege zu Hause ein: Welche V...